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3 | 2012

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Technik &Management Luft

Technik &Management Luft Geruchsemissionen messen und mindern Das Thema Gerüche hat inden vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Gründe hierfür sind die dichter werdende Besiedlung, die geringere Akzeptanz gegenüber Umweltbelästigungen sowie das höhere Umweltbewusstsein der Bevölkerung. Mittels spezieller Mess- und Minderungsmethoden kann das Ausmaß der Emissionen ermittelt und wirksam reduziert werden. Claus-Jürgen Richter, Dr. Frank J. Braun und Hans-Christian Höfl Bild: Paul-Georg Meister/Pixelio Um Geruchseinwirkungen beurteilen zukönnen, wird üblicherweise die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) herangezogen. Laut dieser Richtlinie sollen in Wohngebieten nicht mehr als 10 Prozent der Stunden eines Jahres als „Geruchsstunden“ vorliegen. DieserRichtwertberuhtauf Anwohnerbefragungen und medizin-psychologischenUntersuchungen. Eine Stunde wird als „Geruchsstunde“ gewertet, wenn mehr als sechs Minuten pro Stunde ein deutlich wahrnehmbarer Anlagengeruch vorliegt. Ortsübliche Gerüche, etwa aus der Vegetation oder dem Kfz-Verkehr, aber auchaus Düngemaßnahmen sinddabei nicht zu berücksichtigen. Ermittlung der Geruchsemissionen DermesstechnischenErmittlung von Geruchsemissionen kommt aus folgendenGründen eine hohe Bedeutung zu: 7 Auf der Basis von Emissionsmessungen können die relevanten Geruchsquellen eines Betriebs ausfindig gemacht werden. 7 Die Geruchsemission ist eine Eingangsgröße für Ausbreitungsrechnungen, mit denen die Geruchsimmissionenermittelt werden können. 7 Der Geruchsminderungsgrad vonAbluftreinigungsanlagen kann ermittelt werden. Bisher existieren keine routinemäßig anwendbaren chemisch-analytischen Messmethoden, um die Geruchsstoffkonzentration zu ermitteln. Ausdiesem Grund bedient man sichder Olfaktometrie. Die geruchsbeladene Abluft wird dabeiinBeuteln, die aus einemgeeigneten geruchsneutralen Material bestehenmüssen, gesammelt. Für die Auswertung werden mindestens vier Prüfer benötigt, die über eine durchschnittliche Riechempfindlichkeit verfügen. Die Empfindlichkeit der Prüfer wird anhand von Standardstoffengeprüft.Die Olfaktometrie istinder DIN EN 13725 detailliert beschrieben und führt zugut reproduzierbaren Ergebnissen. Die Methodik der Probenahme istinder VDI-Richtlinie 3880 beschrieben. Minderung von Geruchsemissionen und -immissionen Um die Geruchsemissionen und -immissionen eines Betriebs zu mindern, gibt esmehrere technische Möglichkeiten. Der direkteste Wegist derErsatzvon Einsatzstoffen, die zu Geruchsemissionen führen. Beispiele hierfür sind alternative Bindemittel für Kernsande bei Gießereien oder der Einsatz von geruchsarmem Roh-Kautschuk bei der Gummiverarbeitung. Nicht immer erfüllen die alternativen Einsatzstoffe alle Qualitätsmerkmale, die für die Produktherstellung erforderlichsind. Eine weitere häufig angewandte Methode ist eine Erhöhung der Schornsteine, da die geruchsintensiven Substanzen in vielen Fällen nicht gesundheitsschädlichsind. Falls eine Abgasbehandlungsanlage installiert werden soll,sind unteranderem folgende Faktoren zu berücksichtigen: 7 Geruchsminderungsgrad der Abgasbehandlungsanlage, 7 Standzeit der Abgasbehandlungsanlage, 7 Kosten der Anlage (Investitionskosten, Betriebskosten), 7 Größe, Gewicht der Anlage und bauliche Aspekte sowie 7 etwaige Verlagerung der Problematik auf andere umweltrelevante Medien (Energie, Sekundäremissionen, Wasser, Rohstoffe). Häufig werden Biofilter und Biowäscher eingesetzt. Sie sind gut geeignet, soferndie Geruchsstoffe biologisch abbaubar sind. Üblicherweise werden die Anlagen soausgelegt, dass die Geruchskonzentration auf der Reingasseite nicht mehr als 500Geruchseinheiten pro Kubikmeter (GE/m³) beträgt. Genaueres kann der VDI-Richtlinie 3477 entnommenwerden. Weitere Methoden zurAbluftbehandlung sindthermische,regenerativeund katalytische Nachverbrennungsanlagen, die auch für biologisch schwer abbaubare Geruchsstoffe eingesetzt werden können. Bei gut funktionierenden Anlagen ähnelt der Abgasgeruch dem einer Gasfeuerung, sodass Konzentrationenvon deutlichunter1000 GE/m³ erreicht werden können. Ein Nachteil, insbesondere der thermischen Nachverbrennungsanlagen, kann der erhöhte Energieverbrauchsein. Um Geruchsstoffe zu oxidieren, können auch Plasmaanlagen eingesetzt 50 UmweltMagazin März 2012

Grafik: iMA Grafik 1:Geruchssituation vor (a) und nach (b) Durchführung der Maßnahmen zur Emissionsminderung werden.Indiesen Anlagen wirdüblicherweise Außenluft angesaugt, mittelsRöhren ionisiert und dem Abgasstrom hinzugemischt. Die ionisierten Moleküle reagieren mit den Geruchsstoffen undneutralisieren sie. Für lösemittelhaltigeAbluftwerdenhäufig Aktivkohlefilter eingesetzt. Sie besitzen den Vorteil, dass bei sachgerechter Auslegung geringe Reingaskonzentrationen erreicht werden können. Zu berücksichtigen istdie endliche Standzeitder Aktivkohle,die bei größeren Anlagendurch eine Lösemittelrückgewinnung erheblichverlängertwerdenkann. Aktivkohlefilterkönnen auchfür andereAbluftzusammensetzungen angesetztwerden, soferndie zugeführteLuftstaubarmund ausreichend trocken ist. Diese Auflistung von Abluftbehandlungsanlagenist selbstverständlichnicht abschließend. dasGebäudeumetwa12Meter überragt, abgeleitet wird, kann derZielwertvon 10 Prozent im Wohngebieteingehaltenwerden(siehe Grafik 1b). Ausblick Die deutsche und europäische Normung hat dazu geführt, dass sich Geruchsemissionen und -immissionen sehr genau ermitteln lassen. Eine Akkreditierung des Messinstituts nach DIN 17025 ist hierfür ein Qualitätsnachweis, da dann alle Qualitätskriterien, beginnend bei der Probenahme über die Analysebis hin zurAusbreitungsrechnung, erfülltwerden. In vielen Fällen lassen sich Lösungen finden, um bestehende Konflikte zu entschärfen. Um diese erst garnicht entstehenzu lassen, sind auch die Kommunen gefordert, bei der Ausweisung neuer Wohngebiete die möglichen Geruchseinwirkungen zu berücksichtigen. Verbesserung der Geruchssituation bei einem Industriebetrieb Wie sich einige der genannten Maßnahmen inder Praxis umsetzen lassen, zeigt das Beispiel eines kunststoffverarbeitendenBetriebs.IndessenUmgebung wurden in derVergangenheit häufig Geruchsbeschwerden geäußert. Eine Ausbreitungsrechnung unter Zugrundelegung der örtlichen meteorologischen Verhältnissezeigte,dass in dersüdlich gelegenen Wohnbebauung mit einer Geruchsstundenhäufigkeit von etwa 22 Prozentzurechnenist (sieheGrafik 1a). Der Richtwert von10Prozentwurde somitüberschritten. Als ersteMaßnahme wurde die Abluftder Anlagen 1und 5 mittels Biofilter abgereinigt. Trotz der guten Reinigungsleistung desBiofilterswurde der Immissionswertvon 10 Prozent nochnicht erreicht. Da die Installation einesweiterenBiofilters aus Platz-und statischenGründen ausschied, wurdenandere Möglichkeitender Abluftbehandlung geprüft. DieWahl fielauf eine Plasmaanlage,die zunächstals Pilotanlage installiert wurde und einen Teilstrom der Abluft gereinigt hat. Olfaktometrische Messungen zeigten, dass eine mittlere Reingaskonzentration von etwa 800 GE/m³ erreicht wurde. Diese war fast unabhängig davon, welche Geruchsstoffkonzentration in der unbehandelten Abluftvorlag.Falls die behandelte Abluftzusätzlichüber einen28Meter hohenSchornstein, der Claus-Jürgen Richter, Dr. Frank J. Braun, Hans-Christian Höfl, iMA Richter & Röckle GmbH &Co. KG, Freiburg info@ima-umwelt.de HI-FLO ® XL HI-FLO ® XL www.camfilfarr.de •info@camfil.de •Tel.: +49 (0)4533 202-0 UmweltMagazin März 2012 51

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