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4/5 | 2015

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Wasser Beim Wohnhaus

Wasser Beim Wohnhaus geht es meist um den Ersatz von Trinkwasser bei Toilettenspülung und Bewässerung; in der Industrie jedoch um deutlich mehr. Die Dachflächen sind riesig und die Verwendungsmöglichkeiten vielfältig. Allein bei der Kühlung mit Regenwasser anstelle von Trinkwasser entstehen viele Vorteile: Die Gebühr für das Trinkwasser und die Ableitung von Niederschlagswasser entfällt und es muss nicht enthärtet oder entsalzt werden. So lassen sich weitere Betriebskosten für die Aufbereitung von Trinkwasser und die Ableitung von Abwasser sparen. Das Vermeiden der damit verbundenen Stoffströme und der erforderlichen Energie ist auch Umwelt- und Klimaschutz, der oft vergessen wird. Ansturm auf Regenwasser in der Industrie Klaus W. König Mittlerweile kostet das Ableiten von Regenwasser viel Geld – je größer der Betrieb, desto mehr. Das ist auch bei der Emil Frei GmbH & Co. KG aus Bräunlingen im Schwarzwald der Fall. „Selbst wenn das Ableiten kostenlos wäre“, sagt Hans-Peter Frei, einer der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens, „würden wir dieses Wasser unbedingt behalten.“ Das Unternehmen nutzt das Regenwasser nicht nur, weil es Trinkwasserkosten spart, sondern auch zur Kühlung bei der Produktion von Flüssiglacken, da so im Gegensatz zur Verwendung von Trinkwasser auf die Enthärtung verzichtet werden kann. Strom- und Wassergebühren sparen Wenn Trinkwasser zur Kühlung verdunstet werden soll, wie früher auch bei Frei Lacke, muss ein wartungsintensiver Aufbereitungsprozess vorgeschaltet werden, der sowohl Geld als auch Nerven kostet. Der gelegentliche Ausfall der Enthärtungsanlage hat jedes Mal zu einem teuren Stopp der Produktion geführt: In Zeiten der Hochkonjunktur musste auf die Instandsetzung der Anlage gewartet werden, und neben den Extrakosten für den Service waren auch die ohnehin ho- Synergie Regenwasser-Teich und Photovoltaik: Verdunstungskühlung schafft höheren Stromertrag; im Bild: die Südfassade Verwaltungsgebäude der Solar-Fabrik Freiburg hen Betriebskosten der Enthärtung oder Entsalzung von Trinkwasser zu zahlen. Heute, nach Umbau der Technik in Eigeninitiative, spart der Lackhersteller sechs verschiedene Kostenkomponenten: > Die Trinkwassergebühr für 1,2 Kubikmeter (m³) je genutztem m³ Regenwasser, da bei der Entsalzung von Trinkwasser immer 15 bis 20 Prozent Restwasser als Abwasser anfällt. Das heißt, dass pro m³ Kühlwasser 1,2 m³ Trinkwasser eingesetzt werden muss. > Die Abwassergebühr für 0,2 m³ je genutztem m³ Regenwasser, da mit jedem m³ Kühlwasser aus Trinkwasser rund 0,2 m³ Restwasser als Abwasser anfällt. > Die Niederschlagswassergebühr zu 100 Prozent, da bei vollständiger Bewirtschaftung des Regenwassers diese Gebühr nicht fällig ist. > Die Stromkosten zu 100 Prozent für den regelmäßigen Betrieb der Enthärtungsanlage, während die Kühlung mit Regenwasser läuft. > Das Enthärtungsgranulat zu 100 Prozent, während die Kühlung mit Regenwasser läuft. > Der Reparaturservice für die Instandhaltung und -setzung der Enthärtungsanlage, während die Kühlung mit Regenwasser läuft. Die Investition in die Regenwassertechnik war, nach Unternehmensangaben, relativ gering, da es sich bei Filter, Speicher, Pumpen und Armaturen sowie Leitungen in der benötigten Größenordnung um einfache Standardware handelt, und die Montage von werkseigenem Personal erledigt werden konnte. Frei ist der Meinung, dass es an der Zeit sei, in allen Industriebetrieben kombinierte Energie- und Wasserkonzepte zu realisieren. Seiner Meinung nach bieten sich bei Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen die besten Chancen dafür. Drei Unternehmen, dreifache Synergie Mit dem ersten Öko-Audit 1996 begann Emil Frei Lacke damit, die Produktion zu optimieren und in den Folgejahren die Gebäudetechnik zu verbessern. Regenwasser von den Dächern dient seit mehr als 15 Jahren zur Kühlung und zur WC- Spülung. Während der Planung des neuen Logistikzentrums im Jahr 2009 wurden zusätzlich verschiedene Heizsysteme durchgerechnet. Der Löschwassertank ist nun Teil eines ausgeklügelten Systems im Keller des Gebäudes. Hier befindet sich auch die Heizzentrale mit einer Wasser-Wärmepumpe und einem Wärmetauscher. Er entzieht dem Zisternenwasser, das in unterschiedlichen Prozessen in der Pulverlack-Produktion auf 18 °C erwärmt wurde, Wärme bis auf 15 °C. Gleiches geschieht mit dem Rücklauf des 30 °C warmen Kühlwassers aus der Flüssiglackproduktion. Auf 40 °C erhitztes Wasser verlässt den Wärmetauscher und sorgt im Winter für angenehme Arbeitstemperaturen in den Räumen. Umgekehrt sorgt das System 44 UmweltMagazin April - Mai 2015

Wasser im Sommer für die Kühlung der Räume und ganzjährig für die Kühlung von Maschinen. „Bis 0 °C Außentemperatur müssen wir überhaupt nicht mehr mit Öl zu heizen“, so Frei. „Für uns ist das eine wirtschaftliche und nachhaltige Investition“. Allein in den ersten sechs Betriebsmonaten hat die von ihm konzipierte Technik schon 42 421 Liter Heizöl oder umgerechnet 23 331 Euro eingespart. Die Anlage wird sich voraussichtlich nach fünf Jahren amortisiert haben. Das auf den Dachflächen anfallende Regenwasser wird bei Hüttinger Elektronik in Freiburg in einer 300 Kubikmeter großen Zisterne gespeichert und in Kühltürmen eingesetzt. Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung beim Speicherlieferant Mall GmbH in Donaueschingen, spricht von einer Synergie aus Regenwasserbewirtschaftung und Energieeinsparung: „Der Verzicht auf die sonst übliche Kältemaschine spart elektrische Energie.“ Bei der Raumluftkühlung bedeutet das, nach Angabe des Betreibers, eine Reduzierung von umgerechnet 318 Tonnen CO 2 , entsprechend 56 664 Liter Heizöl pro Jahr. Bei der Produktionskühlung mit erhöhter Temperatur und ebenfalls Verzicht auf Kältemaschine ist das Äquivalent 551 Tonnen CO 2 entsprechend 98 147 Liter Heizöl. So lassen sich durch das Kühlen mit Regenwasser Kosten für Trink- und Abwasser und darüber hinaus Ausgaben für Energie sparen – und die damit einher gehende Klimabelastung vermeiden. Als ideal gilt die Kombination von Regenwasserteich und Photovoltaik. Die Solar-Fabrik in Freiburg bewirtschaftet seit 15 Jahren 100 Prozent des Niederschlags auf dem eigenen Grundstück. Ein Teil davon ist die Umwälzanlage mit Wasserlauf und Teich direkt vor der Südfassade des Verwaltungsgebäudes, zu beiden Seiten des Haupteingangs. Die Wasserfläche wirkt als Spiegelteich. Sie reflektiert das Sonnen- und Himmelslicht in das verglaste Bauwerk. Dabei erhalten die Photovoltaikmodule in der Fassade mehr Einstrahlung. Zugleich erhöht die Verdunstung entlang der Fassade die Stromausbeute, da die Stromerzeugung in kühlerer Umgebung höher ist – ein Synergieeffekt aus Regenwasserbewirtschaftung und Energieproduktion. Baugenehmigungsbedingte Regenwassernutzung Der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und der Deutscher Arbeitgeberverband haben im Jahr 1999 zusammen einen Neubau am Mühlendamm in Berlin Mitte bezogen – 100 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Die gesammelten Niederschläge werden ganzjährig im Gebäude für die Toilettenspülung im nicht-öffentlichen Bereich genutzt. Zudem wird so der Feuerlösch- Vorrat für die Sprinkleranlage gewährleistet. Zahlen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anlage liegen nicht vor, aber davon war die Entscheidung zum Einbau der Regenwasserbewirtschaftung nicht abhängig. Vielmehr war die Rückhaltung und Nutzung eine Bedingung, um überhaupt hier bauen zu dürfen. Ebenso verhält es sich bei den großen Liegenschaften am Potsdamer Platz, die Sony und Daimler-Chrysler in Auftrag gegeben hatten – oder bei der Nürnberger Versicherung in der City von Nürnberg. Auch Wisch in Staaken ist ein solches Beispiel, bei dem man die Investition in Regenwassertechnik unter Baukosten verbucht hat und sich damit eine Amortisationsrechnung erübrigt. Sachverständigenbüro Klaus W. König, Überlingen, mail@klauswkoenig.com ACO Leichtflüssigkeitsabscheider Oleopator-C-OST Der ACO Tiefbau Leichtflüssigkeitsabscheider Oleopator-C-OST findet speziell Anwendung beim Anfall von wassergefährdenden Leichtflüssigkeiten. Mit Hilfe der Koaleszenzeinheit und der Gravitation werden Öle, Sedimente und Feinpartikel effizient vom Abwasser getrennt. Höchste Leistung für hohe Ansprüche www.aco-tiefbau.de ACO. Die Zukunft der Entwässerung. AZ_Oleopator_184x128.indd 1 30.03.2015 14:03:10

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