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3 | 2015

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Abfal und Recycling Pro

Abfal und Recycling Pro Minute fallen weltweit rund 3 000 Altreifen von Pkw, Lkw oder großen Baumaschinen an. Insgesamt ergibt sich jedes Jahr eine Masse von 13,5 Millionen Tonnen, davon 4,4 Millionen Tonnen in Nordamerika sowie 3,4 Millionen Tonnen in Europa. Während Altreifen außerhalb der Europäischen Union deponiert werden, steht in der EU die stoffliche oder energetische Nutzung im Vordergrund. Recyclingspezialist Andritz MeWa setzt hier auf ein dreistufiges Aufbereitungsverfahren mit Vorzerkleinerung. Altreifen-Aufbereitungsanlage von Andritz Mewa Bild: Andritz MeWa Richtungsweisende Technologien für das Altreifen-Recycling Hans-Dieter Heptner und Marius Hörrmann Während die EU inzwischen den Umgang mit dem Problemstoff regelt, gibt es in vielen Ländern keine Gesetze – hier landen die ausgedienten Reifen auf Deponien, die von Jahr zu Jahr größer werden. Die Reifendeponien in der Wüste der kuwaitischen Region al-Dschahra haben bereits solche Ausmaße erreicht, dass sie auf Satellitenbildern klar erkennbar sind. Hier lagern über sieben Millionen Reifen. Eine ernsthafte Gefahr für Mensch und Umwelt geht von diesen „Reifenfriedhöfen“ durch mögliche Brände, eine Verschmutzung des Grundwassers sowie die Ansiedlung von krankheitsübertragenden Schädlingen aus. Beispielsweise brannten im Jahr 2012 in al-Dschahra über fünf Millionen Reifen – eine Umweltkatastrophe mit Ansage, die aber auch die Politiker vieler Länder ohne entsprechende Umweltgesetze aufgeschreckt hat und es so langsam zu einem Umdenken kommt. Teilweise werden in Staaten wie den Philippinen, Malaysia oder den Vereinigten Arabischen Emiraten alte Deponien unter Berücksichtigung von Umweltaspekten umgebaut – teilweise gibt es sogar ein Deponieverbot für bestimmte Regionen. Sicherlich wird es hier in den kommenden Jahren flächendeckende Regelungen nach europäischem Vorbild geben. Stoffliche oder energetische Nutzung In der Europäischen Union ist seit dem Jahr 2006 die Deponierung der ausgedienten Reifen verboten. Bestehende Deponien werden nach und nach abgebaut. Die anfallenden Altreifen werden zu einem großen Teil in der Zementindustrie als Ersatzbrennstoff beigemischt, der andere Teil einer stofflichen Verwertung zugeführt. Da Altreifen überwachungsbedürftige Abfälle sind, wird Sorge getragen, dass die Altreifen nur an Verwerter abgegeben werden, die zur Behandlung dieser Abfälle berechtigt sind. Dadurch soll verhindert werden, dass die alten Reifen über Umwege auf Deponien in anderen Ländern landen. Aufgrund von Umwelt- und Klimaanforderungen stellt das Recycling von Altreifen in jedem Fall eine wichtige Investition in die Zukunft dar. Und auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sieht es durchaus positiv aus, schließlich gibt es für die einzelnen Fraktionen Gummi, Stahl und Textil immer mehr Anwendungsgebiete. Damit spielt die stoffliche Verwertung gegenüber der Verbrennung in Zementwerken eine immer größere Rolle. Gerade die Wirtschaftlichkeit einer Anlage ist ein sehr wichtiger Aspekt, schließlich muss die Verwertung der alten Reifen auch für den Betreiber Sinn machen. Das heißt, dass freigelegte Einzelfraktionen möglichst rein vorliegen sollten, um einen hohen Preis auf den Sekundärrohstoffmärkten zu erzielen. Reifen bestehen aus Kautschuk, Füllstoffen wie Ruß/Kohlenstoff, Weichmachern und Festigkeitsträgern wie Stahl und Nylon sowie weiteren Chemikalien wie zum Beispiel Schwefel. Die unterschiedlichen Elemente sind dabei so stark miteinander verklebt, dass ein Recycling schwierig ist. Das ist nur mit flexiblen und optimierten Anlagenkonfigurationen möglich. Dreistufiges Aufbereitungsverfahren mit Vorzerkleinerung Andritz MeWa aus Baden-Württemberg bietet seit 25 Jahren für jegliche Reifengrößen optimale Lösungen an. Bewährt hat sich ihr dreistufiges Aufbereitungsverfahren mit Vorzerkleinerung, mehrstufiger Granulierung und aufwändiger Granulatreinigung sowie abschließender Feinvermahlung. Mit 48 UmweltMagazin März 2015

diesen Anlagen kann am Prozessende ein Gummigranulat beziehungsweise Gummimehl mit einer Reinheit von 99,95 Gewichts-Prozent gegenüber Stahl und 99,9 Gewichts- Prozent gegenüber Textil erzeugt werden. Je nach Zusammensetzung des Eingangsmaterials und der Ergebnisanforderungen bietet Andritz MeWa individuell zugeschnittene Anlagen an. Alle Anlagenteile sind modular aufgebaut, sodass die Anlage entsprechend der Bedürfnisse des Kunden jederzeit mitwachsen kann. Innerhalb der letzten Jahre konnten deutschland- und europaweit viele hochkomplexe Verwertungsanlagen realisiert werden. Ein wichtiger Schritt zum Erfolg ist die stetige Weiterentwicklung der eigenen Zerkleinerungsmaschinen und Anlagenkonzepte. Daher kann Andritz MeWa zu jeder Zeit moderne und wirtschaftlich überzeugende Anlagenkonzepte liefern, welche die aktuellen Marktanforderungen erfüllen. Auch aktuell werden alle Andritz MeWa Recyclingmaschinen hinsichtlich Design und Funktionen komplett überarbeitet. Die Konzentration liegt dabei auf der Erhöhung der Wertstoffqualitäten und einer höheren Flexibilität der Anlagenkonfiguration bei gleichzeitiger Reduzierung der Belastungen auf Schneidwerk und Messer. Alles Maßnahmen, um letztlich die wirtschaftliche Attraktivität des Altreifenrecyclings weiter zu erhöhen. Gefertigt werden die neuen Maschinen in eigenen, weltweit verteilten Fertigungszentren. Hohe Fertigungskapazitäten sorgen für kurze Auftragsdurchlaufzeiten und eine hohe Termintreue. Die moderne Messtechnik verbunden mit einer umfangreichen Werkstoffprüfung stellt eine gleich hohe Qualität aller gefertigten Produkte sicher – ein wesentlicher Baustein, um die hohen Qualitätsanforderungen der Kunden zu erfüllen. Wirtschaftlich attraktive Option Vor dem Hintergrund ständig steigender Rohstoffpreise und weltweit knapper werdender Rohstoff-Ressourcen stellt die stoffliche Wiederverwertung von Altreifen mit Andritz MeWa Technologie eine langfristige und wirtschaftlich attraktive Option dar. Das gewonnene Gummigranulat wird zum Beispiel für die Herstellung von Fallschutzmatten, Antirutschmatten und Kunstrasen verwendet. Gummimehl kommt unter anderem als Beimischung im Asphalt für den Straßenbau, in elastischem Fliesenkleber oder Mörtelsystemen zur Anwendung. Der in den unterschiedlichen Zerkleinerungsschritten gewonnene Stahl kann als wertvoller Sekundärrohstoff in der Stahlindustrie eingesetzt werden. Neben der Nutzung von sekundären Wertstoffen für neue Produkte ergeben sich für die Industrie auch zunehmend Möglichkeiten zur Verbesserung der Materialeigenschaften von Werkstoffgemischen hinsichtlich Elastizität oder Frostbeständigkeit. Ebenso werden im Forschungsbereich ständig neue Anwendungen für die gewonnenen Endprodukte erschlossen, wodurch die Wirtschaftlichkeit eines Altreifenrecyclings auch zukünftig kontinuierlich wachsen wird. So arbeitet beispielsweise die Hochschule Reutlingen, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, gemeinsam mit mittelständischen Unternehmen an einem Verfahren zur wirtschaftlicheren Verwertung der anfallenden Textilien. Ziel ist die Verwendung dieser hochwertigen Recyclingfasern für die Herstellung von Spritzgussteilen für die Industrie. Die Vorteile eines Recyclings für Mensch und Natur liegen auf der Hand. Aber auch die Wirtschaftlichkeit ist bei Verwendung einer hochwertigen Technologie, wie sie Andritz MeWa anbietet, gesichert. Die Zukunftsaussichten sind daher durchweg positiv, vor allem, weil sich auch internationale Märkte entwickeln werden und die Erforschung vielfältiger Nutzungsmöglichkeiten von Gummi, Stahl und Textil aus Altreifen weiter voranschreitet. Marius Hörrmann, Hans-Dieter Heptner, Andritz MeWa GmbH, Gechingen, hans-dieter.heptner@andritz.com UmweltMagazin März 2015 49

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