Aufrufe
vor 4 Jahren

4/5 | 2015

  • Text
  • Umweltmagazin
  • April
  • Unternehmen
  • Einsatz
  • Wasser
  • Deutschland
  • Abwasser
  • Energie
  • Zudem
  • Thermische
  • Umwelt
  • Magazin

Special Thermische

Special Thermische Abfallverwertung & Abluftreinigung EBS-Anlage von Infraserv Höchst EBS-Anlage im Regelbetrieb Der Industriepark Höchst ist einer der erfolgreichsten Chemie- und Pharmastandorte in Europa – 90 Unternehmen, 22 000 Mitarbeiter, 6,3 Milliarden Euro Investitionen seit dem Jahr 2000. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist hier das Energieerzeugungskonzept: Der breite Mix der eingesetzten Energieträger und besonders effiziente Versorgungsstrukturen sorgen dafür, dass die Standortgesellschaften international wettbewerbsfähigen Strom und den in der Chemieindustrie besonders wichtigen Prozessdampf in Anspruch nehmen können – ein entscheidender Standortvorteil für Unternehmen, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen. Zu den modernen Energieerzeugungsanlagen im Industriepark Höchst gehört die Ersatzbrennstoff (EBS)-Anlage im Südwesten des Standortes, die im Bereich der Kraftwerke mit Wirbelschichttechnologie die größte ihrer Art in Deutschland ist und seit dem 1. Januar 2015 im Regelbetrieb läuft. Michael Müller Der Energiebedarf des Industrieparks Höchst ist sehr groß: 3 400 Gigawattstunden Wärme werden am Standort pro Jahr benötigt, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 174 000 Einfamilienhäusern entspricht. Der jährliche Strombedarf liegt bei 1 900 Gigawattstunden – genug, um 630 000 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Das Heizkraftwerk des Industrieparks ist somit das Herz des Standortes – hier wird der Prozessdampf erzeugt, den die produzierenden Unternehmen benötigen. Zwei moderne Gasturbinenanlagen steigern die Effizienz des Kraftwerks, das in Kraft-Wärme- Kopplung betrieben wird und somit einen im Vergleich zu klassischen Kondensationskraftwerken deutlich höheren Energieausnutzungsgrad erreicht. Die konsequente Nutzung der Abwärme aus Produktions- und Verbrennungsanlagen sichert zusätzlich ein Höchstmaß an Effizienz bei der Energieversorgung und reduziert gleichermaßen Brennstoffverbrauch, die damit verbundenen Kosten und den CO 2 -Ausstoß. Unabhängiger von Marktentwicklungen Der kontinuierliche Ausbau der Produktionskapazitäten am Standort brachte für Infraserv Höchst die Notwendigkeit mit sich, in die eigenen Erzeugungskapazitäten zu investieren. Dabei entschied sich die Betreibergesellschaft vor Jahren für den Bau einer Ersatzbrennstoffanlage, um durch den Einsatz heizwertreicher Abfälle in Ergänzung zu den fossilen Energieträgern unabhängiger von den Marktentwicklungen im Energiebereich zu sein – auch dies immer mit Blick auf die Energiekosten als entscheidenden Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Standortgesellschaften. Ein Projekt mit Höhen und Tiefen: Nach Verzögerungen beim Bau zog sich die Inbetriebnahmephase in die Länge, da zunächst die Performance der Anlage nicht den Erwartungen entsprach. Der Generalunternehmer arbeitete mehrere Jahre an der Lösung der technischen Probleme, schließlich übernahm die Thermal Conversion Compound Industriepark Höchst GmbH (T2C) die Anlage, um weitere notwendige Umbau- und Ertüchtigungsmaßnahmen in Eigenregie durchführen zu können. Die T2C GmbH ist eine Tochtergesellschaft von Infraserv Höchst. Zwangsläufig wirkten sich die Verzögerungen auch auf die Projektfinanzierung aus, inzwischen sind diese Themen erfolgreich abgearbeitet und die Anlage läuft im Regelbetrieb. Dr. Marcell Peuckert, Geschäftsführer 26 UmweltMagazin April - Mai 2015

Thermische Abfallverwertung & Abluftreinigung Special der T2C GmbH, hat die mitunter auch schwierigen Phasen bei der Projektrealisierung miterlebt und ist mit den ersten Erfahrungen aus dem Regelbetrieb sehr zufrieden. „Die Verbrennung läuft sehr stabil und alle technischen Veränderungen, die wir realisiert haben, machen sich positiv bemerkbar.“ Der Umbau bestand im Wesentlichen aus der teilweisen Rückführung der sauerstoffarmen Rauchgase in den Kessel, um auf diese Weise die Wirbelschicht unabhängig von der eigentlichen Verbrennung steuern zu können. Das ursprüngliche Konzept sah lediglich einen einzigen Luftstrom zur Steuerung von Wirbelschicht und Verbrennung vor. „Die Entkoppelung der Luftströme hat sich bewährt“, erklärt Dr. Peuckert. Er räumt ein, dass die anspruchsvolle Wirbelschichttechnologie gegenüber der klassischen Rostfeuerung von Müllverbrennungsanlagen wesentlich sensibler und anfälliger ist. „Die Anforderungen an den Brennstoff sind vor allem hinsichtlich der Korngröße deutlich höher, und die Steuerung der Messund Regeltechnik ist komplexer.“ Daher gibt es bislang in Deutschland auch nur eine Handvoll EBS-Anlagen mit Wirbelschicht-Technologie, wobei die Anlage der T2C GmbH mit einer genehmigten Maximalkapazität von 700 000 Jahrestonnen die größte ihrer Art in Deutschland ist. Trotz der höheren Anforderungen ist der Chemiker von den Vorzügen der Wirbelschicht überzeugt: „Diese Technologie ermöglicht einen im Vergleich zur Rostfeuerung sehr viel vollständigeren Ausbrand, der durch unterschiedliche Verweilzeiten im Kessel erreicht wird.“ Ein weiterer Vorteil: Die Temperaturverteilung ist homogener, die Verbrennung ist dadurch gleichmäßiger und stabiler. Inzwischen hat die Anlage auch mit der naturgemäß uneinheitlichen Zusammensetzung der Abfälle keine Probleme mehr. UmweltMagazin April - Mai 2015 Regelmäßige Kontrollen Beim Brennstoff für die EBS-Anlage im Industriepark Höchst müssen insbesondere zwei Kriterien erfüllt sein: Eine Korngröße von 300 bis maximal 500 Millimetern und der Schadstoffgehalt. „Wir nehmen nur nicht- gefährliche Abfälle an“, stellt Dr. Peuckert fest. Dieser Punkt ist absolut unkritisch: Die Lieferanten sind bei der Aufbereitung der Ersatzbrennstoffe sorgfältig und zuverlässig, alle bisherigen Proben und chemischen Analysen waren unkritisch. „Wir arbeiten eng mit den Betreibern der Sortier- und Aufbereitungsanlagen zusammen, führen Audits durch und kontrollieren regelmäßig“, berichtet Dr. Peuckert. „Unsere Lieferanten stellen im eigenen Interesse ein hohes Maß an Brennstoffqualität sicher.“ Das gilt auch für die Korngröße, die durch Sichtkontrollen und Beprobungen sichergestellt wird. Insgesamt sieht Dr. Peuckert auch bei der Abfallaufbereitung eine stetige technologische Weiterentwicklung, entsprechend dem Trend zu immer höheren Recyclingquoten und gleichzeitig einer qualitativen Verbesserung bei den aufbereiteten Reststoffen. Es ist die Kombination aus der sorgfältigen Aufbereitung recycelbarer Materialien und der hocheffizienten thermischen Verwertung der heizwertreichen Reststoffe, die aus Dr. Marcell Peuckert einen Verfechter der EBS-Technologie haben werden lassen: „Diese sinnvolle und logische Verknüpfung von Recycling und Verbrennung bringt den höchsten ökologischen Nutzen“ so Dr. Peuckert. „Die noch zu deponierenden Abfallmengen werden auf das absolute Minimum an nichtbrennbaren Aschen reduziert, es bleiben hochwertig aufbereitete Recycling-Materialien und wir erzeugen auf umweltfreundliche Weise Energie, da wir mit den Ersatzbrennstoffenfossile Brennstoffe substituieren und dementsprechend auch weniger CO 2 ausstoßen.“ Ökologisch sinnvoll sind EBS-Anlagen demnach – doch der Betrieb muss sich auch rechnen. Neben den Entwicklungen auf dem Abfallmarkt sind hier die regulatorischen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. „Ich gehe davon aus, dass die Gesetzgebung weiterhin auf Recycling und Abfallverwertung setzt, sodass zwangsläufig auch die Mengen an verfügbaren Ersatzbrennstoffen tendenziell steigen werden – selbst wenn das Gesamtaufkommen an Müll zurückgehen sollte“, prognostiziert Dr. Peuckert. Aussicht Im vergangenen Jahr wurden in der Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst rund 400 000 Tonnen EBS verbrannt, künftig strebt die T2C GmbH eine durchschnittliche Jahresmenge von rund 560 000 Tonnen an. 2015 wird es wohl noch etwas weniger werden, denn zu Jahresbeginn fielen zwei der drei Verbrennungslinien für mehrere Wochen aus. Grund: Schäden an der Ausmauerung der Kesselhauben, die erneuert werden mussten. „Ärgerlich, aber bautechnische Probleme dieser Art kann es immer geben“, kommentiert Dr. Peuckert den Ausfall. Viel wichtiger war das Ergebnis der ersten planmäßigen Revisionen, bei denen sich gezeigt hat, dass die Verbrennungstechnologie stabil läuft. So wird die Ersatzbrennstoff-Anlage der T2C GmbH auf lange Sicht einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die produzierenden Unternehmen an diesem Standort mit umweltfreundlich erzeugter Energie zu international wettbewerbsfähigen Preisen versorgt werden können – ein wichtiger Standortvorteil für den Industriepark Höchst. Michael Müller, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, Frankfurt/Main, michael.mueller3@infraserv.com Wassernebel bindet Staub! r Steinbrüche r Betonwerke r Stahlwerke r Hafenkräne r Abbau von Kohle r Tunnelbau / Unter Tage r Müllverbrennungsanlagen r Papier-Recycling r Metallrecycling r Bauschuttrecycling ( 06763 Ein Produkt der terz GmbH 960786

Ausgabenübersicht