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3 | 2015

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Abfal und Recycling

Abfal und Recycling Kompakte und saubere Aluminiumbriketts statt voluminöser und mit Kühlschmierstoff verunreinigter Späne – Höfer Metall Technik steigert die Rentabilität seiner Niederlassung in Hettstedt mit einer RUF-Brikettierpresse. In der eigenen Gießerei schmilzt der Hersteller von Aluminium-Profilen die Aluspäne in Brikettform ein und ersetzt damit teuer zugekauften Rohstoff. Der Vorteil: rund 35 000 Euro Ersparnis pro Jahr. Gepresste Alu-Späne statt teurem Rohstoffeinkauf Andrea Sedlmayr Aluminiumprofile sind die Spezialität der HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG – ob roh und unbearbeitet oder gefräst, gebohrt, umgeformt, eloxiert und pulverbeschichtet. Das Unternehmen liefert nahezu alles, was der Kunde wünscht, aus einer Hand. Bei Bedarf werden auch einbaufertige Aluminium-Baugruppen montiert und europaweit in die Bauelemente-, Möbel- und Automobilindustrie geliefert. In Automobilen finden sich die Produkte von HMT beispielsweise in Form von Rahmenprofilen, Dachrelings oder Zierleisten. Ein wichtiger Bestandteil der Höfer- Gruppe ist das in Hettstedt/Sachsen- Anhalt seit 1999 angesiedelte Strangpresswerk. Hauptaufgabe dieser Niederlassung ist es, aus eingekauften Alu- Rundbarren Profile zu pressen, sie zu bearbeiten und die Oberflächen zu veredeln. Sowohl bei der Profilherstellung als auch bei den weiteren Arbeiten fallen viele Metallabfälle an. Grund genug, dass bereits 2006 eine eigene Gießerei in Betrieb genommen wurde, um das wertvolle Material einzuschmelzen. Mit dem eigenen sowie mit zugekauftem Aluminiumschrott produziert die Gießerei seither Bolzen mit Durchmessern von umgerechnet 178 beziehungsweise 203 Millimetern und Längen bis zu 7 Meter, die den Strangpressanlagen als Ausgangsmaterial dienen. Das Problem der Aluminiumspäne, die beim Sägen, Bohren und Fräsen anfallen, war damit aber noch nicht gelöst. Denn sie lassen sich nicht einfach einschmelzen. „Wir nutzen einen gasbeheizten Trommelherdofen“, erläutert Gießereileiter Patrick Groth. „Brächte man dort lose Späne ein, würden sie sofort durch den Abgaskanal herausgetragen werden.“ Ganz zu schweigen von den problematischen Anhaftungen der Kühlschmieremulsionen. „Diese“, so sagt der Gießereileiter, „würden ihr Volumen in der Hitze schlagartig fast vertausendfachen.“ Es käme zu einer Verpuffung. Handlingkosten überstiegen den Wert der Alu-Späne Also wurden die voluminösen Aluminiumspäne – pro Jahr rund 50 Tonnen – zunächst weiter in gemieteten Containern gesammelt und dann zu Schrotthändlern transportiert. Kein gutes Geschäft. Groth rechnet vor: „Für Containermiete, Lager- und Logistikkosten mussten wir schließlich einen erheblichen Teil des Verkaufserlöses aufwenden.“ Die Lösung der Probleme brachte eine Brikettierpresse. Bei der im Jahr 2012 begonnenen Marktanalyse ermittelten die HMT-Verantwortlichen eine RUF-Anlage als die beste Lösung. 2013 ging die RUF 4/3700/60x40 in Hettstedt in Betrieb. Der 4 kW starke Motor der Anlage komprimiert die Späne mit einem Pressdruck von 3 700 kg/cm 2 zu Briketts mit den Abmessungen 60x40 mm. Daraus ergeben sich zwei Vorteile. Erstens: Das Volumen reduziert sich um etwa den Faktor sechs. Beträgt das Schüttvolumen der losen Späne knapp 0,4 kg/l, so weisen die Briketts eine konstante Dichte von 2,3 kg/l auf. Eine viel höhere Verdichtung wäre schon rein physikalisch kaum möglich, da die Dichte von Aluminium bei 2,7 kg/l liegt. Der zweite Nutzen: Die anhaftenden Kühlschmierstoffe werden fast komplett herausgepresst. Versuche haben gezeigt, dass mit der RUF-Anlage aus rund 100 kg Aluminiumspänen 9,8 kg Emulsion abgetrennt werden. Die Briketts selbst weisen eine sehr niedrige Restfeuchte von 3 Prozent, in Einzelfällen auch darunter, auf. Lagern die Briketts kurze Zeit in der trockenen, warmen Halle, sinkt die Restfeuchte weiter auf dann 2 Prozent. Gelangen ausnahmsweise vollkommen trockene Späne in die Presse, so werden durch eine Sprüheinrichtung kleine Mengen Schmiermittel eingebracht, um Kaltverschweißungen zu verhindern. Da HMT in der spanenden Bearbeitung nur Emulsionen verwendet, wird die ausgepresste Flüssigkeit gesammelt und ent- 46 UmweltMagazin März 2015

Abfall und Recycling sorgt. Bei wertvollen Ölen rechnet sich in aller Regel ein Recycling. 700 Euro Vorteil bei jeder Tonne Aluminiumspäne Komprimiert und fast frei von Anhaftungen lassen sich die Aluminiumschrotte bestens einschmelzen – unterm Strich ein gutes Geschäft, betont Gießereileiter Groth: „Obwohl uns über die Anlage hinaus noch Kosten entstanden sind – beispielsweise für neue Transportbehälter, den außen montierten Befülltrichter sowie Elektro- und Druckluftanschlüsse – sorgen die Einsparungen bei Lagerung und Transport sowie beim Materialeinkauf für die Amortisation der Anlage innerhalb von circa zwei Jahren.“ Unter Berücksichtigung der Kosten für das Einschmelzen ergibt sich eine Verbesserung von rund 700 Euro pro Tonne. Aufs Jahr gerechnet sind das etwa 35 000 Euro. Ein weiterer Vorteil: Das Material bleibt im werksinternen Rohstoffkreislauf. Damit sind die Zusammensetzung und Eigenschaften gut bekannt. Wegen der hohen Qualitätsansprüche an die gegossenen Legierungen ist dies für den Gießereileiter ein sehr wichtiger Aspekt. RUF Brikettpresse RB 4/3700/60x40 Rund um die Uhr im Betrieb Der Betrieb der RUF-Anlage erfolgt nahezu vollautomatisch. Die Presse befindet sich rund um die Uhr in Betriebsbereitschaft. Sobald sich im 1,25 m 3 fassenden Sammeltrichter genügend Alu- Späne befinden, löst eine Lichtschranke das Startsignal aus, und die Presse beginnt ihre Arbeit. Eine Zuführschnecke am Boden des Trichters fördert die Alu- Späne in den Vorverdichter. Anschließend schiebt der Pressstempel das Material in die Pressform, bis der eingestellte Druck erreicht wird. Die fertigen Briketts werden über Auslaufschienen direkt in Sammelboxen transportiert. Ist der Trichter weitgehend entleert, stoppt die Lichtschranke die Presse. Dank des optimal eingestellten Ablaufs geht das Brikettieren zügig vonstatten – für rund 140 Kilogramm Späne benötigt die RUF 4/3700/60x40 bei HMT rund zwei Stunden. Gesammelt werden die Späne direkt an den Werkzeugmaschinen in Kippmulden. Ist eine gefüllt, wird sie per Gabelstapler zur Presse transportiert. Um die Befüllung mit Spänen optimal in den Betriebsablauf zu integrieren, modifizierte HMT die Presse in diesem Bilder: Ruf Punkt etwas. Die Anlage selbst steht in der Halle mit dem Trommelherdofen, befüllt aber wird sie von außen. So montierte HMT außen an der Wand der Gießereihalle einen zusätzlichen Trichter, in den die Späne vom Gabelstapler aus hinein gekippt werden. Ein Durchbruch in der Wand lässt die Späne in den Sammeltrichter der Presse rutschen. Zwar kann die Anlage – mit integrierter Heizung für das Hydrauliköl – auch komplett im Freien betrieben werden, aber dann hätten Stapler die Sammelboxen mit den Briketts von außen in die Halle fahren müssen. In der aktuellen Konstellation fallen die Briketts kaum 10 Meter vom Schmelzofen entfernt aus der Presse. Andrea Sedlmayr , Ruf Maschinenbau GmbH & Co. KG, Zaisertshofen, info@brikettieren.de UmweltMagazin März 2015

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