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12 | 2017

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Nachrichten IFAT 2018

Nachrichten IFAT 2018 Wasserwirtschaft im Digitalisierungstrend Prozesse und Kundenbedürfnisse noch besser verstehen Die Bereitstellung von bezahlbarem Trinkwasser bester Qualität zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Wasserwirtschaft. Eine Voraussetzung dafür sind kontinuierliche Neuerungen, die den hohen Standard der Branche dauerhaft sichern. Die aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Trinkwassererzeugung und -verteilung werden auf der kommenden IFAT gezeigt. Die Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft findet von 14. bis zum 18. Mai 2018 auf dem Messegelände in München statt. Nach den Beobachtungen von Silvia Fritscher, Projektleiterin der IFAT bei der Messe München, lassen sich bereits seit einigen Jahren immer mehr der hier präsentierten Innovationen mit den Schlagwörtern Digitalisierung, Automatisierung und Wasser 4.0 in Verbindung bringen. Ein Trend, der sich 2018 noch verstärken soll. Der größten Fortschritt in der Digitalisierung der Trinkwasserwirtschaft findet, laut Julia Braune, Geschäftsführerin des Unternehmens- und Forschungsnetzwerks German Water Partnership (GWP), in den Bereichen Pumpensteuerung, Messtechnik und Trinkwasseranalytik statt. Während die Vernetzung zur Steuerung von Pumpen bereits weit fortgeschritten sei, bietet die umfängliche Vernetzung von Anlagenteilen mittels Sensoren, beispielsweise zur Analytik, ein weiterhin großes Potenzial. Die immer bessere Kommunikation zwischen wasserwirtschaftlichen Anlagen, wie zum Beispiel Brunnen, Wasserwerk und Trinkwassernetz, könnte sowohl die Versorgungssicherheit wie auch die Energie- und Ressourceneffizienz optimieren. Ein noch umfangreicheres Spielfeld für die Digitalisierung ist der Aufbau eines „digitalen Zwillings“. Darunter versteht sich ein Datenmodell, das eine Maschine, eine Anlage oder eine komplexe Infrastruktur mit all ihren Informationen und Abhängigkeiten abbildet. Hiermit lassen sich in realitätsna- Wassergewinnung und -aufbereitung zählt zu den Kernthemen der IFAT. hen Simulationen gefahrlos verschiedene Fahrweisen erproben und optimieren, so Christian Ziemer, Siemens AG und Leiter des GWP-Arbeitskreises Wasser 4.0. Die Bedeutung des digitalen Wandels ist in der kommunalen Wasserwirtschaft angekommen – das geht aus einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen unter seinen Mitgliedern hervor: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen misst der Digitalisierung eine hohe bis sehr hohe Relevanz bei. Dabei plant oder implementiert bereits jedes zweite Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie. Um den Wasserversorgungsunternehmen in Zukunft eine Hilfestellung im weiten Feld der Digitalisierung geben zu können, hat der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches in diesem Herbst die Entwicklung des „Reifegradmodells Wasserversorgung 4.0“ beim IWW Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung in Auftrag gegeben. www.messe-muenchen.de Bild: Messe München Destatis Verwendung von fluorierten Treibhausgasen im Jahr 2016 deutlich geringer Im Jahr 2016 haben Unternehmen in Deutschland 8 974 t Fluorkohlenwasserstoffe verarbeitet, die als klimawirksame Treibhausgase eingestuft werden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lag die verwendete Menge um rund 373 t oder 4 % unter dem Wert von 2015. Treibhausgase tragen zur Klimaveränderung bei und nehmen Einfluss auf die Erderwärmung. Klimawirksam werden die Stoffe allerdings erst, wenn sie in die Atmosphäre freigesetzt werden. Daher gilt die Verwendung dieser als potenziell klimarelevant. Der Einfluss der einzelnen Treibhausgase auf die Klimaveränderung ist unterschiedlich hoch. Als Bezugsgröße dient die Klimawirksamkeit von Kohlendioxid (CO 2 ) mit einem Erwärmungspotenzial von 1. Die im Jahr 2016 verwendete Menge entspricht insgesamt rund 15,7 Mio. t CO 2 -Äquivalenten. Dies gelangte allerdings nicht vollständig in die Atmosphäre, da die Gase auch in geschlossene Systeme gefüllt und damit vorerst nicht als Emission freigesetzt werden. Die in Deutschland in die Atmosphäre freigesetzte Menge von klimawirksamen Gasen belief sich nach vorläufigen Berechnungen des Umweltbundesamtes im Jahr 2016 auf rund 906 Mio. t CO 2 -Äquivalente. Der Anteil der Fluorkohlenwasserstoffe an diesen Gesamtemissionen betrug rund 12 Mio. t CO 2 -Äquivalente oder rund 1,3 %. Die Europäische Union hat in der F-Gas-Verordnung geregelt, dass die Verwendung von klimawirksamen Fluorkohlenwasserstoffen ab 2015 bis 2030 um rund 80 % gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2012 verringert werden muss. Darüber hinaus hat die internationale Gemeinschaft mit den Beschlüssen von Paris im Dezember 2015 sowie 2016 in Kigali/Ruanda und Marrakesch/Marokko weitergehende Einschränkungen der Verwendung von klimawirksamen Gasen vereinbart, um die weitere Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen. www.destatis.de 6 UmweltMagazin Dezember 2017

Nachrichten Aus dem Umweltbundesamt Bild: Linnart Unger Ökologische Rohstoffverfügbarkeit in Deutschland In Industrieländern mit rohstoffintensiven Fertigungsindustrien wie Deutschland werden die Forderungen nach transparenten Rohstofflieferketten und mehr unternehmerischer Verantwortung immer stärker. Der Bergbau ist nicht mehr der blinde Fleck in den globalen Lieferketten. Gleichzeitig gibt es am anderen Ende der globalen Wertschöpfungsketten zunehmend sozial-ökologische Konflikte und Proteste gegen den Bergbau. Der globale Bergbausektor setzt sich zunehmend anspruchsvolle freiwillige Umweltstandards, und das Bestreben der Rohstoffförderländer, den Nutzen des Bergbaus für die Entwicklung zu maximieren, und die negativen Auswirkungen zu minimieren, nimmt zu. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf globale Rohstoffmärkte, denn nicht allein technische, wirtschaftliche und politische Aspekte beeinflussen die Verfügbarkeit von Rohstoffen: Auch die Verfügbarkeit von Wasser, Energie, Land und nicht zuletzt die gesellschaftliche Akzeptanz für die negativen Umweltauswirkungen sind knapper werdende Ressourcen mit einem realen Einfluss. Durch den Trend zu steigenden Umweltstandards im Bergbau ist mittelfristig mit steigenden Rohstoffpreisen durch höhere Produktionskosten und einer Verknappung des ökologisch verfügbaren Rohstoffangebots zu rechnen. Ein aktuelles Beispiel ist der Anstieg des Nickelpreises in Folge der Schließung von 20 Bergwerken auf den Philippinen aufgrund von Umweltproblemen. Die seit 2008 entbrannte Diskussion um die Kritikalität von Rohstoffen war eine Reaktion auf unerwartet hohe Preisanstiege bei einzelnen Rohstoffen. Es wuchs die Sorge, Versorgungsrisiken könnten in naher Zukunft zu Preisanstiegen und Versorgungsengpässen führen. Zu den bislang als kritisch identifizierten Rohstoffen zählen etwa die Seltenen Erden, Indium, Niob oder die Platingruppenmetalle. Umweltaspekten wurde in den bisherigen Studien zur Kritikalität allerdings trotz ihrer zunehmenden Relevanz nicht ausreichend Rechnung getragen. Rohstoffe sind ökologisch kritisch, wenn sie ein hohes Umweltgefährdungspotenzial aufweisen und gleichzeitig von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sind. In einem Forschungsprojekt (ÖkoRess I) im Auftrag des Umweltbundesamtes wurde nun durch ein Forschungskonsortium, bestehend aus Öko-Institut, ifeu-Institut und projekt consult, eine Methode zur Bewertung der Umweltgefährdungspotenziale bei der bergbaulichen Gewinnung von Rohstoffen entwickelt. Dazu wurde zunächst ein standortbezogenes Bewertungsmodell erarbeitet und darauf aufbauend ein rohstoffbezogenes Bewertungsmodell abgeleitet. Im laufenden Folgevorhaben ÖkoRess II (Auftragnehmer von ÖkoRess I plus Adelphi-Consult) wird die Methode weiter- entwickelt und auf rund 50 bergbaulich gewonnene Rohstoffe werden angewendet. Die Ergebnisse stehen Ende 2018 fest. Wie auch die konventionelle ist auch die ökologische Kritikalität vor allem ein Ruf nach mehr Aufmerksamkeit. Das Umweltbundesamt stellt mit der rohstoffbezogenen ÖkoRess- Bewertungsmethode für ökologische Gefährdungspotenziale des Bergbaus einen Kompass zur Verfügung. Unternehmen, zivilgesellschaftliche Gruppen aber auch Regierungsorganisationen können damit die aus Umweltsicht prioritären Rohstoffe und rohstoffspezifische Problemlagen identifizieren und entsprechend handeln. Zum Beispiel werden Unternehmen befähigt, im Rahmen eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements die richtigen Fragen an ihre Lieferanten zu stellen – wie etwa welche Umweltstandards angewendet werden, um zu verhindern, dass sich die ermittelten Umweltgefährdungspotenziale zu realen Umweltbelastungen entwickeln. Versteigerung von Emissionsberechtigungen Seit dem 5. Januar 2010 wurden an der European Energy Exchange mit Hauptsitz in Leipzig über 900 Mio. Emissionsberechtigungen im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland versteigert. Dabei wurden inklusive der heutigen 500. Auktion Erlöse im Gesamtumfang von rund 6 Mrd. € erzielt. Diese Mittel wurden fast vollständig zur Finanzierung nationaler und internationaler Klimaschutzmaßnahmen verwendet. Die deutliche Ausweitung der Versteigerung von Emissionsberechtigungen anstelle der weitgehend kostenlosen Zuteilung ist einer der zentralen Fortschritte, die mit der laufenden dritten Handelsperiode Einzug in den Europäischen Emissionshandel (EU-ETS) gehalten haben. Das UBA ist in Deutschland die zuständige Behörde für die Umsetzung des EU-ETS und damit auch für die Steuerung der deutschen Auktionen verantwortlich. Die Erwartungen an das Auktionsverfahren wurden bislang voll erfüllt. Die Versteigerungsergebnisse spiegeln die Entwicklung des Gesamtmarktes seit 2010 vollständig wider: Im Vergleich zum Sekundärmarkt lagen die Preisunterschiede zu den Primärmarktauktionen weitgehend im Zehntelprozent- Bereich. Für Deutschland hat es sich bewährt, mit der Durchführung regelmäßiger Versteigerungen von Emissionsberechtigungen bereits in der zweiten Handelsperiode zu beginnen. Denn so konnten wichtige Erfahrungen für die dritte Handelsperiode gewonnen werden. Bis auf wenige Ausnahmen finden sich heute alle bedeutenden Designelemente des damaligen deutschen Versteigerungsverfahrens im harmonisierten Europäischen Rahmen der EU-Auktionsverordnung wieder. www.uba.de UmweltMagazin Dezember 2017 7

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