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12 | 2015

Nachrichten BMUB

Nachrichten BMUB Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Kraft getreten Rückgabe alter Geräte für Verbraucher deutlich vereinfacht Am 24. Oktober 2015 ist das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Kraft getreten. Es soll die Rückgabe alter Elektro- und Elektronikgeräte für Verbraucher deutlich vereinfachen. Zudem stärkt es den Zoll dabei, den illegalen Transfer von Altgeräten in ärmere Länder zu unterbinden, wo sie häufig auf gefährlichen Deponien landen. Mit dem Gesetz werden die europarechtlichen Vorgaben der WEEE- Richtlinie umgesetzt. Die Rückgabe alter Elektro- und Elektronikgeräte erfolgt in Zukunft direkt im Handel. Konkret sind die großen Vertreiber von Elektro- und Elektronikgeräten künftig verpflichtet, Altgeräte beim Neukauf eines gleichwertigen Gerätes zurückzunehmen. Als große Vertreiber gelten Geschäfte, die auf mehr als 400 m 2 Verkaufsfläche Elektro- und Elektronikgeräte anbieten sowie Online-Händler mit einer ebenso großen Versand- und Lagerfläche. Kleine Geräte (keine Kantenlänge größer als 25 cm) müssen die großen Vertreiber ohne Kauf eines entsprechenden Neugerätes zurücknehmen. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes hat der Handel noch neun Monate Zeit, die Rücknahme zu organisieren. Viele Händler haben diese aber bereits umgesetzt. Die Stiftung Elektrogeräte wird eine Liste aller Rücknahmestellen in Deutschland veröffentlichen. Darüber hinaus schafft das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz Regelungen, mit denen illegale Exporte von Elektroaltgeräten, insbesondere in Entwicklungsländer, nachhaltig verhindert werden sollen. Durch klare Abgrenzungskriterien und eine entsprechende Beweislastumkehr zulasten des Exporteurs wird es dem Vollzug zukünftig besser möglich sein, Altgeräte von Gebrauchtgeräten zu unterscheiden. Künftig muss der Exporteur anhand strenger Kriterien belegen, dass zu exportierende Gebrauchtgeräte kein Abfall sind. Hierdurch wird auch das Exportverbot für gefährliche Altgeräte in Entwicklungsländer besser zu vollziehen sein. Studie Beim Vergleich primär gegen sekundär gewinnt das Recycling Der internationale Rohstoffversorger und Umweltdienstleister Alba Group leistet durch seine Recyclingaktivitäten einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcensicherung und zum Klimaschutz. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten des Fraunhofer-Instituts Umsicht in ihrer aktuellen Studie „resources Saved by recycling“. Danach schonte die Alba Group allein im Jahr 2014 mehr als 48,3 Mill. t Primärressourcen durch die Kreislaufführung von rund 6 Mill. t an Wertstoffen. Gleichzeitig sparte der Recyclingexperte im selben Zeitraum rund 6,6 Mill. t Treibhausgasemissionen ein. Um denselben positiven Effekt auf das Klima zu erzielen, müsste die Anzahl an Autos auf den deutschen Ressourceneinsparung am Beispiel Kupfer. Straßen um rund 3,7 Millionen reduziert werden. Demnach hilft die Alba Group durch ihre Recyclingaktivitäten dabei, die von der Bundesregierung fixierten Ziele des Ressourceneffizienzprogramms ProgRess zu erreichen. Bis 2020, heißt es Gemeinsam mit dem neuen Elektro- und Elektronikgerätegesetz tritt auch die Gebührenverordnung zum Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Kraft. Mit dieser werden die Grundlagen dafür geschaffen, dass die Organisation der bestehenden und zukünftigen Strukturen für die Entsorgung von Altgeräten durch die betroffenen Akteure finanziert wird. www.bmub.bund.de dort, soll sich die Ressourcenproduktivität in Deutschland gegenüber 1994 verdoppeln. Doch wenn sich der negative Trend der vergangenen fünf Jahre festigt, könnte die Zielvorgabe um 40 % verfehlt werden, so ein vorläufiger Fortschrittsbericht des Bundesumweltministeriums. Die Fraunhofer-Wissenschaftler haben in ihrer aktuellen Untersuchung gezeigt, dass eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft diesen Trend umkehren kann. www.albagroup.de Bild: Fraunhofer Umsicht Bild: Karl-Heinz Laube / pixelio.de 6 UmweltMagazin Dezember 2015

Nachrichten Mikroplastik im Meer Bild: Linnart Unger Mikroplastik, das in Peelings oder Duschgels eingesetzt wird, leistet einen mengenmäßig vergleichsweise geringen, gleichwohl unnötigen Beitrag zur Umweltverschmutzung. Das ergab eine Studie für das Umweltbundesamt (UBA). Danach werden vermutlich rund 500 t solcher primärer Mikropartikel aus Polyethylen, dem weltweit am häufigsten verwendeten Kunststoff, pro Jahr in Deutschland in kosmetischen Mitteln verwendet. Die mengenmäßig bedeutsamste Quelle für Mikroplastik im Meer ist aber die Zersetzung größerer Plastikteile. Wenn dieser Plastikmüll über Flüsse oder direkt ins Meer gelangt, werden die großen Teile durch Wind, Wetter und Gezeiten zu sekundärem Mikroplastik zermahlen und zerkleinert. Rund 6 bis 10 % der weltweiten Kunststoffproduktion landen laut Studie in den Weltmeeren. Weltweit werden pro Jahr rund 300 Mio. t Kunststoffe hergestellt (Stand 2013). Es ist davon auszugehen, dass bis zu 30 Mio. t davon pro Jahr weltweit ins Meer gelangen – davon in Europa allein 3,4 bis 5,7 Mio. t pro Jahr. Die Studie rät daher, sich nicht nur auf das primäre Mikroplastik zu konzentrieren, sondern den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt generell viel drastischer zu reduzieren. Nur so kann wirksam der Entstehung von sekundärem Mikroplastik in Meeren oder Binnengewässern vorgebeugt werden. Mittlerweile wurden unter deutscher Federführung globale und regionale Aktionspläne zur Bekämpfung von Meeresmüll innerhalb des G7-Prozesses und der Regionalkooperationen Ospar (Schutz der Meeresumwelt des Nord-Ost-Atlantiks) sowie Helcom (Schutz der Meeresumwelt der Ostsee) verabschiedet. Im Rahmen der Umsetzung der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) wird ebenfalls ein umfassendes Programm für die heimische Nord- und Ostsee aufgestellt. In Teilaspekten werden diese Maßnahmen bereits umgesetzt. Ein Beispiel ist die Fishing-For-Litter-Initiative. Fischerkutter werden hierbei so ausgestattet, dass sie aus dem Meer gefischten Müll an Bord verstauen und kostenfrei und sachgerecht in den Häfen entsorgen können. Das Projekt wird mittlerweile von allen Küstenbundesländern unterstützt und durchgeführt. Mit durchschnittlich 75 % dominiert Kunststoff auch an Europas Stränden die Müllfunde. Neben Polyethylen in kosmetischen Mitteln haben die Autoren der Studie weitere Anwendungsgebiete des primären Mikroplastiks analysiert. Für Wasch- und Reinigungs- sowie Strahlmittel in Deutschland schätzen sie das Aufkommen auf jeweils weniger als 100 t/a; für Kunststoffwachse etwa 100 000 t/a. Hierbei handelt es sich um wachsartige Dispersionen von Kunststoffpartikeln, die als Trennmittel und zur Oberflächenbeschichtung verwendet werden. Weitere Quellen für sekundäre Mikropartikel aus Kunststoff sind unter anderem Chemiefasern, die aus der Kleidung und sonstigen Textilien ausgewaschen werden, Reifenabrieb aus dem Straßenverkehr und der Verlust von Rohpellets für die weitere Verarbeitung zu Kunststofferzeugnissen während Produktion und Transport. Umweltschutz in der Landwirtschaft Der Umweltschutz in der Landwirtschaft ist in den vergangenen 30 Jahren zu langsam vorangekommen. Viele alte Probleme sind trotz Verbesserungen ungelöst: So überschritten 1985 rund 90 % der Flächen die kritischen Belastungsgrenzen für Stickstoff; aktuell sind es immer noch 50 %. Zu den alten Problemen treten neue hinzu – etwa durch Plastik oder Mikroplastik auf und in landwirtschaftlichen Böden. Das UBA hatte in einer Studie untersuchen lassen, wie sich die Umweltbelastungen durch die Landwirtschaft seitdem verändert haben. Der Zustand des Grundwassers hat sich in den vergangenen Jahren verbessert; ein Rückgang der Pestizide im Grundwasser ist zu erkennen. Das ist vor allem Folge der strengen Zulassung der Stoffe in Deutschland und der EU. Flüsse, Bäche und Seen sind aber nach wie vor betroffen. Beim Stickstoff gibt es zwar ebenfalls Fortschritte, flächendeckend ist ein guter chemischer und ökologischer Zustand aber bei weitem noch nicht erreicht. Zu viel Gülle lässt in manchen Regionen auch die Nitratkonzentrationen im Grundwasser über die Grenzwerte schnellen. Das UBA empfiehlt daher, sowohl Gülle als auch Mineraldünger schnell einzuarbeiten und ausreichenden Abstand zu den Gewässern zu halten. Mit der Novellierung der Düngeverordnung soll die Anwendung insbesondere von Gülle den Erfordernissen des Umweltschutzes besser angepasst werden. Mit der Verordnung für Anlagen zur Lagerung wassergefährdender Stoffe sollen Leckagen aus Anlagen, die Jauche, Gülle und Silagesickersäfte lagern, vermieden werden. Stickstoff in Form von Ammoniak belastet auch die Luft noch zu stark. Gemäß der Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen darf Deutschland jährlich 550 kt Ammoniak ausstoßen. Derzeit wird diese Obergrenze nicht zuverlässig eingehalten. Genehmigungsbedürftige Geflügelund Schweineställe müssen daher künftig mit einer Abluftreinigung ausgestattet werden. Der Schutz der Böden ist in Deutschland anders als noch 1985 per Gesetz geregelt. Direktzahlungen gibt es nur in vollem Umfang, wenn sämtliche Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und guten ökologischen Zustand erhalten werden. In der Praxis findet Erosion, Schadverdichtung und Humusabbau aber immer noch statt. Enge Fruchtfolgen, spät schließende Reihenfrüchte oder schweres Gerät sind nach wie vor zulässig. Aber es gibt Lösungen wie etwa eine konservierende Bodenbearbeitung, Streifenbearbeitung, ganzjährige Bodenbedeckung oder Zwischenfrüchte. Die Belastung landwirtschaftlicher Böden mit Plastik und Mikroplastik war 1985 noch kein Thema. Vermutete Quellen sind Reste von Folien, Klärschlamm und Komposte. Hier sind aber zunächst valide Schätzungen zu den Eintragsmengen nötig, um effektive Minderungsstrategien zu entwickeln. www.umweltbundesamt.de UmweltMagazin Dezember 2015 7

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