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12 | 2015

Organschaften Bilder: B.

Organschaften Bilder: B. Schwager Der Tagungsort: das India Habitat Centre in Neu Delhi. Einige Teilnehmer der deutschen Delegation in Neu Delhi, Indien (v.l.n.r.): Prof. Dr. M. Mau, Prof. Dr. E. Seifert, M. Prox, Dr. J. Nibbe, Dr. G. Fleischer, Dr. U. Jäckel, B. Schwager. ten Quartal 2016 erfolgen. Für die Umstellung von ISO 14001:2004 auf ISO 14001:2015 wurde vom Internationalen Akkreditierungsforum für bereits zertifizierte Organisationen ein Übergangszeitraum von drei Jahren festgelegt. Dies bedeutet, dass alle Zertifikate nach ISO 14001:2004 ab dem 15. September 2018 ungültig sind. Zertifizierungen auf Basis der alten Norm sind demnach aus ökonomischen Gründen nur noch bis März 2017 sinnvoll. Unternehmen können sich bereits jetzt nach der überarbeiteten Norm zertifizieren lassen. SC3 – Umweltkennzeichnung Der Unterausschuss arbeitete an Themen für die ISO 14020er-Reihe zu Umweltkennzeichnungen, -labels und -erklärungen von Produkten. Diese wird um die technische Spezifikation ISO/ TS 14027 zu Produktkategorie-Regeln ergänzt. Erstmals eingeführt in der ISO 14025 bestehen diese aus einem Set spezifischer Anforderungen und Leitlinien, um die Typ III-Umweltdeklarationen für eine oder mehrere Produktkategorien zu erstellen. Die zehnjährige praktische Anwendung der Regeln in der ISO 14025 und auch in anderen Standards zeigte, dass die bisherigen Anforderungen nicht ausreichen. Der eingeräumte Spielraum führt dazu, dass die Qualität der Produktkategorie-Regeln zu unterschiedlich ausfällt. Mit der zukünftigen ISO/TS 14027 soll daher ein effizientes und konsistentes Verfahren zur Entwicklung von Produktkategorie-Regeln mit adäquater Qualität festgelegt werden. Neben der Harmonisierung von Regeln innerhalb einer Kategorie soll ein besseres Verständnis bei den Anspruchsgruppen erreicht und die Anwendung dieser Regeln gefördert werden. Darüber hinaus soll die neue Spezifikation die Glaubwürdigkeit, Transparenz und Konsistenz, etwa zwischen verschiedenen Branchen oder geografischen Regionen, von Regeln erhöhen. An zwei Tagen wurden von der Arbeitsgruppe in Delhi mehr als 250 Kommentare beraten, die von den Experten zum zweiten Arbeitsentwurf eingingen. Der dritte Entwurf wird bis Ende dieses Jahres durch das DIN-geführte Sekretariat erstellt und erneut zur Kommentierung freigegeben. SC4 – Umweltleistungsbewertung Nach der erfolgreichen Revision der ISO 14031 „Environmental Performance Evaluation“ im Jahr 2014 mit einer erstmalig eingeführten Sektor-Methodologie, konzentrieren sich die Arbeiten nun auf neue Schwerpunkte. Mit der Norm ISO 14034 „Environmental Technology Verification“ wurde unter kanadischer Leitung ein neues Arbeitsfeld eröffnet, das vorausschauende Umwelt-Bewertungen für noch nicht marktgängige Technologien behandelt. Nach Durchsprache der Kommentare in Indien befindet sich die Norm demnächst im Konsultationsprozess zum Schlussentwurf (FDIS). Die Technische Spezifikation ISO/TS 14033 „Quantitative environmental information“ wird entsprechend dem regelmäßigen Überprüfungsprozess von Normen zur Revision vorgeschlagen, um eine Anpassung an andere Standards zu erreichen. Da die novellierte ISO 14001 ausdrücklich auf die ISO 14031 referenziert, brachte sich Deutschland mit einem Experten aktiv in den Know-how-Transfer der beiden Unterkomitees ein. Im Vordergrund stand die Entwicklung eines Internet- Auftritts, der die internationalen Erfahrungen zur Bewertung der Umweltleistung zugänglich machen soll. Die Pilotphase konnte bis zum Beginn der Konferenz abgeschlossen werden, so dass nun die Veröffentlichung auf der ISO-Plattform erfolgt. SC5 – Ökobilanzen Das SC5 bearbeitet alle Normen, die eine Lebenzyklusperspektive einnehmen. In Indien konnte der Abschluss der Beratungen zum ISO/TR 14073 bekannt gegeben werden. Dieses Dokument enthält Beispiele und Hilfestellungen für die konkrete Anwendung der Norm ISO 14046 zu Wasserfußabdrücken. Zur Vorbereitung auf die turnusmäßige Revision der Ökobilanzstandards ISO 14040 und ISO 14044 wurde vom SC5 eine konkretisierende Befragung zum Revisionsbedarf durchgeführt. Die konsolidierten Ergebnisse stehen damit allen nationalen SC5-Spiegelgremien als Basisinformation vor dem Ablauf des Abstimmungszeitraums zur Verfügung. Dieser geht noch bis Ende 2015, daher hat das SC5 einen Vorratsbeschluss zur Einrichtung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe verabschiedet. Diese kann bei einem positiven Abstimmungsergebnis zeitnah die Arbeit aufnehmen und die Revision vorbereiten. SC7 – Treibhausgasemissionen managen Im Mittelpunkt des diesjährigen Treffens standen die Revisionen von vier Normen zum Themenschwerpunkt „Management von Treibhausgasemissionen”. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die drei Teilnormen des Internationalen Standards zur Bestimmung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen (ISO 14064 Teil 1 bis 3) sowie die internationale Norm zu den Anforderungen an Validierungs- und Verifizierungsstellen für Treibhausgase (ISO 14065). Die vielfältigen und breit angelegten Aktivitäten des inzwischen 50 UmweltMagazin Dezember 2015

Organschaften größten SC zu klimaschutzrelevanten Normen, können im Rahmen dieses Beitrags nur Auszugsweise behandelt werden. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf die laufenden Arbeiten in den Arbeitsgruppen WG4 bis WG6. Die WG4 behandelte Vorschläge, die zuvor von den beteiligten nationalen Experten zur Überarbeitung der ISO 14064–1 eingebracht wurden. Diese Teilnorm bezieht sich auf die Bestimmung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen auf Organisationsebene. Inhaltlich zielten die Arbeiten vor allem auf eine stärkere begriffliche und methodische Angleichung hinsichtlich vergleichbarer Bestimmungsund Berichterstattungsansätze ab. Diese wurden außerhalb des Normungsprozesses erarbeitet (Greenhouse-Gas-Protocol, Carbon Disclosure Program, IPCC- Methodik). Durch die Vielzahl an Kommentaren schafften es die über 30 Experten aus 21 Ländern und Liaisons-Organisationen nur die Hälfte der rund 500 eingereichten Kommentare zum ersten Komitee-Entwurf zu diskutieren. Alle übrig gebliebenen Kommentare werden erst auf der nächsten Sitzung bearbeitet. Um mit dem Arbeitsvolumen fertig zu werden, wurden sechs Untergruppen eingerichtet. Diese sollen bis Ende dieses Jahres Klärungen erarbeiten und nach einer Kommentierungsphase von zwei Monaten die gefundenen Ergebnisse bei der nächsten Sitzung im März 2016 präsentieren. Ergebnis der Sitzung ist dann entweder ein zweiter Komitee-Entwurf oder bereits ein Normentwurf im DIS-Stadium. Mit dem FDIS ist Ende 2016 oder Anfang 2017 zu rechnen. Die Mitglieder der WG5 trafen sich an drei Sitzungstagen. Unter japanischer Leitung wurden die Revisionsarbeiten der Norm ISO 14064 Teil 2 konkretisiert. Bei dieser Teilnorm geht es um die Erfassung und Berichtersterstattung von projektbezogenen Treibhausgasemissionen (THG). Im Mittelpunkt der Überarbeitungsaktivitäten standen die Aktualisierung der Definitionen sowie die Klärung von Fragen zur Projektabgrenzung. Über die Möglichkeiten einer Ausweitung der bisherigen Emissionskategorie THG, um weitere klimarelevante Gase, wurde intensiv diskutiert. Laut Beschluss wird der Status des Komitee-Entwurfs bis zum nächsten Treffen beibehalten, um danach eine zeitgleiche Veröffentlichung aller drei Teile der ISO 14064 zu erreichen. Kontakt Verband der Betriebsbeauftragten (VBU) e.V. Jörg ten Eicken Alfredstraße 77-79 45130 Essen Tel.: 0201/95971-15 Fax: 0201/95971-29 info@vbu-ev.de www.vbu-ev.de Kontakt Verband für Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement (VNU) e.V. Geschäftsstelle c/o Christina Geiger Am Hangelstein 8 65812 Bad Soden Tel.: 0700/86811-223 Fax: 0700/86811-224 vnu@vnu-ev.de www.vnu-ev.de Mit aktiver Beteiligung von 16 Ländern und zwei Liaison-Organisationen wurden in der WG6 die Kommentare zum ersten Arbeitsentwurf erörtert. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Aktivität mit dem CASCO Komitee, um die beiden zusammenhängenden Normen ISO 14064–3 und ISO 14065 zu überarbeiten. Neben der Regime-Neutralität stehen insbesondere die Konzepte zu Anwendbarkeit, Materialität, Assurance- Niveau, Validierungs- und Verifizierungs-Methodik im Fokus. Die Experten der im Frühjahr dieses Jahres gegründeten WG7 kamen zusammen, um das Normungsprojekt ISO 14080 voranzubringen. Diese Norm soll eine Hilfestellung zur Identifizierung von Maßnahmen zum Klimafolgenmanagement geben. Die Berücksichtigung solcher Maßnahmen wird künftig bei der Erfassung und Berichterstattung von projekt- und organisationsbezogenen Emissionsreduzierungen eine größere Rolle spielen. Im Kontext von klimawandelbedingten Anpassungsaktivitäten wird dem Klimaschutz künftig eine stärkere Bedeutung beigemessen. Dies zeigt sich nicht nur an der verstärkten Zusammenarbeit zwischen ISO und der Klimarahmenkonvention bei der Entwicklung von Standards zum Management von Treibhausgasen. In Delhi wurde die Entwicklung von neuen Normungsvorhaben zur Anpassung an den Klimawandel beschlossen. Einen übergeordneten Charakter weist das „Climate Change Coordination Committee” auf. Dieses Gremium hat Anfang letzten Jahres vom ISO-Vorstand das Mandat erhalten, bis Ende 2015 eine Strategie zur stärkeren Berücksichtigung der Aspekte des Klimawandels in den internationalen Normungsaktivitäten zu erarbeiten, die sowohl die Aspekte des Klimaschutzes als auch die der Klimaanpassung reflektieren. Das vierseitige Dokument stand bis Oktober 2015 zur Kommentierung offen. Die Veröffentlichung ist im Rahmen eines Side-Events bei der Klimakonferenz COP21 in Paris im Dezember dieses Jahres geplant. Materialflusskostenrechnung Aufbauend auf der bereits im Jahr 2012 veröffentlichten Materialflusskostenrechnungsnorm ISO 14051 hat in Delhi die internationale WG die Arbeit an dem Normungsprojekt ISO 14052 fortgesetzt. Unter japanischem Sekretariat und japanisch-brasilianischem Vorsitz wurde der Normentwurf weiterentwickelt, um als Anleitung und Hilfestellung für die Anwendung der Materialflusskostenrechnung in der Lieferkette zu dienen. Bei der Diskussion der eingegangenen Kommentare zum Entwurfsdokument legten die internationalen Experten besonderes Augenmerk auf die Anwendbarkeit der Norm in kleinen und mittelständischen Unternehmen, da diese häufig über Lieferkettenbeziehungen beteiligt sind. Bis Ende nächsten Jahres soll das Normungsprojekt abgeschlossen sein. Daher setzt das deutsche Spiegelgremium zeitnah seine Arbeit im ersten Quartal 2016 fort und wirbt zudem für weitere Beteiligung. Vertreter von Anspruchsgruppen können sich zur Mitarbeit an die Nagus- Geschäftsstelle des DIN wenden. Neben diesen Arbeiten wurde auch über einen schwedischen Normvorschlag zur Monetarisierung von externen Umweltwirkungen diskutiert. Dieses Normungsprojekt soll zukünftig im SC1 bearbeitet und auch dort zur Abstimmung gebracht werden. Die neue Norm soll Anforderungen an Transparenz und Dokumentation stellen und Hilfestellung bei der Festlegung von monetären Konvertiertungsfaktoren für Umweltwirkungen geben. Sollte das Vorhaben angenommen werden, beginnen die Arbeiten dazu Anfang 2016. UmweltMagazin Dezember 2015 51

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