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6 | 2013

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Management Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI Die meisten größeren Unternehmen geben seit Jahren Berichte über die eigene nachhaltige Entwicklung heraus. Aber auch immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen, wollen ihre Nachhaltigkeitsleistungen darstellen. Die GRI-Richtlinien bieten hierbei eine wertvolle Orientierung für die ersten Schritte. Susanne Moosmann und Yulia Felker Bild: Rainer Sturm/Pixelio Das regelmäßige Erstellen eines Nachhaltigkeitsberichts gehört inzwischen für viele Unternehmen zum guten Ton, ist oft sogar ganz selbstverständlich in die alltäglichen Arbeitsabläufeintegriert.IngroßenUnternehmen gibt esoftmals Abteilungen, die sich ausschließlich den Themen Transparenz und unternehmerische Nachhaltigkeit widmen. Der Trend, das eigene Engagement darzustellen, erfasst aber auch immer mehr kleine und mittelständischeUnternehmen. Regelwerk zur Berichterstattung Nach wie vor gibt esjedoch kein Regelwerk zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, wenngleich die Forderung danach immer lauter wird. Zuletzt forderte der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) Mitte April 2013 eine europäische Vereinheitlichung. Doch bis es soweit ist, bleibt –vor allem Neueinsteigern –die Qual der Wahl. Woran soll sich der Bericht orientieren, um alle Themen adäquat abzubilden? Denn Nachhaltige Entwicklung ist vielschichtig und umfasst mehr als „nur“ Umweltaspekte. Die Auswahl fällt schwer: Global Reporting Initiative (GRI), ISO 26000, GUTcert-NachhaltigkeitsCheck, Global Compact, Deutscher Nachhaltigkeitskodex–oderdochdas eigene unternehmensinterne Ermessen? Aus der Vielzahl an freiwilligen Checklistenund Guidelinesbetrachten wir im Folgendenden Indikatorkatalog derGRI. Denndieser istzueineminternational anerkanntenund weit verbreiteten Standard herangereift. An der neuenVersionGRI 4.0wirdseitlängerer Zeit mit Hochdruck gearbeitet. Allerdings istnochnicht absehbar,ob, wann und wie sich diese durchsetzen wird. Daher richten sich die meisten Nachhaltigkeitsberichte an den 79Indikatorender aktuellenVersion3.1 aus. Eingeteilt sind die Indikatoren in Bereiche: Wirtschaft, Ökologie, Soziales, Menschenrechte und gesamtgesellschaftliches Engagement. Alle fünf „Säulen“ sind wichtig und für alle Arten von Organisationengleichermaßenrelevant. Bedeutung des GRI-Katalogs GRI-Katalog und entsprechender Leitfaden sind imInternet frei zugänglich. Den Nutzernwirdder Inhalt jedes Indikatorsausführlich erklärtund sie erhalteneine Orientierung, wie relevante Daten erhoben und im Unternehmen zusammengetragenwerdenkönnen. Wasaber macht die besondereBedeutung des GRI-Indikatorkatalogs aus? Eine Organisation, die sich eingehend mit der umfassenden Themenpalette auseinandersetzt, ist in der Lage, mit größtmöglicher Transparenzihreunternehmensbezogenen Daten darzustellen. Dadurch ergibt sich wiederum der Vorteil eines internationalen Benchmarkings:Derzeitsind 5273 Unternehmen weltweit bei der GRI mit ihren Berichten gelistet. Wesentlich größer nochist die Zahl derUnternehmen, die sich zwar mit ihren Berichten ander GRI orientieren, diese aber keinemdefinierten GRI-Level zuordnen oder gar von unabhängigen Dritten validieren lassen. Die GRI fordert einen Managementansatz beim Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen. Die GUTcert mbH als Zertifizierungsstelle für Managementsysteme und Validierungspartner entsprechend der GRI-Anwendungsebenen befürwortet das ausdrücklich. Denn nur ein systematisches Vorgehen ermöglicht es, den rotenFadeninder Komplexität der Forderungen beizubehalten und einen ethisch vertretbaren, aussagekräftigen und öffentlichkeitswirksamen Bericht zuverfassen. Unabhängig von einer externen Prüfung, bietet eine im Unternehmen durchgeführte Selbsteinschätzung anhand der festgelegten GRI LevelA,BoderCderOrganisation eine gute Orientierung bezüglich der erreichten Reife ihrer Nachhaltigen Entwicklung. Die Level grenzen den Themenumfang ein und stellen klareAnforderungen an denInhalt. Gerade Unternehmen, die sich grundsätzlich dem Feld der Nachhaltigkeits- 46 UmweltMagazin Juni 2013

erichterstattung nähern, sollten die GRI Indikatoren als interne Checkliste für sichprüfen. Prinzip der Wesentlichkeit Die Erfahrung, dass das Erfüllen der GRI-Level ineine „Datenschlacht“ für ein Unternehmen ausartet, ist nicht neu. Tatsächlichsteht jeder Nachhaltigkeitsbeauftragte immer wieder vor der Herausforderung, Daten aus verschiedenenStandortenoderUnternehmensteilenerheben und/oderzusammenfassen zumüssen. Jedoch gilt bei der Berichterstattung das Prinzip der Wesentlichkeit: NurIndikatoren,die unmittelbar mit dem Kerngeschäft inVerbindung stehen undals bedeutend für eine Nachhaltige Entwicklung eingestuft werden, sollten ausführlich thematisiert und dargestellt werden. Ebenfalls von wesentlicher Bedeutung ist das Interesse relevanterStakeholder. Für die verbleibendenIndikatoren genügt zunächstdie Auskunft, dass sie beachtetwurden. Die Entscheidung darüber,obdiese „unwesentlichen“Themen weiter erforscht werden sollen und eventuell zukünftig an Bedeutung gewinnen, liegt schlussendlich bei den Verfassern. Jedes Unternehmen sollte jedoch klarstellen, dass alle im internationalen Konsens der GRI herausgearbeitetenErwartungenregelmäßig in Betracht gezogen und analysiert werden. Empfehlenswert sind dabei Berichtszyklen vonein biszweiJahren. Indikator- und Themenbereich Die Erfahrung zeigt, dass die größten Probleme beim Erfassen und Aufbereiten der Daten dort auftreten, wonoch keine Managementsysteme im Unternehmen greifen. Ist ein Unternehmen beispielsweise nach demUmweltmanagementsystem ISO 14001 zertifiziert, sind bereits notwendige Verfahren und Prozesse festgelegt, die für eine solide Datenbasis sorgen. Damit ist der umfangreichste Indikatorbereich der GRI- Richtlinien, der Umweltbereich mit 30 Indikatoren, gegebenenfalls vollständig abgedeckt. Und eine beste- hende Zertifizierung nach ISO 9001 erfasstbereits neun Themenzur Produktverantwortung und die solide Finanzplanung aus dem Bereich Ökonomie. Ein Großteil der Angabendes 14 Indikatoren starken Themenblocks rund um Arbeitspraktiken und menschenwürdige Beschäftigung wird oftmals durch ein gut aufgestelltes Personalmanagement ausreichendgespeist. Für Unternehmen mit Standorten in Entwicklungsländern und mehreren direkten Lieferanten ist das Bereitstellen relevanter Daten für die Themenbereiche Menschenrechte und Lieferantenmanagement sehrkomplex. Dochselbst hiersorgt einManagementsystem,etwa zur Arbeitssicherheit mit dem BSOH- SAS18001,für eine gute Grundlage. Die zu berichtenden Indikatoren aus den Bereichen Ökonomie und Soziales sind in der Regel durch das Finanzcontrolling zumindest teilweise erfasst. Motivation zur Berichterstattung Neben der bereits erwähnten Möglichkeit eines internationalen Benchmarks, hat eine Berichterstattung, die sich anden GRI-Richtlinien orientiert, viele weitere, sehr positive Effekte: Der einheitliche Aufbau erleichtert es allen interessierten Lesern, sichschnell einen Überblick über den Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen des Unternehmens Nachhaltigkeitsberichte (v.l.n.r.): Hansgrohe, Hochschule Trier, Fraunhofer, Evonik zu verschaffen. Ergarantiert, dass alle relevanten Themen zumindest gelistet sind, sodass derLeser sichgezieltdie Information, die für ihn besonders wichtig ist, verschaffen und für sich qualitativ bewerten kann. Durch das normativeVorgehenkann sich das berichtende Unternehmen zudem besser mit dem Wettbewerb, der Branche im In- beziehungsweise Ausland vergleichen. BesondereGlaubwürdigkeitgegenüber Kunden, Lieferanten, Behörden und anderen Stakeholdergruppen erhält der Nachhaltigkeitsbericht durch die Validierung einer unabhängigen externen Stelle: Das Plus hinter dem Level ist auch ein Plus für Image und Öffentlichkeitsarbeit. Der größte und wertvollste Vorteil ist jedochdas bessere Kennenlernen deseigenenUnternehmens: Oftergeben sich durch die nach dem GRI-Katalog erhobenen DatenErkenntnisse, die dazubeitragen, den Unternehmenserfolg nachhaltig abzusichern und zu Optimierungen auf allenEbenen führen. Susanne Moosmann, Yulia Felker, GUT Certifizierungsgesellschaft für Managementsysteme mbH, Berlin, nachhaltigkeit@gut-cert.de UmweltMagazin Juni 2013 47

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