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7/8 | 2013

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Management TECHNIK

Management TECHNIK UNDMANAGEMENT Zwecks Optimierung von Leistungen und Prozessen im betrieblichen Umwelt- und Energiebereich werden in deutschen Unternehmen zunehmend Managementsysteme eingeführt. Dabei sind die jeweiligen Motive und Gestaltungsoptionen vielfältig. Angesichts der hohen Wettbewerbsrelevanz sind Umwelt- und Energieaspekte bereits bei zahlreichen Unternehmen integraler Bestandteil des ökonomischen Ziel-, Strategie- und Handlungssystems. Bild: BMU/Thomas Härtrich Umwelt-und Energiemanagementsysteme in derPraxis Mahammad Mahammadzadeh und Laura Geus Über die Integration der Umweltund Energieaspekte in die vorhandenen Managementsysteme wie Qualitätsmanagementsysteme hinaus, werdenauchverstärkt solche mit Fokusauf Umwelt und Energie aufgebaut oder geplant. Neben den unternehmensspezifischen beziehungsweise hausinternen Systemen orientieren sich die Unternehmen dabei stark an europäischen undglobalen Standards sowie an zertifiziertenManagementsystemen. Qualitätsmanagementsysteme (QMS) QMS sindinder Unternehmenspraxis sehr weit verbreitet. Seit 1994 liegen auch internationale Normen für den Aufbau und die Zertifizierung vonQMS vor. Als wesentliche Basisnorm gilt dabei die international anerkannte Normenreihe DIN EN ISO 9000ff. Im Jahr 2011 hattenrund 50 000 Unternehmen und OrganisationeninDeutschlanddie Qualitätsmanagementnorm DIN EN ISO 9001 implementiert, die branchenunabhängige Mindestanforderungen an einQMS festlegt. Deutschland gehörtesomit weltweitzuden fünf Top-Ländern auf diesem Gebiet [1]. Im Rahmen der Qualitätsmanagementsysteme werden auch viele relevante Umwelt- und Energieaspekte von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen berücksichtigt. Der Schwerpunkt dieser Managementsysteme liegt jedoch explizit auf der Qualität als ein mehrdimensionales Phänomen, welche verschiedene Teilaspekte beziehungsweise Teilqualitäten (darunter auch die Umweltqualität) umfasst. Obwohl die Umwelt beziehungsweise derUmweltschutz als eine Teilqualität gilt, haben sich die Normungen für die Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme zunächst getrennt entwickelt. Sie nähern sich jedoch inzwischen aus Praktikabilitätsgründen und der Parallelität ihrer Bausteine zunehmend an [2]. Umweltmanagementsysteme (UMS) Deutsche Unternehmen und Organisationen stehen freiwilligen Umweltmanagementsystemen offen gegenüber. Diese Managementsysteme beinhalten vor allem aufbau- und ablauforganisatorische Gestaltungsaspekte wie Zielformulierung, Planung, Durchführung, Kontrolle von umweltschutzbezogenenMaßnahmenund Prozessen sowie die Festlegung von Verantwortlichkeiten zur Umsetzung der betrieblichen Umweltpolitik.Durch denAufbau von Managementsystemen versuchen die Unternehmen und Organisationen vermehrt –auch über die gesetzlichen Anforderungen hinaus –ihre Umweltleistungen kontinuierlich zu verbessern, die umweltrelevanten Prozesse zu optimieren und damit ihren Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu erhöhen. In der unternehmerischen Praxis genießen zwei Umweltmanagementsystemeeine besondersgroße Aufmerksamkeit [3]. Neben der EMAS (Eco-Management and Audit Scheme)-Verordnung ist das Umweltmanagementsystem nach der international gültigen privatrechtlichenISO-Norm14001 zu nennen. Die ISO14001 wurde im Jahr 1996 verabschiedet. Nach einem eingehenden Überprüfungsprozess wurde 2004 eine revidierte Fassung der Norm veröffentlicht. Im Rahmendieses Reviews lag der Fokus insbesondere auf einer besseren Kompatibilität der ISO 14001 mit der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001. Die Anforderungen der ISO 14001 an ein UMS sind inEMAS komplett integriert und werden durch einige zusätzliche Leistungsanforderungen ergänzt. Folglichweisendiese Basisnormenund die darauf ausgerichteten Managementsysteme ziel- und strukturbezogene Gemeinsamkeiten und Kompatibilitäten auf, unterscheidensichjedoch in einigen wesentlichen Systemelementen voneinander. Beispielsweise erfolgt UmweltMagazin Juli -August2013 51

TECHNIK UND MANAGEMENT Management Bezugsgrundlage EMAS III (Umweltmanagementsystem) Europäische Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 ISO 14001 (Umweltmanagementsystem) Internationale Norm DIN EN ISO 14001 ISO 50001 (Energiemanagementsystem) Internationale Norm DIN EN ISO 50001 Rechtsstatus hoheitliches Prüfsystem privatwirtschaftliches Prüfsystem privatwirtschaftliches Prüfsystem Ziel kontinuierliche Verbesserung der betrieblichen Umweltleistung und des UMS; umweltleistungsorientiert kontinuierliche Verbesserung des UMS; verfahrensorientiert Geltungsbereich seit EMAS III weltweit (Global EMAS) weltweit weltweit Teilnahme freiwillig freiwillig freiwillig Teilnehmer Organisationen; kleinste Einheit ist der Standort Organisationen Organisationen Anforderungen Umweltbetriebsprüfung (UMS samt Übereinstimmung mit einschlägigen Umweltvorschriften) Prüfung des UMS (Eignung, Angemessenheit und Effektivität) kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistungen, der Energieeffizienz und der Energieeinsparungen Festlegung der Energiepolitik, Planung, Kontrolle, Korrektur des EnMS; Messung und Dokumentation des Energieverbrauches, Energieeffizienzbewertung Prüfverfahren Validierung und Registrierung Zertifizierung Zertifizierung unabhängiger öffentlich-rechtlich geprüfter akkreditierte Prüfer akkreditierte Zertifizierungsorganisationen Umweltgutachter Zertifizierungsorganisationen Eintrag in öffentlich zugängliches EMAS- Nachweis des Zertifikat Zertifikat Systems Außendarstellung Aufwand/Kosten Verzeichnis, Registrierungsurkunde, EMAS- Logo Pflicht zur Veröffentlichung der Umwelterklärung; Kommunikation mit der Öffentlichkeit Kosten sind im Vergleich zu anderen Systemen wegen der vielfältigen Dokumentationen, externer Umwelterklärung sowie der Validierung hoch. bei EMAS eine Validierung des gesamten Unternehmens erst nach der Validierung aller Einzelstandorte. Diese standortbezogene Prüfung entfällt im Rahmen der Zertifizierung nach ISO 14001. Diese Anforderung ist insbesondere für Unternehmen mit mehreren Standorten wie Handelsunternehmenvon Bedeutung [4]. Organisationen mit mehreren Standorten können aber gemäß Artikel 3der EMAS-Verordnung künftig eine Sammelregistrierung beantragen. Zudem sieht EMAS III etwa im Unterschiedzur ISO 14001 eine Pflicht zur Veröffentlichung der Umwelterklärung und eine alle drei Jahre stattfindende komplette „Re-Validierung“ mit jährlich validierterAktualisierung der Umwelterklärung vor. Die charakteristischen Merkmale dieser beiden Systeme, die zugleich Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen, werden in der Tabelle zusammengefasst [5], [6]. Sie zeigt die Unterschiede beider Systeme insbesondere bezüglich Validierung, Registrierung, Berichterstattung, Veröffentlichung der Umwelterklärung, des Geltungsbereichssowie deranfallendenKosten. Die tatsächlich anfallenden Kosten sindimmerabhängig vonder Größedes Standortes, der Zahl der Beschäftigten, der Branche sowie den Vorkenntnissen und Vorarbeiten zum jeweiligen Managementsystem. In der Summe werden anEMAS formal und auch inhaltlichhöhereAnforderungen gestellt. keine zwingende externe Kommunikation, aber Veröffentlichungspflicht der Umweltpolitik Kosten sind im Vergleich zu EMAS geringer, da Erstellung der Umwelterklärung und Registrierung entfallen. Tabelle: Vergleich der Managementsysteme EMAS III, ISO 14001 und ISO 50001 Organisation entscheidet selbst über externe Kommunikation der Energiepolitik Kosten im mittleren Segment, aufgrund derzeit geringerer Vorschriften im Energiesektor verglichen mit dem Umweltbereich; zudem hohe Einsparpotenziale vorhanden, da Fokus auf Verbesserung der Energieeffizienz Verbreitung der Umweltmanagementsysteme inder Praxis Die aktuellen Statistiken zeigen eine größere Verbreitung der ISO 14001 im VergleichzuEMAS alsGrundlage fürden Aufbau der Umweltmanagementsysteme in Deutschland und Europa. Dies lässt sich primär aufgrund desbreitenräumlichen Geltungsbereichs und der internationalenAkzeptanz,der fehlenden standortbezogenen Prüfung, der geringeren Dokumentations-, Registrierungs- und Veröffentlichungspflicht, und derrelativ geringeren Kosten im Falle vonISO 14001 erklären. Nach aktueller Statistik von „The ISO SurveyofCertifications“waren im Jahr 2011 rund 268 000 Unternehmen und Organisationenin158 Ländernnach international gültiger privatrechtlicher ISO-Norm14001 registriert. China belegt mit 82000 Zertifizierungen Rang 1der ISO-Statistik. Deutschland gehörte mit 6250 Zertifizierungen nach ISO 14001 weltweitzuden 10 Top-Ländern[1]. Im Vergleich zu ISO14001 übernimmt Deutschland bei den EMAS-Zertifizierungen eine klare Vorreiterrolle. Zu Beginn des Jahres 2013 waren über 1200 Unternehmen und Organisationen mit 1840 Standorten nach EMAS registriert [7].Derzeit gibt es europaweitrund 4500 EMAS-registrierte Unternehmen und Organisationen. Insbesondere aufgrund der Kompatibilität der Managementsysteme lassen sich EMAS-Beteiligte auch zusätzlich nach anderen Umwelt- und Qualitätsmanagementsystemen zertifizieren.Sogab die Mehrheit der573 beteiligten EMAS Organisationen bei einer von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt in Auftrag gegebenenUmfrage derEMAS validierten Organisationen inDeutschland an, dass sie zusätzlichzuEMAS auchnachISO 14001 (53 Prozent) und nach dem Qualitätsmanagement ISO 9001 (48 Prozent) zertifiziert sind. Zudem besitzen 11 Prozent noch ein zertifiziertes EnergiemanagementsystemnachISO 50001[8]. Auch die aktuelle Umfrage des Umweltexpertenpanels des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass viele Unternehmen über verschiedene zertifizierte Managementsysteme verfügen.NachAngaben derUmweltexperten gab es bei fast jedem vierten befragten Unternehmen neben einer EMAS- Zertifizierung auchein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001. Auch bei dieser Umfrage wurde der Vorzug der ISO-Norm14001 beim Aufbau von Umweltmanagementsystemen imVergleich zuEMAS deutlich. Nach Aussage der befragten Umweltexperten aus Unternehmen richten zwei Drittel von 107Unternehmen ihre Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001 aus und nur knapp halb so viele nach EMAS. Weitere 9Prozent der Befragten planen die Einführung eines Umweltmanagementsystems nach ISO 14001. Während bei den Befragten eine EMAS-Einführung nur äußerstseltengeplant ist, gaben sogar rund 10 Prozent der Umweltexperten an, dass ihr Unternehmen bereits aus EMAS ausgestiegen ist. Dies bestätigt auch den allgemeinen Trend, der inDeutschland seit einiger Zeit einen Rückgang von EMAS-Zertifizierungen erkennen lässt [3]. Dieser Rückgang istimWesentlichenauf die bevorzugte Einführung der ISO 14001 zurückzuführen. Zudem fehlen häufig langfristige finanzielle Vorteile, und der wirtschaftliche Nutzen istfür die Unternehmen oftmals nur schwer quantifizierbar[8]. Energiemanagementsysteme (EnMS) Mit Blickauf denKlimaschutz und angesichts der hohen Bedeutung der Energieals Produktions- und Kostenfaktor gewinnt dieökonomischeund ökologische Optimierung der energiebezogenen Prozesse und LeistungenimmermehranPraxisrelevanz.Diestrifftvor allemauf ener- 52 UmweltMagazin Juli -August2013

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