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6 | 2013

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SPECIAL Erneuerbare

SPECIAL Erneuerbare Energien Ontario, hier die Skyline der Hauptstadt Toronto, ist die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas –und will die führende Region für grüne Technologie in Nordamerika werden. Bild: Astrid Haindl/Pixelio Die kanadische Provinz Ontario nimmt in der Entwicklung einer umweltschonenden Energieversorgung eine Vorreiterrolle ein. Die Integration der fluktuierenden Erneuerbaren Energien in das Stromnetz ist eine technische Herausforderung. Wirtschaft, Politik und Forschung inOntario haben wirtschaftliche Speichertechnologien in den Fokus genommen. Christine Fröhler Ontario ist die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas.Sie liegt im Südosten des zweitgrößten Staates der Erde, grenzt an die Großen Seen und an fünf Bundesstaatender USA. DieHauptstadt Torontobeherbergt mitden Maple Leafs die viertbeste Mannschaftinder Ewigen Tabelle der National Hockey League. Dass Eishockey hier als Volkssport die Massen begeistert, lässt sich auch an den Alltagsweisheiten ablesen. Eine Kostprobe: Laufenicht dorthin, wo der Puck gerade ist, sondern dorthin, wo er gleich sein wird. Ontario treibt die Energiewende voran Speichertechnologien und Mikrogrids gefragt Die Eishockeyweisheit fordert dazu auf, an die Zukunft zu denken. Der Spruchkennzeichnetdamit treffend die Entwicklung einer umweltschonenden Energieversorgung in Ontario. Obwohl die Provinz mit knapp 2000 Megawatt (MW) installierter Solar- und Windstromkapazität mit der Durchdringung desMarkteserstamAnfang steht, gilt sie in Nordamerika bereits als Lokomotive derEnergiewende.Bis 2018 soll sichdie regenerative Erzeugungskapazität auf 10 000 MW erhöhen. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien steht Ontariodamit in absehbarerZeitvor der gleichen Frage wie andere Länderauch: Wie bringt man Erzeugung und Bedarfmöglichstweitgehend zurDeckung? „Wir versuchen, viele verschiedene Möglichkeiten auszuloten und sehen momentan Power-to-Gas, kommunale Energiespeicher und Mikrogrids als vielversprechende Ansätze“, meint Dr. Terrie Romano, Konsulin für Wirtschaftsangelegenheiten der Provinz Ontario. Mit Hochdruck arbeiten die Unternehmen in Ontario deshalb an Speichertechnologien und an der Entwicklung von Mikronetzen. „Wir machen Tempo“, unterstreicht Romano den Willen der Politik, Ontario zum Zentrum Grüner Technologie in Nordamerika und darüber hinaus zu machen.Einerder wichtigstenSchritte dahin: DieErneuerbarenEnergienmüssen in das bestehende, rund 60 Jahre alte Stromnetz integriert werden. Fluktuierende Erzeugung erschwert die Kontrolle Wind- und Solarstrom sind fluktuierende Energien, deren Intensität und Fahrplan sichnicht beeinflussen lassen. Das korrespondiert nur selten mit dem Verbrauch. Wieman es auchbetrachtet –Tages- und Jahresgänge der Produktion des Wind- und Solarstroms sowie der Nachfrage weisen die typischen 20 UmweltMagazin Juni 2013

Bild: Hydrogenics Power-to-Gas ist eine der vielversprechendsten Speichertechnologien. Als Partner für das Projekt inFalkenhagen entschied sich E.ON für den Wasserstoff-Spezialisten Hydrogenics aus Ontario. Spitzen undTalsohlenauf,die unterungünstigen Bedingungen die Netzstabilität gefährdenkönnen. JonathanDogterom, in der Dienstleistungs- und Beratungsorganisation MaRS (Toronto) zuständig für denBereich Cleantech, weist darauf hin, dass allein zwischen dem Maximum und dem Minimum der Nachfrage im Sommer eine Lücke von rund 8000 MW klafft. Dazu kommt die ebenfalls fluktuierende Erzeugung, die nur bei der Photovoltaik mit dem sommerlichen Mehrbedarf übereinstimmt, eingeschränkt übereinstimmt hingegen mit derWasserkraftund im Sommernur selten mit derWindenergie. Für die netzführenden Techniker bedeutet das höchste Konzentration. Der Frequenzkorridor, den sie einhalten müssen, beträgt nur etwa 2 Prozent nach oben und unten. Ron Dizy, CEO des Technologieunternehmens Enbala PowerNetwork und damit Netzexperte, fasst die Situation zusammen: „Die ErneuerbarenEnergienmachenStress, die Netzbetreiber stehen unter hohem Anpassungsdruck.” Auf dem Weg zum Weltmarktführer? Noch ist die Penetration der Stromproduktion durch erneuerbare Energieträger allerdings so gering, dass die Leitstandstechniker kein wirkliches Problem haben. Die installierten Windenergieturbinen und Photovoltaikanlagen decken etwa 5Prozent der Stromerzeugung in Ontario. Um die Techniker in den Leitständen wirklich ins Schwitzen zubringen, müsste dieser Anteil schon auf das Fünf- bis Sechsfache steigen. Dieser Zeitpunkt wird kommen. Ontario rüstet sich für eine zukünftige, CO 2 -freie Energiewirtschaft und hat damit vielen anderen Volkswirtschaften – nicht zuletzt Deutschland –einiges voraus. Das Instrumentarium, um die Erneuerbaren Energien zuintegrieren und gleichzeitig das Netz zu ertüchtigen, istvorhanden oder in der Entwicklung. Hier zeigt sich auch deutlich ein industriepolitischerAnsatz derProvinz Ontario. „Ontario ist auf dem Weg zum Weltmarktführer der Grünen Technologie”, so Konsulin Romano. Der dazu notwendige Ehrgeiz ist vor Ort deutlich spürbar.„Nichtdie Großen fressendie Kleinen, sonderndie Schnellendie Langsamen“,soRomano weiter. Interessant für Investoren Ontariosetzt auf Zuckerbrotund Peitsche, umdas hochgesteckte Ziel zuerreichen. Romano verweist einerseits auf knallharte ordnungsrechtliche Einschnitte: „Ab 2014 bleiben die Schornsteine der Kohlekraftwerke kalt. Wir steigen aus der Kohleverstromung aus, das haben wir gesetzlich festgeschrieben.“ Ein radikalerSchnitt, derweltweit seinesgleichen sucht. Sie kann darüber hinaus Faktoren nennen, die den Standort Ontario attraktiv machen. So ermittelten die Wirtschaftsprüfer von KPMG für die Unternehmen inOntario Betriebskosten, die unter denen anderer Industrienationen wie USA, Deutschland oder Japan liegen. Ebenso verhält es sichmit derSteuerbelastungder Unternehmen, die weit unter dem Steuersatz der USA liegt sowie unterdem Durchschnitt der G8–und G20– Staaten. Besondere Steuervergünstigungen gibt esfür Neuinvestitionen. „Mit am wichtigsten aber sind die hochqualifizierten Menschen“, fährt Romano fort. „Zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung haben einen akademischen Abschluss, doppelt so viele wie im OECD-Durchschnitt.“Sie istdavon überzeugt, dass das eine gewisse Weltoffenheit mit sich bringt. „Wir verstehen die internationalen Märkte. Der internationale Handel der Unternehmenaus Ontariomacht 1Milliarde Dollar täglichaus.“ Deren Produkte haben zollfreien Zugang zuden NAFTA- Märkten (North American Free Trade Agreement), zu denen Mexiko, USA und Kanada zählen –ein 17-Billionen- Dollar-Markt.ImHintergrund arbeiten Forschungszentreninganz Ontario für den wirtschaftlichen Erfolg, oft in Zusammenarbeit mit der Industrie. Ausgesprochen großzügige Steuervorteile machen Forschungsaktivitäten auch für kleine Unternehmenmöglich. Power-to-Gas ist vielversprechend Ein zentralesThema derForschungsaktivitäten in Ontario sind die Spei- UmweltMagazin Juni 2013 21

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