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7/8 | 2013

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Bilder (3): Bayer

Bilder (3): Bayer MaterialScience Umfangreiche Tests: Bayer-Forscher Dr. Christoph Gürtler mit einem Schaumstoffmuster, das mit Hilfe von CO 2 hergestellt wurde. Neues Verfahren: In dieser Pilotanlage inLeverkusen gewinnt Bayer mit Hilfe von CO 2 ein wichtiges chemisches Zwischenprodukt. muss normalerweise viel Energie aufgewendet werden –was wiederummit der Emission von CO 2 verbunden ist. Den Ausweg aus diesem Dilemma weist ein spezieller Katalysator, den Bayer-Forscher im Rahmen des Vorgängerprojekts Dream Reactions entdeckt haben und den sie mit den Kollegen am CAT Catalytic Center inAachen weiterentwickeln. Der „chemische Heiratsvermittler“ bringt Reaktionen gezielt zum gewünschten Produkt hin in Gang und macht den teilweisen Ersatz petrochemischer Rohstoffe durch das CO 2 erst möglich. Dies wiederum führt dazu, dass das neue Verfahren nach Berechnungen der RWTH Aachen wirklich ökologisch sinnvoll ist. DennamEnde wird nicht etwa mehr, sondern wenigerCO 2 freigesetzt –auchimVergleich zu den traditionellenProduktionsprozessen. Gemessen an den weltweiten CO 2 -Emissionen ist das Reduktionspotenzial natürlich begrenzt. Doch für die Chemieindustrie können die indirekte Einsparung an Kohlendioxid und Energie, die der teilweise Ersatz von Erdöl mit sich bringt, vor allem aber die Substitution der traditionellen Ressource selbst, beachtliche Größenordnungen erreichen. EinAnhaltspunkt:Allein die Polyurethane, auf die das neue Verfahren bislang zugeschnittenist,stehenfür gut5 Prozent des weltweiten Kunststoffmarktes. Matratzen aus CO 2 Ab dem Jahr 2015 sollen CO 2 -basierte Schaumstoffe auf den Markt kommen, für die Bayer Polyol bereitstellt. Als erstes Endprodukt habendie Entwickler Matratzen imAuge. In der Branche, aber auch in anderen Industrien, besteht bereits deutliches Interesse. Nun sucht Bayer nach Partnern in der Wertschöpfungskette zum Endkunden. Gleichzeitig forschen die Experten in weiteren Projekten nach zusätzlichen Möglichkeiten, Kohlendioxid als Rohstoff zu verwenden. Was ihnen vorschwebt, sind noch viele andere Kunststoffarten –synthetische Fasern etwa oder Lacke auf Basis von Polyurethan. Es gibtaber nochganz andereIdeen. Zum Beispiel, CO 2 mit Erneuerbaren Energien zukoppeln. Dies geschieht im ProjektCO 2 RRECT, das –wiederum angeführt von Bayer – zehn Partner aus Industrie und Wissenschaft umfasst. Hier wird überschüssiger Windstrom verwendet, um per Elektrolyse Wasserstoff zu produzieren. So lässt sich die flüchtige Elektrizität chemischspeichern. Freigelassen wird die Energie, wenn der umweltfreundlich gewonnene Wasserstoff zum Einsatz kommt. Und an dieser Stelle stehtKohlendioxid auf dem Plan. Führt man beide Seiten zusammen, entstehen wichtige chemische Zwischenprodukte –ein doppelterBeitrag zurNachhaltigkeit. Mit diesen Intermediaten ließe sich zumBeispiel Polycarbonatproduzieren, ein Hochleistungskunststoff, der viele Eigenschaften vereint. Leicht, transparent, bruchfest, haltbar selbst bei großer Hitze und beliebigzuformen, findet er breite Verwendung –vom Brillenglas bis zur DVD, vom Autoscheinwerfer bis zum Stadiondach. Weniger Erdöl für Kunststoffe Aus den CO 2 -basierten Zwischenproduktenlassen sich außerdem Isocyanate herstellen–neben demPolyoldie zweite Komponente, die manfür Polyurethane braucht. Das bedeutet, Bayer und seine Partnernähern sich deralternativen Produktion des Schaumstoffs von zwei Seiten –mit DreamProductionfür die eine und mit CO 2 RRECT für die andere Zutat. Es dauert aber noch lange, bis essoweit ist. Frühestens im Jahr 2020 ist mit Zwischenprodukten aus CO 2 und Windstrom zurechnen. Langfristig zu verstehen ist auch die Vision von Bayer, umweltverträgliche Kunststoffe herzustellen, die praktisch kaum noch auf Erdöl basieren.Für die weitgehendalternative Quellenverwendetwerden, zumBeispiel nachwachsende Rohstoffe–und dasKlimagas Kohlendioxid, das im Begriff ist, eine neue Rolle einzunehmen. Stefan Paul Mechnig, Bayer MaterialScience, Leverkusen, stefanpaul.mechnig@bayer.com UmweltMagazin Juli -August2013 39

TECHNIK UND MANAGEMENT Abfall/Recycling Aluminium, Stahl, Titan, Kupfer –ein hoher Gewichtsanteil eines Flugzeugs besteht aus begehrten Metallen. Flugzeugrecycling –Leben nach der letztenLandung Wolfgang Scheunemann Nicht nur das gestiegene Umweltbewusstsein, auch die sich abzeichnende weltweite Rohstoffverknappung legen den Gedanken nahe, wertvolle Rohstoffe aus ausgedienten Flugzeugen als Ressourcenquellen zu erschließen. Esist absehbar, dass mit dem weiterenZuwachs des globalen Luftverkehrs, vor allembefeuertdurch die aufstrebenden Wachstumsregionen in Asien und Lateinamerika, die Möglichkeitenzur Gewinnung vonWertstoffen immer größer werden. Airbus prognostiziert weltweitüber 28 000 zu produzierende Passagiermaschinenallein in den kommenden 20Jahren. Auch Boeing geht von einem Zuwachs in ähnlicher Größenordnung aus und schätzt, dass in diesem Zeitraum bis zu8500 Passagiermaschinenmit jeweils mehr als 100 Sitzen außer Dienst gestellt werden. Hinzu kommen kleinere Regionaljets, Sport- und Militärflugzeuge. Früher wurden Flugzeuge entweder schlicht auf Halde abgewrackt oder auchgar nicht ausrangiert.Ähnlichwie Oldtimer-Autos hielten sie bei intensiver Pflege und Wartung viele Jahrzehnte. Das rechnet sich heute längst nicht mehr, da angesichts des Fortschritts in Forschung und Entwicklung nichtnur die Technik schnellerveraltet, sondern auchimmerneue Umweltregularien, wie etwa Emissions- und Lärmvorschriften, die fliegenden Oldtimer auf vielen Flughäfen aussperren. Auch derstark gestiegene Kerosinpreiserhöht den Druck auf Fluggesellschaften deutlich, moderneund treibstoffeffizientere Flugzeugezubetreiben. Pilotprojekt Pamela Vordiesem Hintergrund sollte das im Jahr 2005 durchgeführte Projekt „Pamela“zeigen, dass einFlugzeug ohne Umweltgefährdung zerlegt, seine Teile wiederverwendetoderals Sekundärrohstoffe recycelt werden könnten. Pamela stehtfür “Processfor theAdvanced Management of End-of-LifeAircraft“,übersetzt inetwa „Prozess zur Verwendung von Flugzeugen am Ende ihrer Nutzungszeit“. Hinter dem Projekt stehen der europäische Flugzeughersteller Air- 40 UmweltMagazin Juli -August2013

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