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4/5 | 2015

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Nachrichten ecoprog GmbH

Nachrichten ecoprog GmbH Biogas aus Bioabfall boomt in Europa Studie untersucht die Entwicklungsphasen In den nächsten zehn Jahren werden in Europa rund 650 neue Bioabfallvergärungsanlagen (BVA) mit einer Leistung von etwa 850 MW in Betrieb el gehen. Eine neue Studie der Kölner ecoprog GmbH analysiert den europäischen Markt für BVA und untersucht die Phasen der Projektentwicklung. Die Zahl der Biogasanlagen in Europa, die kommunale und industrielle Bioabfälle vergären, wird zwischen 2014 und 2023 um rund 650 auf über 1 450 Anlagen ansteigen. Die installierte Leistung wird sich in diesem Zeitraum nahezu verdoppeln – um 850 MW el auf rund 1 750 MW . Hauptgrund für das Wachstum sind el die Vorgaben der europäischen Energie- und Abfallgesetzgebungen. Über deren Umsetzung in den nationalen Gesetzgebungen bestimmen sie maßgeblich sowohl die Erlösstruktur also auch die verwertbaren Bioabfallmengen für BVA. Die Vorgaben der EU-Deponierichtlinie, der EU-Abfallrahmenrichtlinie und der EU-Richtlinie zur Nutzung der Erneuerbaren Energien müssen alle bis spätestens 2020 erfüllt sein. Die Folgebestimmungen sind momentan noch offen. Die stärksten Wachstumsjahre für den Bau von BVA werden aus heu- tiger Sicht also die bis 2020 sein. Die meisten BVA werden in den vier bevölkerungsreichsten Staaten Europas errichtet: in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien. Trotz aller Unterschiede in Konsumverhalten, Siedlungs- und Industriestruktur bestimmt vor allem die Anzahl der Einwohner über die Bioabfallmengen. Wenn in diesen Ländern zudem die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Abfälle und die erneuerbare Energieerzeugung in ausreichendem Maße vorhanden sind, kann der Markt für die Vergärung von Bioabfällen schnell wachsen. In den nächsten zehn Jahren wird das Vereinigte Königreich den stärksten Zubau an BVA verzeichnen können. Die Abfallwirtschaft wird durch eine ansteigende Deponiesteuer gezwungen, alternative Verwertungswege für Bioabfall zu finden. Zudem ist die Vergütung für Biogas aus Bioabfällen sehr hoch. Ähnliches gilt auch für Frankreich. Allerdings wird dort neben dem Bau von „reinen“ BVA auch der Bau von mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) mit einer integrierten BVA unterstützt. Deutschland steht momentan im Spannungsfeld aus strengerer Abfallgesetzgebung und einer Neuausrichtung der Energiegesetzgebung. Seit Januar 2015 ist die separate Sammlung von Bioabfällen in Deutschland flächendeckend verpflichtend, was bislang einzigartig in Europa ist. Dies wird den Bau von neuen BVA fördern. Dem steht seit Ende 2014 eine restriktivere Förderung von Biogas gegenüber. Insgesamt überwiegen aber die positiven Impulse der Abfallwirtschaft und Deutschland bleibt somit ein Wachstumsmarkt für BVA. Dass eine große Bevölkerung jedoch nicht die alleinige Voraussetzung für einen erfolgreichen BVA-Markt ist, wird bei der Untersuchung Spaniens deutlich. Gemäß der Bevölkerungszahl sind genügend Bioabfälle zur Vergärung vorhanden. Doch der spanische BVA- Markt stagniert, was hauptsächlich an der äußerst komplexen und relativ niedrigen Vergütung für Biogas sowie an der geringen Unterstützung der Abfallwirtschaft liegt. Die meisten osteuropäischen Länder haben ebenfalls einen großen Nachholbedarf im Bereich der Abfallwirtschaft – hier ist die Deponierung bis heute die überwiegende Entsorgungsmethode. Sollen die Vorgaben der EU-Richtlinien eingehalten werden, muss sich diese Situation in den nächsten Jahren drastisch ändern. Dadurch werden große Mengen Bioabfall für alternative Verwertungsmethoden zur Verfügung stehen. www.ecoprog.de Bild: Hartmut910/Pixelio Destatis Mehr Beschäftigte in der Energie- und Wasserversorgung In Deutschland waren Ende Dezember 2014 in den Wirtschaftsbereichen Energie- und Wasserversorgung rund 236 000 Personen tätig. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 1,3 Prozent (%) mehr als im Dezember 2013. Innerhalb der Energie- und Wasserversorgung war die Entwicklung uneinheitlich. Im Dezember 2014 erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr die Beschäftigtenzahl in der Elektrizitätsversorgung um 1,7 und in der Wasserversorgung um 0,7 %. In der Wärme- und Kälteversorgung und Gasversorgung verringerte sich die Anzahl der tätigen Personen um 1,4 beziehungsweise 0,3 %. Bei der Energie- und Wasserversorgung wurden im Dezember 2014 gut 27,1 Millionen Arbeitsstunden geleistet – rund 5 % mehr als im Vorjahr. 75 % der Beschäftigten in der Energie- und Wasserver- sorgung waren Ende Dezember 2014 in der Elektrizitätsversorgung tätig, weitere 12 % in der Wasserversorgung. In den Bereichen Gasversorgung sowie Wärme- und Kälteversorgung waren jeweils 16 000 Personen beschäftigt. www.destatis.de 6 UmweltMagazin April - Mai 2015

Nachrichten Trendwende beim Klimaschutz Bild: Linnart Unger Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr erstmals seit drei Jahren wieder gesunken. Das geht aus der Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes (UBA) hervor. Die Emissionen sanken demnach um mehr als 41 Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente, das entspricht 4,3 Prozent. Insgesamt lagen die Treibhausgasemissionen damit bei 912 Millionen Tonnen – dem niedrigsten Wert seit 2010. Das entspricht einer Minderung um 27 Prozent im Vergleich zum internationalen Referenzjahr 1990. Wichtigste Ursache für den Emissionsrückgang ist der geringere Einsatz fossiler Brennstoffe. Dieser wiederum ist zu einem großen Teil auf die milde Witterung und den geringeren Heizenergieeinsatz in Gebäuden und Haushalten zurückzuführen. Besonders stark ist der Rückgang bei Erdgas und Steinkohle: Der Einsatz von Erdgas verursachte 12,9 Prozent, der Einsatz von Steinkohle 8,2 Prozent geringere Kohlendioxidemissionen. Die durch den emissionsstärksten Brennstoff Braunkohle verursachten Kohlendioxidemissionen gingen dagegen unterproportional nur um 2,2 Prozent zurück. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch nahm 2014 um 2,4 Prozentpunkte auf 27,8 Prozent zu. In erster Linie haben die Erneuerbaren Energien die emissionsärmeren fossilen Brennstoffe Erdgas und Steinkohle verdrängt, während Braunkohlekraftwerke auf hohem Emissionsniveau nahezu verharren. Im Vergleich der unterschiedlichen Sektoren trug die Energiewirtschaft mit knapp 6 Prozent Rückgang zur Treibhausgasminderung bei. Im Verkehr dagegen stiegen die Emissionen um mehr als 3 Prozent. Ursache dafür ist eine gesteigerte Verkehrsleistung sowohl im gewerblichen als auch privaten Bereich, die mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum und deutlich zurückgegangenen Kraftstoffpreisen einherging. Im Abfallbereich gingen die Methan- Emissionen vor allem wegen des Verbots zur Deponierung organischer Abfälle 2014 um 0,6 Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente zurück. In der Landwirtschaft stiegen die Lachgas- Emissionen auf Grund des erhöhten Absatzes an mineralischem Dünger leicht an. Der Anteil fluorierter Gase in der Industrie blieb weitgehend konstant. Diese Treibhausgase sind unterschiedlich klimawirksam und werden zur besseren Vergleichbarkeit in CO2-Äquivalente umgerechnet. Die Daten der Nahzeitprognose leiten sich aus einem System von Modellextrapolationen und Trendfortschreibungen der im Januar vom UBA veröffentlichten detaillierten Berechnungen des Jahres 2013 ab. Dabei wurden erste für 2014 veröffentlichte Überblicksangaben der amtlichen Statistik, der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und von Industrieverbänden verwendet. Seit letztem Jahr sind die neuen Berechnungsvorschriften der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls anzuwenden, was eine direkte Vergleichbarkeit mit früher vom UBA veröffentlichten Daten nur bedingt ermöglicht. „Blauer Engel“ für Rechenzentren Rechenzentren, die das Umweltzeichen „Blauer Engel“ tragen wollen, müssen künftig deutlich weniger Energie verbrauchen und klimafreundlich gekühlt werden. Grund ist eine überarbeitete Vergabegrundlage, die die Jury Umweltzeichen verabschiedet hat. Das UBA geht davon aus, dass sich Investitionskosten beispielsweise für neue Messtechnik oder eine Kaltgangeinhausung des Rechenzent!rums nach durchschnittlich zwei Jahren amortisieren. Im vergangenen Jahr hat es daher die Kriterien des „Blauen Engels für Rechenzentren“ gemeinsam mit Experten überarbeitet. Das Grundkonzept wurde beibehalten, neue Anforderungen kamen hinzu: So dürfen etwa neu beschaffte, intelligente Power Distribution Units (PDU), über die auch Messwerte abgerufen werden können, nur eine Verlustleistung von maximal 0,5 Watt pro vorhandenem Stromausgang aufweisen. Verändert wurden auch die Werte für die Energy Usage Effectiveness (EUE), die ein Maß für die Energieeffizienz der Rechenzentrums-Infrastruktur sind: Neue Rechenzentren, die ab dem Jahr 2013 erst zwölf Monate oder weniger in Betrieb sind, müssen einen EUE von 1,4 erreichen. Bei älteren Rechenzentren gilt ein EUE-Wert von 1,6 (bis fünf Jahre) oder 1,8 (älter als fünf Jahre). Neben dem geringen Energieverbrauch ist eine klimafreundliche Kühlung des Rechenzentrums wichtig. Sie erfolgt bislang zumeist mit klimaschädlichen, teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) als Kältemittel. Die EU hat zwar mit der Verordnung Nr. 517/2014 (F-Gase- Verordnung) eine nur stufenweise Verknappung der Verwendungsmengen von HFKW beschlossen, diese startet aber erst 2017. Der „Blaue Engel“ fordert jedoch bereits jetzt, dass Kälteanlagen, die nach dem 1. Januar 2013 in Betrieb gingen, nur noch halogenfrei kühlen. Das heißt, dass hier künftig nur noch Kälteanlagen mit natürlichen Kältemitteln wie Kohlendioxid eingesetzt werden dürfen; zulässig sind natürlich auch Kühlsysteme, die ganz ohne Kältemittel auskommen, etwa Wärmetauscher. Kleine Rechenzentren mit einem Kältebedarf von maximal 50 Kilowattstunde sind von den Bestimmungen ausgenommen. Rechenzentren können sich ab sofort nach der neuen Vergabegrundlage zertifizieren lassen. Bis spätestens 1. Januar 2016 müssen die neuen Vergabekriterien von allen Rechenzentren eingehalten werden, die berechtigt sind das Umweltzeichen „Blauer Engel – Energiebewusster Rechenzentrumbetrieb“ | RAL-UZ 161 zu tragen. www.uba.de UmweltMagazin April - Mai 2015 7

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