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4/5 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Management 3178 3 GWP [kg CO2-Äqv.] pro kg Outputmaterial 3943 2,5 2 1,5 34198 1 0,5 Materialbereitstellung Transport Energie 0 Grafik 1: Emissionen unterteilt nach Materialbereitstellung, Transport und Energieaufwand [tCO 2 e] Grafik 2: Treibhausgasemissionen der Materialvorketten [kg CO 2 e] [6] CF.Basierend auf einemkürzlichneu erschienen Standard [2] und der Idee der vollständigen Lebenszyklusanalyse, werden die Emissionen in diesem CF erstmals entlang der gesamten Wertschöpfungskette dargestellt, da eine Vernachlässigung eine gravierende Unterschätzung der THG-Emissionen zur Folge haben kann [3]. Vorgehensweise Eingeschlossen in die Bilanzierung werden alle Treibhausgase, die im Kyoto-Protokoll festgelegt wurden [4]. Diese umfassen Kohlenstoffdioxid (CO 2 ), Methan (CH 4 ), Distickstoffmonoxid (N 2 O), Fluorkohlenwasserstoffe (PFC und HFC) und Schwefelhexafluorid (SF 6 ). Sämtliche Emissionen werden dabei als CO 2 -Äquivalente (CO 2 e) erfasst. Die Auswertung des Treibhauspotenzials erfolgt mit Hilfe der GaBi-Software (GaBi 4.4 2010). Folgende Positionen werden betrachtet (Bezugsjahr2010): 7 Scope 1: Firmeneigene Fahrzeuge, Prozessemissionenvor Ort 7 Scope 2: Energie-und Wärmebezug 7 Scope 3: Materialvorketten (Öle), Transporte und Treibstoffherstellung Beider Ermittlung desScope3werden ausschließlich vorgelagerte Aktivitäten betrachtet. Dies liegt darin begründet, dass die Nutzung der Endprodukte und die Freisetzung gebundenerEmissionen in diesem Fall nur schwer lokalisiertund quantifiziert werden können. Die Verbrennungsprozesse von Biogas innerhalb der unternehmenseigenen Biogasanlage sowie die thermische Verwertung vonNebenproduktionwerdenindieser Arbeitnicht detailliert ausgewertet,dadie Betrachtung vonbiogenemCO 2 nicht abschließend geklärtist [1]. 100% 90% 80% Grafik 3: Überblick Scope 1, 2und 3 70% %-Anteil an Gesamtemissionen 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% >1% Scope 1 Scope 2 Scope 3 Grafiken (3) :TUBerlin 70 UmweltMagazin April-Mai 2012

Berechnung der Emissionen Gegenstand derScope3Bilanzierung ist der gesamte Aufwand der Ölherstellung und Distribution. Da nicht zu allen Ölen detaillierte Informationen vorlagen, wurden einige mit handelsüblichen Standardölen angenähert. Dabei wurde konservativ vorgegangen, um Literatur [1] The Greenhouse Gas Protocol Initiative, ACorporate Accounting and Reporting Standard –Revised edition. 2011, World Business Council for Sustainable Development, World Resource Institute. [2]The Greenhous Gas Protocol Intitiative, Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting &Reporting Standard. 2011, World Business Council for Sustainable Development, World Resource Institute. [3]Matthews, H.S., C.T. Hendrickson, and C.L. Weber, The Importance of Carbon Footprint Estimation Boundaries. Environmental Science &Technology, 42: p. 5839–5842, 2008 [4] UNFCCC, Kyoto Protocol. 1997: Kyoto. [5]Bundesministerium für Ernährung, L.u.V., Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe. 2009: Berlin. [6]PEInternational, GaBi. 2009, http://www.gabi-software.com/databa ses/. [7]Börjesson, P. and M. Berglund, Environmental system analysis of biogas systems –Part II: The environmental impact of replacing various reference systems. Biomass and Bioenergy, 31: p. 326–344, 2007 [8] Stichnothe, H. and F. Schuchardt, Comparison ofdifferent treatment options for palm oil produciton waste on alife cycle basis. Int JLife Cycle Assess, 15: p.907–915, 2010 eine Unterschätzung derEmissionenzu vermeiden. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe führtinder Regelzur Einsparung fossiler Rohstoffe und zur Reduzierung von CO 2 -Emissionen. Die Umweltwirkungen dernachwachsendenRohstoffe in der stofflichen Nutzung sind jedoch abhängig von vielen Faktoren, wie unter anderem den Verfahren und Erträgen des landwirtschaftlichen Anbaus oder der Wahrung bisheriger CO 2 -Speicher [5].Das in denPflanzen zuvor eingebundene CO 2 findet zunächst keine Berücksichtigung, auch umKonsistenz in Bezug auf die Bilanzierung der Biogasanlage und der thermischenVerwertung von Nebenprodukten zu gewährleisten. Für alle betrachtetenÖle und Fettsäurenträgt dieMaterialbereitstellung den größten Anteil an den Gesamtemissionen von 41 320 tCO 2 e(siehe Grafik 1). Eine detaillierte Aufschlüsselung der entstehenden THG-Emissionen pro kg Material kann Grafik 2 entnommen werden. Den Materialgruppen Crude C8–10 und C6, ME8–10 und ME 6sowie den frakt. Fettsäuren (FS) liegen als Ausgangsstoffe Palmkernöl und Kokosölzugrunde. Der Unterschied zwischen Crude C8–10 zu C6 ergibt sich aus den Anteilen im Kokosöl, das eine bessere Klimabilanz aufweist als Palmkernöl. DieProzesse innerhalb vonScope3verursachen insgesamt die größte Menge an Treibhausgasen (sieheGrafik 3). Daraus ergibt sich ein gesamter Corporate Carbon Footprint von 46935 Tonnen(t) CO 2 eüber die gesamte Wertschöpfungskette. Daran trägt der sogenannte Scope 3,durch die Produktion der Öle innerhalb der Vorkette, mit 92 Prozentden wesentlichen Anteil. Zusammenfassung Der CFder Prignitzer Chemie liefert wichtige Erkenntnisse, die bei der Implementierung vonsinnvollenVerminderungsmaßnahmen helfen können. Durch den Umstieg auf Erneuerbare Energien konnten bereits große Mengen an THG-Emissionen eingespart werden (Scope 2). Durch denBetrieb einer Biogasanlage und den Einsatz von Biogas als Brennstoff werden fossile Energieträger ersetzt und Emissionen eingespart [7]. Hierbei ist jedoch die regelmäßige Kontrolle und Wartung der betreffenden Anlagen von großer Bedeutung um Leckageverluste und dadurch unter anderem Methanemissionenzuvermeiden[8]. Für die Materialvorketten kann festgehalten werden, dass Öle aus Raps, Sonnenblumen und Palmkernen ähnliche Ergebnisse erzielen, wobei die Palmkernöle aufgrund der größeren Transportwege etwas schlechter abschneiden. Während Sonnenblumenöl und Rapsöl im gesellschaftlichen Kontext eher unkritisch erscheinen,bergen Palmöle durchaus Diskussionspotenzial im Zusammenhang mit der Vernichtung von Primärwäldern. Aus diesem Grund sollte bei der Verwendung von Palmölen auf eine geeignete Zertifizierung geachtet werden. Diese Problematik berücksichtigend, wird das von der Prignitzer Chemie direkt eingesetzte Palmstearin daher aus kontrolliert biologischem Anbau inKolumbien bezogen. Derzeit arbeitet Cremer gemeinsammit seinenLieferantenander Möglichkeit, RSPO zertifizierte Palm-/PKO- Produkte mit asiatischem Ursprung anzubieten. Sabrina Neugebauer, Laura Schneider, Matthias Finkbeiner, alle Technische Universität Berlin, Institut für Technischen Umweltschutz, Lehrstuhl für Sustainable Engineering, Ulrike Ehses, Cremer Oleo GmbH &Co.KG, Hamburg, Andrea Zepter, Prignitzer Chemie GmbH &Co.KG, Wittenberge UmweltMagazin April-Mai 2012 71

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