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12 | 2017

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Bild: Michael Weidemann / pixelio.de Brasilien vergibt Konzessionen in der Wasserwirtschaft Brasiliens öffentliche Unternehmen investieren zu wenig. Insbesondere in der Abwasserbehandlung ist der Rückstand erheblich. Private Konzessionäre sollen die Wasserwirtschaft beleben. Im Jahr 2018 werden Verträge in 18 Bundesstaaten versteigert. Auch im Bereich der dezentralen Abwasseraufbereitung bestehen Chancen. Zur Markterschließung bieten sich hier Kooperationen mit lokalen Unternehmen an. Brasilien ist eines der wasserreichsten Länder der Erde. Im Nordosten leiden jedoch Städte und Gemeinden sowie die Agrarwirtschaft unter jahrelangen Dürreperioden. Bei anhaltender Trockenheit müssen Metropolen wie São Paulo zwischenzeitlich Wasser rationieren. Andererseits kommt es aber auch immer wieder aufgrund heftiger Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Die ineffiziente Infrastruktur insbesondere der öffentlichen Versorgungsunternehmen führt zu hohen Wasserverlusten. In den meisten Städten mangelt es an einem Abwassernetz beziehungsweise einer angemessenen Behandlung. 70 % der brasilianischen Städte und Gemeinden entfernen maximal 30 % der organischen Stoffe. Mit dem Gesetz Lei 11.445 wurde 2007 der gesetzliche Rahmen für eine landesweite Regelung geschaffen. Der nationale Plan der sanitären Grundversorgung Plansab fordert von den Städten und Gemeinden konkrete Ziele für den Zeitraum von 2014 bis 2033. Insgesamt ist ein nahezu vollständiger Anschluss an Trinkwassernetze und ein Anschlussgrad an Abwassernetze von 92 % vorgesehen. Statt derzeit 43 sollen 86 % der Abwässer behandelt werden. Der durchschnittliche Wasserverlust soll von 37 auf 31 % sinken. Bislang bringt Brasilien allerdings mit umgerechnet knapp 3 Mio. €/a nur wenig mehr als die Hälfte der erforderlichen Investitionen auf. Einer Studie des Beratungsunternehmens GO Associados zufolge belaufen diese sich auf 5,4 Mio. €/a. In der Rezession gingen gerade im schlechter gestellten Norden und Nordosten des Landes die Investitionen der zumeist öffentlichen Unternehmen zurück. Besonders stark investieren die privaten Konzessionäre, die aktuell 322 hauptsächlich kleinere Städte und Gemeinden versorgen. Konzessionierungen sollen Investitionen ankurbeln Im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften treibt die Regierung 52 UmweltMagazin Dezember 2017

Umweltmärkte Service unter Michel Temer die Privatisierung der Wasserwirtschaft voran. Bislang meldeten 18 Bundesstaaten Interesse an. Insbesondere im Norden und Nordosten lassen die Konzessionierungen hohe Investitionen erwarten. Nicht dabei sind bisher der wirtschaftlich bedeutendste Staat São Paulo sowie Rio Grande do Sul, Espírito Santo, Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Roraima sowie der Regierungsdistrikt Brasília. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES vergab im März dieses Jahres die ersten Aufträge zur Ausarbeitung von Konzessionsprojekten. Die Verträge sollen auf die örtlichen Bedingungen abgestimmt sein. Die ersten Konzessionen werden Anfang 2018 versteigert. BNDES finanziert bis zu 80 % der Investitionen und bietet zinsgünstige Kredite mit Laufzeiten von bis zu 20 Jahren. Die Entwicklungsbank rechnet mit einer starken Beteiligung multinationaler Konzerne sowie Investmentfonds. Industriebetriebe sorgen zum Großteil selbst für ihre Wasserver- und Abwasserentsorgung. Hoher Bedarf an Technologien zur Wiederaufbereitung insbesondere Membrantechnik besteht in den wasserintensiven Branchen. Anders als in der Stahl- oder der Nahrungsmittelund Getränkeindustrie investieren viele Unternehmen der Papier- und Zellstoffindustrie erst jetzt in die Wiederverwertung von Abwasser. Die dezentrale Behandlung von häuslichem Abwasser ist in Brasilien nicht nur in abgelegenen Regionen von Bedeutung. Ohne Zugang zu einem kommunalen Entsorgungsnetz sehen immer mehr Bauprojekte Kleinkläranlagen vor. Wettbewerbsstruktur – Importanteil ist sehr niedrig Lokale Hersteller dominieren den Markt für herkömmliche Wasser- und Abwassertechnologien. Begünstigt werden nationale Fabrikanten durch die Anforderungen für die zinsgünstigen BNDES-Kredite. Der Mindestanteil der lokalen Wertschöpfung bleibt noch bis Oktober 2018 von den üblicherweise 60 auf 50 % reduziert. Importierte Technologie setzt sich nur durch, insofern sie deutliche Vorteile bietet. Die öffentlichen Versorgungsunternehmen setzen auf möglichst niedrige Anschaffungs- und Installationskosten. Auch in der brasilianischen Privatwirtschaft werden Effizienzaspekte wie langfristige Betriebs- und Wartungskosten oft nicht angemessen berücksichtigt. Innovative und qualitativ hochwertige Technologien finden somit unter den multinationalen Unternehmen in Brasilien die aussichtsreichste Zielgruppe. In Brasilien sind persönliche Kontakte entscheidend für den Markterfolg. Kooperationen mit Unternehmen Vorort bieten sich an. Das Unternehmen Ebio in Joinville/Santa Catarina entstand aus der Zusammenarbeit des brasilianischen Fabrikanten Erzinger und des deutschen Herstellers von SBR Kleinkläranlagen Klaro. Ebio verwendet insbesondere bei Großprojekten für Hotels oder Wohnkomplexe importierte Komponenten von Klaro. Ein weiteres Beispiel ist die brasilianische Tochter der Wehrle Umwelt GmbH, die die Technologie der Körting Hannover AG einsetzt. Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Reine Beratungsdienstleistungen werden ungern entlohnt. Selbst die vorausgehende Abrechnung der Projektierung ist in einigen Fällen schwer durchzusetzen. Zuständigkeiten im Wassersektor Die Zuständigkeiten im Wassersektor verteilen sich auf alle drei Verwaltungsebenen: Bund, Länder und Städte beziehungsweise Gemeinden. Je nach Umfang des Projektes erteilen beispielsweise in der dezentralen Abwasserbehandlung die Umweltbehörden der einzelnen Stadtgemeinden oder des Bundesstaates die Bauerlaubnis. Trotz der Bestrebungen für ein einheitliches System unterscheiden sich die Auflagen auf kommunaler Ebene nach wie vor stark. Die Städte und Gemeinden sind auch die Konzessionsgeber in der Wasserverund Abwasserentsorgung. Bislang versorgt die Privatwirtschaft nur 6 % der Gemeinden. 24 % verfügen über eigene städtische oder kommunale Unternehmen. Die 27 bundesstaatlichen Wasserkonzerne sind für 70 % der brasilianischen Städte und Gemeinden zuständig. Auch bei den öffentlichen Ausschreibungen gibt es Anforderungen an eine Mindestwertschöpfung in Brasilien. Gefordert werden üblicherweise Anteile von 40 bis 60 %. Gloria Rose, GTAI São Paulo, www.gtai.de/brasilien UmweltMagazin Dezember 2017 53

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