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12 | 2016

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Die Republik Korea setzt auf erneuerbare Energien Die koreanische Regierung setzt auf umweltfreundliche Energien und plant ein milliardenschweres Investitionsprogramm. Neben dem Bau neuer Kraftwerke auf Basis erneuerbarer Energien ist vorgesehen, auch die Umweltanforderungen an die Stromerzeuger nach oben zu schrauben; die Zahl der Erzeuger soll ausgeweitet, der Energiemarkt dereguliert und der Anteil von Kohlekraft reduziert werden. Geplant ist, alte Anlagen zu schließen und neuere Kraftwerke zu überholen. Im Juli 2016 hat die koreanische Regierung ein umfassendes Investitionspaket zur Förderung umweltfreundlicher Energien verkündet. Dieser Sektor soll angesichts einer schwächelnden Konjunktur künftig als neuer Wachstumsmotor fungieren. Bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts ist geplant, eine Summe von rund 33 Mrd. € in den Sektor fließen zu lassen. Auf diese Weise soll der Markt für erneuerbare Energien gestärkt werden. Deutschland gilt als Vorbild Deutschland gilt mit seiner Energiewende als viel zitiertes Vorbild für die Pläne der Regierung, den Sektor alternative Energien zu stärken und dessen Bedeutung auszubauen. 2015 belief sich der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung Daten der Strombörse Korea Power Exchange (KPX) zufolge auf 3,9 %. Allerdings ist die Definition weit gefasst und beinhaltet unter anderem auch große Wasserkraftwerke, die allein für 9 % des Anteils alternativer Energien verantwortlich zeichnen. Nach Angaben des Ministeriums Motie für Handel, Industrie und Energie in der lokalen Presse ist mit rund 24 Mrd. € der Löwenanteil der Gesamtsumme für die Förderung erneuerbarer Energien und den Bau neuer Kraftwerke vorgesehen. Insgesamt sollen auf diese Weise zusätzliche Kapazitäten von 13 GW aufgebaut werden – äquivalent zum Ausstoß von 26 konventionellen Kohlekraftwerken. 56 UmweltMagazin Dezember 2016

Umweltmärkte Service Die Regierung plant acht Projekte, mit deren Bau im nächsten Jahr begonnen werden soll. Diese beinhalten unter anderem Offshore-Windparks in den Regionen Taean, Gori und auf der Insel Jeju. Darüber hinaus stehen Photovoltaik-Kraftwerke in Yeogam und Saemangeum auf der Liste. Mindestanteil an erneuerbaren Energien wird erhöht Ein weiteres zentrales Element des Förderprogramms ist die Erhöhung des Mindestanteils, der von den Stromerzeugern eingesetzt werden muss. Dieser Renewable Portfolio Standard (RPS) soll für 2018 vom bisherigen Ziel von 4,5 auf 5 % und für 2020 von zuvor 6 auf dann 7 % nach oben geschraubt werden. Es ist vorgesehen, bis 2029 den Anteil auf 20,5 % zu steigern. Derzeit beläuft sich der RPS auf 3,5 %. Auch der Bereich Energiespeicherung soll von dem neu aufgelegten Programm profitieren. Geplant ist hier, den Umfang des lokalen Marktes zu verdoppeln. 1,6 Millionen Haushalte sollen bis 2022 mit intelligenten Zählern ausgestattet werden. Regierung strebt Deregulierung an Ferner sehen die Pläne die Deregulierung des Energiesektors vor, der bisher von den staatlichen Gesellschaften Koea Electric Power Corporation und Korea Gas Corporation dominiert wird. Auf diese Weise sollen private Unternehmen ermutigt werden, sich im Bereich erneuerbare Energien zu engagieren. Haushalte können künftig bis zu 100 % ihrer jährlichen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien an die Gesellschaft KPX verkaufen. Bisher lag der Höchstwert bei 50 %. Auf diese Weise will man die Zahl der Prosumers erhöhen. Weitere detaillierte Pläne für die Beteiligung privater Haushalte und Unternehmen stehen noch vor der Veröffentlichung. Die Republik Korea verfügt kaum über natürliche Ressourcen zur Stromerzeugung – Kohle, Gas und Uran müssen importiert werden. Energieexperten sehen den umfassenden Einsatz alternativer Energien kritisch, da hier ein Inselnetz besteht – bisher noch ohne Ausgleichsmöglichkeiten mit den Stromnetzen der Nachbarländer. In der Praxis bedeutet dies, dass die zusätzlich installierten Kapazitäten an alternativen Energien auch weiterhin mit Hilfe konventioneller Energieträger vorgehalten werden müssen. Zahl der Kohlekraftwerke soll reduziert werden Die Luftqualität hat sich in der Republik in den letzten Jahren mit ständig steigender Feinstaubbelastung kontinuierlich verschlechtert. Um dem entgegenzusteuern, kündigte die Regierung ebenfalls im Juli 2016 einschneidende Veränderungen für Kohlekraftwerke an. So erklärte Motie, dass es die Feinstaubemissionen bis 2030 um 24 Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. % reduzieren will. Um dies zu erreichen, will man von den zehn Kohlekraftwerken, die länger als 30 Jahre in Betrieb sind, acht bis 2025 schließen. Die übrigen zwei Anlagen sollen in Biomassekraftwerke umgebaut werden. Weitere acht Kraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, werden nachgerüstet. Diese Maßnahme beinhaltet den Ersatz von wichtigen Komponenten wie etwa den Turbinen durch neue und effizientere Teile. Bei den restlichen 35 in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerken sollen Maßnahmen zur Emissionsreduzierung ergriffen werden. Für die derzeit elf im Bau befindlichen Anlagen werden strengere Emissionsstandards implementiert, die um bis zu 300 % über denen der laufenden Anlagen liegen. Die Planungen für weitere neue Kohlekraftwerke werden gestoppt. Der Anteil von Kohle an der insgesamt erzeugten Energie soll durch diese Maßnahmen bis 2029 auf 26,2 % gedrückt werden. In den ursprünglichen Planungen im Rahmen des 7. Energieplans der Regierung war noch ein Wert von 31,8 % anvisiert worden. Alexander Hirschle, Seoul, www.gtai.de/korea Bilder: Pixabay UmweltMagazin Dezember 2016 57

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