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3 | 2012

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Sollten die Ende des vergangenen Jahres verabschiedeten Gesetzesänderungen in Südafrika umgesetzt werden, könnte der Abfallund Recyclingmarkt für deutsche Lieferanten in den nächsten Jahren deutlich interessanter werden. Vor allem das Recycling wird dort verstärkt zu einem Thema. Ineinigen südafrikanischen Städten wird etwa die Mülltrennung in Haushalten eingeführt. Bild: David Girod/Pixelio Der Tafelberg - Wahrzeichen von Kapstadt Tiefgreifende Änderungen für Südafrikas Abfallwirtschaft Vor allem in Technologienzur Abfallbehandlung, Waste-to-Energy-Projekteund Sortieranlagen sowie in Laborausrüstungen zur Analyse von Industriemüll könnte in Südafrika in den nächsten Jahren investiert werden. Hinzu kommt ein umfangreicher Beratungsbedarf bei der Einführung neuer Mülltrennungssysteme. AlsAuslöser für diesen Investitionsschub sehen Branchenexperten hohe Rohstoffpreise und neue rechtliche Rahmenbedingungen, die im Falle ihrer Umsetzung einen Quantensprung für denAbfallsektor bedeuten. Neue gesetzliche Regelungen Im Oktober 2011 hat das Kabinett eine neue National WasteManagement Strategy (NWMS) genehmigt. Dieseenthält einen konkreten Maßnahmenkatalog für alle Beteiligten. Sie basiert auf dem Waste Act aus dem Jahr 2009, der die groben Rahmenbedingungen für die Abfallwirtschaft regelt.Erstmals wirdin Priority-, General- und Hazardous Waste differenziert. Neu ist auch, dass der Staat die Verantwortung für eine umweltgemäße Abfallbeseitigung auf Herstellerund Konsumentenüberträgt. Produzenten von Haushaltsgeräten oderAutomobilenzum Beispiel müssen sich unter Umständen selbst und ohne Kostenvergütung um dasRecycelnihrer Erzeugnisse kümmern. Konsumenten werden mittelfristig ihren Abfallbereits im Haus trennen müssen. Darüber hinaus könntenHaushalte in bestimmten Fällen zur Ablieferung bei Recyclinghöfen verpflichtet werden, etwa bei Elektro-Schrott. Im Einzelnen sieht das NWMS vor, dass Industriebetriebe ihre Abfälle in einem Informationssystem erfassenund Maßnahmen zu derenVermeidung und Reduzierung ergreifen sollen. Die Unternehmen reagierten insgesamt positiv auf die neuen Vorschriften, da nun die exakten Rahmenbedingungen bekannt sind. Damit können die Betriebe die erforderlichenMaßnah- men einleiten. Ein „Waste Information System“ soll Menge und Art des Abfalls aufallenStufen,von der Entstehungbis zumAbladenauf der Müllhalde, erfassen. In den Haushalten findet Mülltrennung bis dato erst vereinzelt statt. Dasdürftesichaufgrund der neuenGesetzgebung in den kommenden Jahren aber dynamisch entwickeln. Die Messlatte bei der Mülltrennung wurde deutlich höher gelegt. Eine der wichtigsten Konsequenzen aus demNWMSwirddas Vermeidenvon „Priority Waste“ auf der Mülldeponie sein.Dieser kann zumBeispiel umwelt- oder gesundheitsgefährdendenSondermüll beinhalten. Der Begriff umfasst aber auchRecycelbareswie Papier, Glas, Dosen, Bauschutt und Kunststoffe. Wo der Müll letztlich ge- trennt wird, entscheiden die Gemeinden. DieVorgaben sollten, laut NWMS, biszum Jahr 2016 umgesetzt sein. Management-Plan für die Umsetzung des Recyclings Die Hersteller von recycelbarem Prioritätsmüll möchten über ihren Lobbyverband Packaging Council South Africa (PACSA) einen Industry Waste Management-Plan aufstellen. Darin sollen die Recyclingraten für die Jahre bis 2016 festgelegt werden. Für Kunststoffe ist die Recyclingrate in Südafrika höher als man erwarten könnte. Für Verpackungen liegt sie bei 30 Prozent, für alle Kunststoffe bei 18 Prozent. Die Einführung natürlich abbaubarer Kunststoffe sieht der Branchenverband SA Plastics kritisch, da der recycelte Kunststoff häufig für langlebige Produkte wie Stühle, Isolatoren, Schuhsohlen oder Rohre genutzt wird. Getränkedosenwerdenzumehrals 60 Prozentrecycelt, Papierzuetwa55Prozent. Müllentsorger als Zuständige für die Materialrückgewinnung Südafrikas Regierung möchte darüber hinaus die Müllentsorger für das Recyceln zuständig machen. Derzeit aber wird zumBeispiel die für Johannesburg zuständige städtische Abfallentsorgung 66 UmweltMagazin März 2012

Service Pikitup nur für das Gesamtvolumen an abgeholtem Müll bezahlt. Für die Abfalltrennung besteht vonihrer Seite also keinerlei Anreiz. Die Verträge müssten daher unter Umständen umgeschrieben werden. Dann müssten die Müllentsorger in Materialrückgewinnungsanlagen (MRF) investieren. Pikitup beispielsweise lädt auf insgesamt fünf Mülldeponien im Umland von Johannesburg ab und könnte anjeder davon eine MRF installieren. Die auf allen Deponien aktivenMüllsammler (Waste Picker)sollten dann, so eine Möglichkeit, beim Entsorger angestellt werden und denMüll an Laufbändernsortieren. Ein zukunftsweisendes Modell könnte das Kapstädter sein. Dort wird bereits getrennt und nur die Abholung von nicht-recycelbarem Müll verbleibt bei der städtischen Müllabfuhr. Der recycelbare Abfall wird von privaten Firmen übernommen. Eine davon ist der private Abfallentsorger für Unternehmenund Haushalte WastePlan aus Durbanville. Das Unternehmen stellt vormalige Müllsammler ein und stattet sie mit einerArt Handwagenaus.Damit gehen sie von Haushalt zu Haushalt und sammeln den Müll ein. Dieser wird bei einem Lkw abgeladen, der ihn zu einer Sortierstelle bringt. Auch dort ist eine Vielzahl vonSortierernangestellt. Ein ähnliches Mülltrennungssystem planen die Verantwortlichen derzeit in Johannesburg. In Pretoria gibt esnach Auskunftvon Suzan Oelofse,Geschäftsführerin beim Branchenverband Institute of WasteManagement of Southern Africa, sogar bei einigen Haushalten eine Trennung derMülltüten fürPapier, Kunststoffe, Glasund Dosen.Allerdings läuft dies meist unkoordiniert ab. In manchen Wohnungskomplexen verteilt der Papierhersteller Mondi Tüten, in die die Bewohner Altpapier stecken können. Dies alles erfolgt weder flächendeckend, nochinenger Koordinierung mit derstädtischen Müllabfuhr. Germany Trade&Invest Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland imAusland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. www.gtai.de Kapstadt als zukunftsweisendes Modell: Hier wird bereits Müll getrennt. Mülltrennung inden Städten In einigen südafrikanischen Städten existieren bereits Recyclinghöfe. Diese sind jedoch völlig unzureichend ausgestattet. Zudem ist die Entsorgung seitens der Haushalte rein freiwilliger Natur.Wie in vielenEntwicklungsländern findet die Mülltrennung in Südafrika bislang zumeist erst auf der Deponie statt. Der dort von der kommunalen MüllabfuhrangelieferteAbfall wirdvon den WastePickern sortiert und mit Hilfe ihrer Transportwagen zueinem Abfallentsorgungssunternehmen transportiert.Diese verfügen zumTeilüber Anlagen, etwa zum Waschen und Pressen, wie sie die kommunalen Müllentsorger in Europa betreiben. Sie bereiten das Material so auf, dass es als Rohstoff an dieverwertende Industrie verkauftwerdenkann. Finanzierung Finanziert wirddie städtische Müllabfuhr vomDepartment of National Treasury, das die Gelder andie Gemeinden verteilt. Gerade bei Industrieabfällen müssen die UnternehmeneinenTeilder Finanzierung selber beisteuern. Gegenwärtig liegen die Ausgaben der Regierung umgerechnet bei etwa 200 Millionen Euro jährlich. Durch die Änderungen in derGesetzgebung wirdeine deutliche Ausweitung der Ausgaben in den kommenden Jahren erwartet. Diesbezügliche Schätzungen liegen noch nicht vor. Die Preisgestaltung für die häusliche Müllabfuhr ist von Gemeinde zu Gemeinde völlig unterschiedlich. Teilweise richtet sich die Abgabe nach Größe des Grundstücks, teilweise nach der Anzahl der Mülltonnen. Während derarmeTeilder Bevölkerungkeine Abgabe fürMüllabfuhr leisten muss, kann diese in denbesserbetuchten Gegenden proHaushalt biszuetwa20Euromonatlich gehen. Das Finanzministerium hat errechnet, dass die tatsächlichen Müllentsorgungskosten, einschließlich der Kosten fürdie Deponie,jeHaushalt und Monat bei etwa 11 bis 12Euro liegen, eine Größenordnung, die im Schnitt deutlichunterschrittenwird. In der Regel kümmert sich inSüdafrika die Gemeinde um die Abfallentsorgung. Nur inJohannesburg wurde diese Aktivität 2001 ausgelagert. Die dorttätige Pikitupist einzu100 Prozent im Besitz der Gemeinde befindliches Unternehmen, das auf kommerzieller Basis arbeitet. Mülldeponien, vor allem fürSondermüll,wurden häufig an kommerzielle Betreiber abgegeben,wie zum Beispiel Enviroserv, Interwaste oder Waste Man. Diese finanzieren sich aus den Gebühren, die bei der Übergabe an derDeponie zu bezahlensind Großer Arbeitgeber der Zukunft – die Abfallwirtschaft Wie im Gespräch mit südafrikanischen Abfallexperten immer wieder durchklingt, sollte die Müllentsorgung von möglichst vielen Arbeitskräften durchgeführt werden,dadie Regierung den Sektor als einen der großen Arbeitgeber der Zukunft auserkoren hat. Hochautomatisierte Systeme sind daherweniger gefragt. EbensogibtesMüllverbrennungsanlagen bislang bestenfalls für medizinische Abfälle. Ansonsten werden derartige Anlagen eher abgelehnt. Zunehmend in Mode kommt hingegendie Stromerzeugung aus Mülldeponien. In Durban und Ekurhuleni gibt esbereits Landfill-to-Gas-Anlagen (Deponiegasanlagen); inJohannesburg wurde ein ähnliches Projekt ausgeschrieben. Carsten Ehlers, Experte für die Region südliches Afrika bei Germany Trade & Invest, carsten.ehlers@gtai.com Bild: Lothar Henke/Pixelio UmweltMagazin März 2012 67

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