Aufrufe
vor 1 Jahr

12 | 2017

  • Text
  • Umweltmagazin
  • Dezember
  • Unternehmen
  • Wasser
  • Anlagen
  • Einsatz
  • Energie
  • Deutschland
  • Anforderungen
  • Umwelt

Abfall

Abfall Großformat-Ballenpresse im Einsatz. schließlich die HSM VK 12018 R FU (120 t Presskraft, 180 cm Einfüllöffnungslänge) bestellen ließen. Es handele sich um eine langlebige, robuste und effiziente Anlage, sagt Hans-Peter Kremer. Die Presse weist geringe Betriebskosten sowie eine ruhige Laufkultur auf. Zudem erfüllt sie alle aktuellen Vorschriften zur Arbeitssicherheit. Einsparungen bei Draht und Stromkosten Bei der Halter Rohstoff AG wurden die Ballen früher vertikal mit fünf Drähten umreift, heute nur mit vier – und das bei gleicher Drahtstärke. Für bestimmte Materialien lässt sich problemlos und schnell ein fünfter Draht zuschalten. Die Schweizer Betreiber haben sich auch für einen stufenlosen frequenzgeregelten Antrieb der HSM VK 12018 entschieden. Dieser führt in Kombination Bilder: HSM mit dem HSM-Pumpenkonzept zu einer deutlichen Energieeinsparung von etwa 50 000 kWh/a – im Dauerbetrieb im Vergleich zum alten ungeregelten Antrieb. Damit erreicht die HSM-Maschine schon heute die Energieeffizienzklasse IE 4, obwohl 2017 erst IE 3 zur gesetzlichen Vorschrift wurde. Bei Thommen rechnet man vor, dass die Stromeinsparungen, auf eine Maschinen-Laufzeit von 20 Jahren betrachtet, ein Drittel des Kaufpreises einer neuen Presse ausmachen. „Als Großverbraucher ist die Energieeinsparung mit dieser Maschine beachtlich“, sagt Kremer. Ihm gefällt, dass HSM seine Produkte konsequent auf Langlebigkeit ausrichtet. Die einfache kardanische Aufhängung des Presszylinders etwa verhindert Spannungen und Verkantungen, ein teures Austauschen des Zylinders ist nicht zu erwarten. Zusätzliche Schleißbleche aus hochfestem XAR500-Stahl machen es möglich, nur diese Bleche auszutauschen. Halter Rohstoff ist mit dieser Maschine für stärkere Verschleiße gerüstet ist – sollten irgendwann einmal in Biel andere Materialien gepresst werden. Einen Vorteil ergibt sich auch bei der Logistik: Weil die neuen Ballen bei gleichen Ballenmaßen rund 150 kg schwerer als die alten Ballen sind, können die Lkw schneller beladen werden. Somit reduzieren sich Lagervolumen, Ladezeit sowie der gesamte Handlingsaufwand. Mehr Platz in der Halle Die Zusammenarbeit mit HSM in der Projektphase bis hin zur Abnahme bezeichnet man bei dem Schweizer Recyclingunternehmen als „professionell und leidenschaftlich“. Beispielsweise hat HSM dem Kunden in der Schweiz vorgeschlagen, mit dem Wechsel zur HSM VK 12018 auch den Maschinen- Standort in der Halle zu verändern. So entstand für die Halter Rohstoff AG mehr Platz. In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme ist es bei dem Kunden in Biel noch zu keinen gravierenden Störungen gekommen. Kleinere Macken seien schnell korrigiert worden, sagt Kremer. Und falls mal ein Problem auftritt, kann es schnell gelöst werden: entweder über die Fernwartungsfunktion via Internet oder durch den Vor-Ort- Service. Harry Weiland, HSM GmbH + Co. KG, Frickingen, info@hsm.eu Kunststoffmüll aus dem Meer entsorgen Mit dem Ziel, die Ostsee von Fischereinetzen aus Kunststoff zu befreien, ist das international tätige Recyclingunternehmen Tönsmeier seit September 2015 Partner des World Wide Fund For Nature (WWF). Erprobt wird die umweltschonende Wiederverwertung der Netze aus Polypropylen (PP) und Polyamid (PA). Daran beteiligt ist die Vecoplan AG, um für das eingesammelte Material einen optimalen Prozess zu finden, der es transportiert, aufbereitet und verwertet. Nach ersten Tests lässt sich eine positive Bilanz ziehen. Die Ostsee ist ein verhältnismäßig kleines Meer. Damit eignet es sich ideal, um relativ schnell ein Verfahren zu entwickeln, herrenlose Netze zu bergen, aufzubereiten, zu verwerten, und die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf andere, größere Weltmeere zu übertragen. Das ist der Grund, warum die Tönsmeier Gruppe mit Sitz in Porta Westfalica das Projekt „Geisternetze“ des WWF Deutschland als Partner unterstützt. Für die Aufbereitung der geborgenen Kunststoffnetze suchte das Unternehmen die Unterstützung der Vecoplan AG aus Bad Marienberg. Diese 36 UmweltMagazin Dezember 2017

Abfall entwickelt und fertigt seit fast fünfzig Jahren Maschinen und Anlagen für die Ressourcen- und Recyclingwirtschaft. „Unsere Aufgabe war es, im hauseigenen Technologiezentrum nach Möglichkeiten zu suchen, die Netze werkstofflich zu verwerten“, sagt Vecoplan- Projektleiter Ulf Kramer. Einteilen der Materialien An der Ostsee bei Saßnitz konnten die Projektpartner rund 450 kg Material vom Meeresgrund bergen und in Big- Bags zu Vecoplan transportieren. Es enthielt viele Fremdstoffe, die sich in den Netzen verfangen hatten. Dazu gehörten 14 kg Altmetall wie Anker, Ketten oder Rohre, 37 kg Steine und Geröll, 21 kg Muscheln, vier kg Textilien und Schuhe und 20 kg Holz. Von Hand wurde das Material in grobe Netze, feine Stellnetze und feste Taue eingeteilt. Um herauszufinden, welche Prozessund Verfahrensschritte möglich und effektiv sind, wurden die vorsortierten Fraktionen verschiedenen Versuchen unterzogen. „Die Zerkleinerung hat problemlos funktioniert“, sagt Kramer. Vecoplan setzte für diesen wichtigen ersten Schritt des Aufbereitungsprozesses den Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 M XL mit einem 110 kW HiTorc-Antrieb ein. Die Maschine wurde mit einem U-Rotor und einer Sieblochung von 20 mm Durchmesser konfiguriert. „Wir haben den VAZ deshalb so ausgerüstet, weil wir im Technologiezentrum bereits Versuche mit alten, ausrangierten Netzen gefahren hatten. Zudem konnten wir auf ein wenig Erfahrung zurückgreifen“, berichtet der Projektleiter weiter. Weitergehendes Sortieren Das zerkleinerte, noch stark verschmutzte Netzmaterial wurde nach Magnetscheidung in Big-Bags aufgefangen und im nächsten Schritt nach dem Schwimm-Sink-Verfahren weiter sortiert. Dabei trennt sich durch unterschiedliche Dichten in den Becken beispielsweise der schwere Sand von den leichten Kunststoff-Partikeln. „Da sich Sand, Schlamm und im Netz eingearbeitete Bleigewichte absetzen, lässt sich das PP und PA6 von der Wasseroberfläche abschöpfen und nach einem zweiten Wasserbad separat dem Waschverfahren zuführen“, beschreibt Falk Schneider, Promovierender der University of Bath, der das Projekt im Auftrag des WWF wissenschaftlich begleitet. Geisternetze können sich schon seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund befinden und für die Umwelt eine Gefahr darstellen. Doch sie lassen sich recyceln. Im Technologiezentrum von Vecoplan wird das Material aufbereitet. Dazu kommt der Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 M XL mit HiTorc-Antrieb zum Einsatz. Das zerkleinerte und nach Dichte getrennte Material wurde aus den Big- Bags in den Trichter der Aufgabeschnecke der Waschanlage gefüllt. Das Material wird während des Waschvorgangs aufgefasert und liegt nach der Friktionsbeanspruchung als freie Fasern vor. Das entwässerte Produkt wird in Big- Bags gefördert. In einer Produktionsanlage würde sich stattdessen eine Trocknung anschließen. „Visuell konnten wir für uns nach diesen Versuchen einen guten Wascherfolg feststellen. Die exakten Reinheitswerte werden noch von verschiedenen Universitäten in Laboren untersucht“, erläutert Kramer . Fazit und Ausblick Das Recyceln und die wertstoffliche Rückführung der Kunststofffasern in den Prozess stehen damit noch auf dem Prüfstand. „In meiner Doktorarbeit, die auf diesen Versuchen aufbaut, wird der Prozess aus Sicht der Ökologie und der Ökonomie beschrieben“, berichtet Falk Schneider. „Wir wissen jetzt, dass es die Möglichkeit gibt, Geisternetze wieder aufzubereiten. Die Frage ist nur: Wie wirtschaftlich ist dies?“ Dazu wird es bald detaillierte Antworten geben. Karin Theine, Vecoplan AG, Bad Marienberg, karin.theine@vecoplan.de Bilder: Vecoplan UmweltMagazin Dezember 2017 37

Ausgabenübersicht