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12 | 2015

Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Recycling- und Entsorgungswirtschaft in der Tschechischen Republik Tschechien verstärkt seine Anstrengungen, die Abfallwirtschaft zu modernisieren und die Recyclingquote zu erhöhen. Dafür stehen umfangreiche Fördermittel aus EU-Fonds zur Verfügung. Noch kommt über die Hälfte des Hausmülls auf Deponien. Bis zum Jahr 2024 muss der Großteil davon wiederverwertet werden; bei Bioabfall steht der Aufbau eines Sammelsystems bevor. Zudem laufen Investitionen in Verbrennungsanlagen. Tschechien muss seine Abfallwirtschaft in den kommenden Jahren von Grund auf modernisieren. Landet bislang noch über die Hälfte des Hausmülls auf Deponien, so soll diese Quote bis zum Jahr 2024 auf 12 % gesenkt werden. Wiederverwendbare Bestandteile dürfen dann gar nicht mehr auf die Müllkippe. Das sieht der Abfallwirtschaftsplan des Landes vor. Abfallaufkommen in Zahlen Nach Angaben des Umweltministeriums entsteht in Tschechien jährlich eine Abfallmenge von über 30 Mio. t, davon 5 Mio. t kommunale Siedlungsabfälle. Die vom Statistischen Amt der Europäischen Union als Vergleichswerte verwendeten Zahlen des tschechischen Statistikamtes sind etwas niedriger. Demnach produzierte das Land 2013 etwa 23,4 Mio. t Müll, davon 3,2 Mio. t kommunale Abfälle. Pro Kopf fielen in den Haushalten 307 kg Müll an und damit deutlich weniger als im EU-Durchschnitt (481 kg). Das liegt zum Teil daran, dass die Wegwerfmentalität hier noch weniger ausgeprägt ist als in Westeuropa, zum anderen Teil an abweichenden Berechnungsmethoden. Auch wenn die Wirtschaftsleistung derzeit stark anzieht, rechnet das Umweltministerium für die kommenden Jahre nicht mit einer größeren Zunahme des Abfallvolumens. Dafür will Tschechien die Wiederverwertungsquoten erhöhen. Bislang wird erst ein Drittel des Hausmülls recycelt. In zehn Jahren sollen es 44 % sein. Bei der Kompostierung der biologischen Bestandteile ist ein Anstieg von 5 % (2013) auf 16 % geplant. Außerdem sollen dann 28 % der Siedlungsabfälle energetisch genutzt werden (2013: 12 %). Verbesserung der Abfallwirtschaft Um die Rentabilität der Abfallwirtschaft zu verbessern und mehr Anreize zur Müllvermeidung und -trennung zu schaffen, will das Umweltministerium die Abfallgebühren von derzeit rund 18,50 €/t erhöhen. Nach Schätzungen des Abfallverbands Caoh würde die Recyclingquote schon ab 26 €/t deutlich steigen. Ab 37 €/t würde sich die energetische Nutzung der Müllmengen rechnen. Laut Abfallwirtschaftsplan sollen bis zum Jahr 2024 rund 1,5 Mio. t Hausmüll zur Energiegewinnung verbrannt Bild: Kertho/ pixelio.de 56 UmweltMagazin Dezember 2015

Umweltmärkte Service werden. Das wäre mehr als doppelt so viel wie derzeit und entspräche einem Drittel des gesamten kommunalen Abfallvolumens. Aktuell gibt es drei größere Anlagen, die alle älter als 15 Jahre sind: in Prag (270 000 t/a), Brno (224 000 t/a) und Liberec (100 000 t/a). Ein neues Objekt für 95 000 Jahrestonnen in Chotikov bei Plzen steht kurz vor der Fertigstellung. Müllverbrennung und Wiederverwertung im Fokus Daneben hat der größte Energiekonzern des Landes, CEZ, Interesse an einer Müllverbrennung am Kraftwerksstandort Melnik. Veolia Energie CR plant eine Müllverbrennung in Prerov; die Energieholding EPH in Komorany bei Most für 150 000 t/a. Die Nähe zu Deutschland, wo es Überkapazitäten für die Müllverbrennung gibt, lässt die Renditeaussichten der Neubauvorhaben aber fraglich erscheinen. Neben der Verbrennung steht die Wiederverwertung im Fokus. Bis 2024 könnte das Volumen des zu verwertenden Hausmülls um ein Viertel auf 2,3 Mio. t/a steigen. Bei Verpackungen erfüllt Tschechien die selbst gestellten Anforderungen schon. Ziel bis Ende 2013 war ein Recyclinganteil von 55 %. Tatsächlich wurden laut Umweltministerium 72 % aller Verpackungen dem Recycling zugeführt (Papier: 88 %, Glas: 76 %, Kunststoffverpackungen: 68 %). Allerdings sind die Verarbeitungskapazitäten noch unzureichend, weshalb ein Großteil der eingesammelten Verpackungsabfälle exportiert wird, bei Kunststoffen überwiegend als Granulat. Nachholbedarf gibt es im Bereich der biologischen Abfälle, die seit diesem Jahr getrennt gesammelt werden müssen. Die meisten größeren Städten beschränken sich jedoch darauf, zentrale Sammelhöfe einzurichten, die kaum genutzt werden. Der Aufbau von flächendeckenden Sammelsystemen mit Biotonnen kommt nur langsam voran. Ähnlich ist die Situation bei Metallabfällen, für die Tschechiens Kommunen seit 2015 ebenfalls Recyclinghöfe einrichten müssen. Um die wachsende Menge der erfassten Bioabfälle verarbeiten zu können, sind Investitionen in die Kompostierkapazitäten notwendig. Entsprechende Vorhaben werden zurzeit unter anderem in Turnov, Domazlice und Klatovy realisiert. Im Bereich Autoentsorgung ist mit mehr Aufträgen für die rund 500 Abwrackstationen im Land zu rechnen. Wegen des hohen Durchschnittsalters des tschechischen Fuhrparks plant die Regierung Anreizsysteme zum Stilllegen alter Fahrzeuge. Produktion und Branchenstruktur Die Abfallsammlung und -verarbeitung ist in Tschechien auch in der Fläche gut organisiert. Landesweit gab es Mitte letzten Jahres laut Abfallwirtschaftsplan 178 größere Deponien. Sie hatten freie Kapazitäten von über 30 Mio. m 3 . Gefährliche Abfälle können auf 25 Deponien eingelagert werden, die über ein freies Fassungsvermögen von 6,5 Mio. m 3 verfügen. Weiterhin gibt es rund 500 Annahmestellen für Autowracks sowie etwa 190 Kompostier- und 480 Sortieranlagen. Auch deutsche Unternehmen unter den führenden Entsorgern Das Müllgeschäft wird häufig von ausländischen Gesellschaften kontrolliert. Umsatzstärkstes Unternehmen ist die Tochterfirma der auf Schrottrecycling spezialisierten TSR Group aus Bottrop. Mit über 100 Niederlassungen in Deutschland, den Niederlanden und Tschechien verfügt TSR über etwa 2 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen versteht sich als Versorger der Stahlindustrie und Mittler zwischen Lieferanten und Kunden. Die Bearbeitung erfolgt durch modernes Equipment und Hochleistungsaggregate wie Pressen, Scheren und Shredder. Bei kommunalen Abfällen gehört die spanische FCC Group mit ihrer Tochtergesellschaft A.S.A. zu den führenden Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Entsorgern. Sie kümmert sich um den Müll von 1,2 Mio. Tschechen und fast 19 000 Unternehmen. A.S.A. betreibt zwölf Deponien sowie zahlreiche Sortier- und Kompostieranlagen. Die dänische Marius Pedersen ist vor allem in Nordböhmen und in der Region Plzen aktiv. Schwerpunkt sind Gefahrenstoffe und ökologische Altlasten. SITA CZ gehört zur französischen SUEZ environnement und betreibt mehrere Deponien, Verbrennungsanlagen und Kompostierstationen. Seit 2013 in tschechischer Hand ist das Entsorgungsunternehmen AVE CZ, nachdem es von der Prager Holding EP Industries übernommen wurde. Es bedient 1,5 Mio. Kunden und betreibt 8 Deponien. AVE hat im letzten Jahr das Unternehmen MPS hinzugekauft, das im Prager Umland im Abfallgeschäft tätig ist. Dominierendes Abfallunternehmen in der Hauptstadt ist Prazske sluzby, das auch die dortige Müllverbrennungsanlage betreibt. Die Sammlung und Weiterverarbeitung von Verpackungsabfällen dominiert weiter das Unternehmen Eko- Kom. Einen Markteintritt der Berliner ALBA Group über ihre Tochter Interseroh hat das Umweltministerium Anfang des Jahres abgelehnt. Geschäftspraxis Grundsätzlich ist Deutschlands Nachbarland für ausländische Investoren in der Abfallwirtschaft sehr offen. Die Branche gehört zu den vorrangigen Zielen für Mittel aus EU-Fonds, so dass auch künftig hohe Investitionen in die Sanierung von Deponien sowie in den Aufbau von Sammel-, Sortier- und Verarbeitungskapazitäten fließen werden. Allerdings ist das Müllgeschäft regional zum Teil monopolisiert. Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen für Entsorgungsvorhaben kommt es zuweilen zu Unstimmigkeiten und Verzögerungen. Die Verfahren sind nicht immer transparent. Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Gerit Schulze, GTAI Tschechien, www.gtai.de/tschechien UmweltMagazin Dezember 2015 57

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