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7/8 | 2013

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us sowie die

us sowie die EU-Kommission mit ihremLIFE-Umweltprogramm. Vor Pamela gab eskeine genormten Verfahren zum Flugzeugrecycling. Mit demProjektsolltediese Lücke geschlossen und die Einhaltung einschlägiger Abfallvorschriften gewährleistet werden. Darüber hinaus sollte auf freiwilliger Basis das Ziel einerRecyclingquote von mindestens 85 Prozent erreicht werden – vergleichbar mit einer EU- Richtlinie für Altfahrzeuge, die bisher noch nicht für Flugzeuge gilt. Aber ab dem Jahr 2015 soll die Umweltmanagement-NormISO 14001, die schon für die Automobilproduzenten gilt, auch für Flugzeughersteller inKraft treten: Von da an müssen sie für ihre Flieger auch dann die Verantwortung tragen, wenn diese ausgedient haben. Basis des Recycling-Projekts war ein Airbus A300, der im Jahr 1980 in Toulouse für die türkische Luftfahrtgesellschaft Fly Air gebaut worden war. 25 Jahre, 45 000 Starts und Landungen sowie 80 Millionen Flugkilometer späterwar seinDienstende erreicht. Bei Projektbeginn wog das Flugzeug 106 Tonnen. 18 davon sind nach der Trockenlegung abzuziehen, das heißt nach Absaugen von Wasser, Abwasser und Kerosin aus den Flügeltanks. Die Ausgangsmasse betrug demnach 88 Tonnen. Nach dem Ausbau der 13,5 Tonnen nicht rückführbarer Materialien –etwa Kabinen- und Frachtraumverkleidung, Isolierungen und sonstigen Abfällen –entfielen 13,5 Tonnen auf überholbare und wiederverkäuflicheTeile,wie Triebwerke,Hilfsturbinen oder Fahrwerke. Übrig blieben 61 TonnenwiederverwertbaresMaterial. Beim Airbus A300 bestandensie zu 77 Prozent aus Aluminium, 12 Prozent aus Stahl, 4 Prozent aus Titan, 3Prozentaus Kupfer und4Prozent aus Kohlefaser-und anderemVerbundmaterial. Von 106 Tonnen Gesamtgewicht eines Airbus A300 sind 92,5 Tonnen wiederverwertbar. Recyclingquote über 85 Prozent Dank eines umfassendenund selektiven Sortierverfahrens konnten über 85 Prozent der verwertbaren MaterialienimRahmenvorschriftsmäßigen Recyclingsverkauftwerden. Bis zu 70 Prozentdes Materials gingenzurückandie Industrie, einschließlich der Luftfahrtindustrie –esentstand deren erster geschlossenerProduktionskreislauf. Darüberhinaus ging aus demPamela- Konzept inzwischen die Tarmac Aerosave hervor, das erste und europaweit führende Unternehmenzur umweltverträglichen Verwertung von Altflugzeugen. Als Joint Venture von Airbus und dem Abfallspezialisten Sita France nahm Tarmac Aerosave im Jahr 2009 seineTätigkeitauf. Mit seiner modernen Anlage inder Nähe desFlughafensvon Tarbes im Südwesten Frankreichs verfügtTarmac über die Kapazität zurDemontage vonbis zu 30 Großflugzeugenpro Jahr.Inden ersten beiden Jahren hat das Unternehmenbereits einDutzend Flugzeugeverschiedener Typen zerlegt, darunter AirbusA300, A310,A300–600, A320, A340, Grafik: BDLI, Quelle: TK Verlag Karl Thomé-Kozmiensky UmweltMagazin Juli -August2013 41

TECHNIK UND MANAGEMENT Bilder: (3): Airbus Blick auf das Recyclinggelände der Tarmac Aerosave amFlughafen von Tarbas/Frankreich (li.), Arbeiten an einem ausrangierten Flugzeug (re.). aber auch DC9, Boeing 737 und Boeing 777. Sokonnte Tamarc seine Demontageverfahren weiterentwickeln und auf eine ganze Palette von Flugzeugtypen anwenden. Zerlegung bis zu drei Monaten Ziel des Unternehmens ist, bis zu 90 Prozent der Teile und Materialien der zerlegten Flugzeuge zu recyceln oder wiederzuverwenden. Eine vollständige Zerlegung nimmt ein bis drei Monate in Anspruch. „Das Recycling dauert beträchtlich länger als bei nicht-selektiven Verfahren, bei denen Rohstoffe nicht säuberlich getrennt werden. Aber wir haben uns zum Ziel gesetzt, hochwertige Materialienzurückzugewinnen“, erklärt Olivier Malavallon, Leiter des Pamela-Projekts vonLIFE. Hinsichtlich der bevorstehenden Zertifizierung mit der Umweltmanagement-NormISO 14001ebenso wichtig: Tarmac liefert Airbus wertvolle Informationen und Rückmeldungen inBezug auf Alterungsprozesse bei Flugzeugen und auf leichtere Demontagemethoden. DiesesWissen fließtindie Entwicklungsarbeit derIngenieureamAnfang des Lebenszyklus eines neuentwickelten Flugzeugs ein und trägt so zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit vonbestehendenund zukünftigen Flugzeugen bei. Zukunftsaufgabe Verbundwerkstoffe Malavallon sieht die Anlage in Tarbes als Teil eines künftigen Netzwerks, bei dem alle Beteiligten die Pamela-Erfahrungen nutzen.Eine globale Infrastruktur würde das Recycling effizienter machen undmit derZeitdie Verfügbarkeit von Materialien, wie etwa Verbundwerkstoffen, die bishernochnicht recycelt werden können, in wirtschaftlich sinnvollen Mengen sicherstellen. „Verbundwerkstoffe, wie kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, können gegenwärtig nicht wiederverwendet werden. Die zurückgewonnenen Mengen sind zu gering und die technische Leistungsfähigkeit der Materialien muss verbessert werden“, erläutert Malavallon. „Heute machendiese Stoffe in derFlugzeugherstellung einen viel größeren Anteil aus. Es istdaherunser Ziel,inden kommendendreibis fünf Jahren Recyclingverfahren fürProduktionsabfälle zu entwickeln, die dann in 20 Jahren bei Flugzeugen am Ende ihres Lebenszyklus zurAnwendung kommenkönnen.“ Recycling von Kohlefaserverbundwerkstoffen Was die Recyclingfähigkeit von Kohlefaserverbundwerkstoffen anbetrifft, werden bereits heute in Deutschland die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) inStuttgart erforscht derzeit eben jenes Abfallprodukt der Luftfahrtindustrie, das im Zuge der künftigen Leichtbauweisen zunehmend zum Einsatz kommt. Für die Wiederverwertung von durch Karbonfasern verstärkten Kunststoffen (CFK) gibt esjedoch bislang noch keine wirtschaftlichenLösungen. Die Fraunhofer-Wissenschaftler forschen deshalb an der Weiterentwicklung derelektrodynamischen Fragmentierung, eines Verfahrens, das ursprünglichaus dem Bergbaukommt. Mitte vergangenen Jahres ging in Norddeutschland die More-Aero an den Start, in der sich die Keske Entsorgung GmbH, das Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik (IFAD) der TUClausthal, die Allcox International GmbH sowie die Süderelbe AG zusammen getan haben, umden Einstieg in das Flugzeugrecycling für Norddeutschland voranzutreiben. Ziel des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes ist die Entwicklung einer mobilen Recyclingeinheit, die weltweit ausgemusterte Flugzeuge zerlegen und dem Recyclingprozesszuführen kann. Wolfgang Scheunemann, dokeo GmbH, Stuttgart, info@luftfahrt-industrie.de 42 UmweltMagazin Juli -August2013

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