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3 | 2015

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Bild: Dieter Schütz/Pixelio Vancouver, Kanadas drittgrößte Stadt, hat sich besonders ehrgeizige Ziele für die Abfallbehandlung gesetzt. Kanadas Kommunen setzen auf Waste-to-Energy Die kanadischen Städte und Gemeinden müssen in den kommenden Jahren die lokalen Mülldeponien erheblich entlasten. Für viele Kommunen bietet Waste-to-Energy eine Möglichkeit, die strengen Vorgaben zu erfüllen. Während in Ontario und British Columbia Ersatzbrennstoffanlagen als Strom- und Fernwärmelieferant im Mittelpunkt stehen, möchte Quebec mithilfe von Biogas als Alternative zu anderen fossilen Brennstoffen in erster Linie seine CO 2 -Bilanz verbessern. In Kanada beschreiten Provinzen und Kommunen beim Abfallmanagement neue Wege. Dabei gewinnt die Energieerzeugung aus Ersatzbrennstoffen in der Kreislaufwirtschaft weiter an Bedeutung. Derzeit befinden sich eine Reihe von Anlagen im Bau oder in Planung. Bei vielen Projekten steht allerdings weniger die Energiegewinnung als vielmehr die Möglichkeit, den wachsenden Müllbergen Herr zu werden, im Vordergrund. Denn die Provinzverwaltungen haben Städte und Kommunen aufgefordert, den Anteil des Haushaltsmülls, den sie in Deponien entsorgen, deutlich zu senken. Der Investitionsbedarf wird daher auch künftig wachsen, prognostizieren Branchenkenner. Laut Statistics Canada hat der Abfallsektor 2014 umgerechnet gut 585 Millionen Euro investiert. Ferner sollen sich bis 2016 die laufenden Ausgaben der Städte und Gemeinden für die Müllbehandlung auf 2,9 Milliarden Euro erhöhen. Einer Schätzung der Federation of Canadian Municipalities zufolge belief sich dieser Wert 2012 auf etwa 2,1 Milliarden Euro. Vancouver, Kanadas drittgrößte Stadt, hat sich besonders ehrgeizige Ziele für die Abfallbehandlung gesetzt. Im Jahr 2012 landeten noch etwa 42 Prozent des jährlichen Müllaufkommens von 3 Millionen Tonnen auf Deponien. Bis 2020 muss der Anteil auf 20 Prozent gesenkt werden. Neben Müllvermeidung und Recycling soll dieses Ziel auch mit Hilfe einer neuen Waste-to-Energy-Anlage erreicht werden. Das Vorhaben befindet sich noch in einem frühen Planungsstadium. In dem Kraftwerk sollen künftig 370 000 Tonnen Abfall pro Jahr verbrannt und in Strom und Wärme umgewandelt werden. Im Zuge des technischen Ausschreibungsprozesses sind zehn Angebote von neun Unternehmen in die engere Wahl gekommen. Parallel dazu werden zurzeit potenzielle Standorte für das Ersatzbrennstoffkraft- 64 UmweltMagazin März 2015

Umweltmärkte Service werk evaluiert. Der Investitionsbedarf wird auf rund 353 Millionen Euro geschätzt. Die Anlage soll 2018 in Betrieb genommen werden, so die Pläne der Stadtverwaltung von Vancouver. Förderprogramm für Gaserzeugung aus Bioabfall Auch für kleinere Kommunen ist die Müllverbrennung zur Energieerzeugung oder zur Herstellung von Brennstoffen attraktiv. Beispielsweise plant die Kleinstadt Drayton in der Provinz Alberta derzeit den Bau einer Anlage, in der 60 000 Tonnen Haushaltsmüll in Abfallpellets umgewandelt werden können. Diese sollen künftig als alternativer Brennstoff für ein bestehendes Kohlekraftwerk genutzt werden. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 15,5 Millionen Euro, so Informationen des Investorenkonsortiums. In der Provinz Quebec wiederum kommt Waste-to-Energy in erster Linie als Instrument zur Verbesserung der CO 2 -Bilanz zum Einsatz. Im Rahmen des „Quebec Action Plan for Climate Change“ sollen die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Stand des Jahres 1990 gesenkt werden. Die Provinz deckt bereits 97 Prozent seines Bedarfs an elektrischem Strom aus Wasserkraft; deshalb ist die Verwendung von Ersatzbrennstoffen angesichts bisheriger geringer Erzeugungspreise nicht konkurrenzfähig. Waste-to-Energy soll in Quebec deshalb nur dort zum Einsatz kommen, wo fossile Brennstoffe durch alternativ erzeugte Energieträger wie Ethanol oder Biogas ersetzt werden können. Im Rahmen des „Program for Processing Organic Matter by Anaerobic Digestion and Composting“ (PTMOBC) werden ausschließlich Projekte gefördert, bei denen aus organischen Stoffen durch anaerobe Gärung und Kompostieren Biogas und -methan erzeugt wird. Als Eingangsstoff sind nur organische Haushaltsabfälle erlaubt, nicht aber landwirtschaftliche Produktionsabfälle. Damit soll auch das Ziel erreicht werden, bis 2020 keine organischen Haushaltsabfälle mehr in Deponien zu entsorgen. Biogasanlage in Richmond, BC/Kanada Bislang wurden sieben Projekte im Rahmen des PTMOBC mit einem Investitionsvolumen von rund 234 Millionen Euro genehmigt, weitere drei befinden sich in der Pipeline. Nach Angaben des Umweltministeriums von Quebec können mit dem Betrieb der bereits genehmigten Anlagen jedes Jahr rund 650 Millionen Tonnen CO 2 eingespart werden. Das Förderprogramm der Provinzregierung mit einem Volumen von insgesamt 459 Millionen Euro läuft noch bis Ende 2017. Ontario und Alberta mit neuen EBS-Kraftwerken Eines der größten Ersatzbrennstoffkraftwerke (EBS) nimmt Ende 2014 in der Provinz Ontario den Betrieb auf. In der Anlage werden jährlich 140 000 Tonnen Haushaltsmüll aus der Region York Durham in Strom und Wärme umgewandelt. Die Dampfturbine hat eine Leistung von 17,5 MW und versorgt Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. künftig 10 000 Haushalte mit elektrischem Strom. Mit dem Prozessdampf werden zudem 2 200 Haushalte über ein Fernwärmenetz beheizt. Das „Durham York Energy Centre“ wird von dem US-Unternehmen Covanta Energy als Build Design Operate Projekt realisiert und für 20 Jahre betrieben. Die Investitionen belaufen sich Unternehmensangaben zufolge auf knapp 212 Millionen Euro. Die westkanadische Provinz Alberta setzt ebenfalls auf die Waste-to-Energy- Technologie. Im Juni 2014 wurde in Edmonton eine der weltweit größten Anlagen zur Herstellung von Biokraftstoff aus Festmüll eröffnet. In dem vom kanadischen Unternehmen Enerkem gebauten und betriebenen Werk werden jährlich 100 000 Tonnen Haushaltsmüll der Metropolregion Edmonton zu 38 Millionen Liter Methanol und Ethanol verarbeitet. Mit der RDF-Anlage (Refuse Derived Fuel) ließe sich der Anteil des Abfalls, der für eine Entsorgung auf Deponien bestimmt ist, von derzeit 40 auf 10 Prozent senken. Deutsche Unternehmen in Kanada aktiv Bei dem Versuch, von einer erdölbasierten Wirtschaft zu einer biologisch fundierten Ökonomie zu gelangen, ist Deutschland in vielen Bereichen führend. Besonders deutlich wird das etwa Bild: GICON UmweltMagazin März 2015 65

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