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7/8 | 2013

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Energie- und

Energie- und Umweltmanagementsysteme Angaben in Prozent Energiemanagementsystem nach ISO 50001 nicht-zertifiziertes Energiemanagementsystem anderes zertifiziertes Energiemanagementsystem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 Umweltmanagementsystem nach EMAS anderes zertifiziertes Umweltmanagementsystem ja in Planung ausgestiegen nein Grafik: Verbreitung der Energie- und Umweltmanagementsysteme IW-Umweltexpertenpanel 2/2013, Antworten von 107 Umweltexperten aus Unternehmen imApril 2013 2,0 34,1 31,9 34,6 5,6 1,4 67,0 1,3 10,3 35,2 100,0 98,0 61,1 8,5 2,1 53,8 30,8 22,3 Grafik und Tabelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln gieintensive Unternehmen zu. Eine system- und prozessorientierte Verbesserungder energiebezogenen Leistungen verspricht man sich insbesondere durch zertifizierte Energiemanagementsysteme. Diese Managementsysteme solleneine systematische Identifizierung und Erschließung von betrieblichen Energiesparpotenzialen, eine Reduzierung des Energieverbrauchs sowie eine Erhöhung derEnergieeffizienzermöglichen. Sie umfassen diebetriebliche Energiepolitik, Planung,Information, Dokumentation, Organisation, Kontrolle,Messungsowie das interneAudit allerenergierelevantenProzesse und Maßnahmen.Damitsollen sie eine systematischeErfassung derEnergieströme realisierenund alsEntscheidungsgrundlage fürInvestitionenzur Verbesserung derEnergieeffizienzdienen[9] [10]. Alswesentliche Grundlage fürden Aufbau vonEnMSgilt derzeitdie im Juni 2011 veröffentlichte international gültige NormDIN EN ISO50001, dieseit2012die Europäische Norm EN 16001ersetzt,welche im Juli 2009 in Kraft trat. Die ISO50001 ist kompatibel mit weiteren Qualitäts- und Umweltmanagementsystemenund wurdeinsbesonderehinsichtlich ihrer Kompatibilität mit der ISO 14001konzipiert. Allerdingsstellt ein zertifiziertes EnMS nach ISO 50001noch weitere über EMAS und ISO 14001 hinausgehende insbesondere energiebezogene Anforderungen. Ein detaillierter Vergleich der Normen ISO50001, ISO 14001 und der EMAS-Verordnung findet sich in der Publikation des UBA/ BMU [9]. Der Leitfaden zeigt zudem die zusätzlichen Anforderungen für die Einführung einesEnMSnachISO 50001auf, die über ISO14001 und EMAS hinausgehen. Verbreitung der Energiemanagementsysteme inder Praxis Dieaktuelle Umfrage des Umweltexpertenpanels des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt die hohe Praxisrelevanz der normierten und nichtnormierten EnMS. Bei rund zwei Drittel der befragten Unternehmen wurde bereits ein EnMS nach ISO 50001aufgebautodergeplant(sieheGrafik). Zudem gibt es beifast jedem dritten befragten Unternehmen, nach Angaben der Umweltexperten, ein nichtzertifiziertes unternehmensspezifischesEnMS. Diegroße Verbreitung von Energiemanagementsystemen in deutschen Unternehmen und Organisationenwirdnochdeutlicher, wenn man berücksichtigt, dass im April2013nachAngaben des Umweltbundesamtes rund 1390 Unternehmens- und Organisationsstandorte in Deutschland nach ISO 50001 zertifiziert waren. Zu diesem Zeitpunktgab es weltweitlediglich2250 Zertifizierungen [7]. Vordem Hintergrund derenergiepolitischen Rahmenbedingungen ist künftig miteinerweiterenZunahmevon EnMS in Unternehmen und Organisationen zu rechnen. So sieht etwa die Novellierung desEnergiesteuer- und Stromsteuergesetzes eine Weiterführung der Vergünstigung bei der Energie- und Stromsteuer fürstromintensiveUnternehmenab2013 nur dann vor, wenn Industrieunternehmenein Energiemanagementsystemeinführen und somit ihre Energieeffizienz verbessern. Literatur [1] ISO –International Organization for Standardization: ISO Survey 2011, www.iso.org/iso/home/standards/certificati on/iso-survey.htm [Stand: 01.06.2013] [2] Günther, E. (2008): Ökologieorientiertes Management, Um-(weltorientiert) Denken in der BWL, Stuttgart 2008. [3] Mahammadzadeh, M. (2010): Die Chancen von EMAS III. In: UmweltMagazin, 40. Jg. 2010, H. 6, S. 48-49. [4] Engelfried, J.(2011): Nachhaltiges Umweltmanagement, 2.Auflage, München, 2011. [5] Geschäftsstelle des Umweltgutachterausschusses (Hrsg.) (2011): Systematisches Umweltmanagement –Mit EMAS Mehrwert schaffen. Die Unterschiede zwischen EMAS und ISO 14001, Berlin 2011. [6] Geschäftsstelle des Umweltgutachterausschusses (Hrsg.) (2012): Erfüllung der Anforderungen der DIN EN ISO 50001 „Energiemanagementsysteme“ durch EMAS, Berlin 2012. [7] Umweltbundesamt: Umwelt- und Energiemanagement, nachhaltiges Wirtschaften, www.umweltbundesamt-daten-zur-umwelt. de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=2342 [Stand: 01.06.2013] [8] Umweltbundesamt/Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.)(2013): EMAS in Deutschland. Evaluierung 2012, Dessau/Berlin 2013. [9] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit/ Umweltbundesamt (Hrsg.)(2012): Energiemanagementsysteme inder Praxis. ISO 50001: Leitfaden für Unternehmen und Organisationen, Berlin/Dessau 2012. [10] Mahammadzadeh, M; Chrischilles, E. (2011): Energieeffizienz in Europa –Beitrag der Wirtschaft. In: UmweltMagazin, 41 Jg. 2011, H. 6, S. 38–40. Die Stärkung der ökonomischen Anreize, die Reduzierung von bürokratischen Aufwänden, die vereinfachte Berichterstattung und die Vereinfachung vonVerfahren könnendie Bestrebungen der Unternehmen und Organisation bei derEinführung vonfreiwilligen Umweltund Energiemanagementsystemennoch erhöhen. Dr. Mahammad Mahammadzadeh, Laura Geus, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, mahammadzadeh@iwkoeln.de UmweltMagazin Juli -August2013 53

TECHNIK UND MANAGEMENT Recht Derzeit berät der Bundesrat einen Entwurf zur Neufassung der Energieeinsparverordnung. Dessen Ziel ist es, mehr Energieeffizienz imGebäudesektor zu erreichen. Der Entwurf sieht unter anderem deutlich strengere Energievorschriften für Neubauten und neue Pflichten für Vermieter vor. Der Artikel verschafft einen Überblick zu den Neuerungen und erläutert die Hintergründe der Verordnungsänderung. Bild: Gabi Schoenemann/Pixelio Strengere Vorgaben durch die neue Energieeinsparverordnung Jochen Kuck Wohn- und Nichtwohngebäude sindfür rund 35 Prozentdes Endenergieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Die derzeit noch gültige und seit 2009 geltende Fassung der Energieeinsparverordnung (EnEV) regelt die energetischen Anforderungen an Neubauten. Sie bezog erstmals die Heizungsanlagenverordnung mit ein und kam damit der Forderung vieler Fachleute nach, Gebäude energetisch als eine Einheit zu behandeln. Ab Anfang2014soll sie durcheine neue EnEV ersetzt werden. Der vorliegende Änderungsentwurf derBundesregierung enthält nun zum Teil Vorgaben, die auf Grundlage des bisher geltenden Energieeinspargesetzes (EnEG) nicht erlassen werden konnten. Nachdem der Bundestag einer Änderung des EnEG am 15. Mai 2013 zugestimmt hat, ist jetztder Wegfür eine neue EnEV frei. Hintergrund der Änderungen Hintergrund für die Überarbeitung desEnEG und derEnEV istdie EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Richtlinie 2010/31/EU) ausdem Jahr 2010,deren Vorgaben zum Teil schon bis Anfang 2013 in Deutschland hätten umgesetzt worden sein müssen. BeieinerweiterenVerzögerung des Gesetzgebungsprozesses droht somit gegebenenfalls ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission. Die Richtlinie ist Teil des im Dezember 2008 verabschiedeten Richtlinien- und Zielpakets für Klimaschutz und Energie der EU, welches ambitionierte Zielvorgaben bis2020enthält. Neben derReduzierung von Treibhausgasen und der Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien bei der Energieerzeugung will die EU denVerbrauchanPrimärenergie in Europa bis 2020 um20Prozent senken. Dafür hat die Kommission verschiedene Maßnahmen für mehr Energieeffizienz vorgeschlagen, die sowohl die Erzeugung als auch die Umwandlung, die Verteilung sowie den Endverbrauchbetreffen.Bei Letzteremsetzt die EnEV an. Zweck der EnEV Unabhängig von den Vorgaben und Zielen derEUhat sichauchdie Bundesregierung in ihrem Energiekonzept sowie in den Beschlüssen zur Energiewende aus demJahr 2011 zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich verpflichtet, die sie mit dem Entwurf der neuen EnEV erreichen will. Dieser soll dazu beitragen, biszum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand in derBundesrepublik zu erzielen. Die Verordnung stellt dabei nur eines unter mehreren Instrumenten dar. Daneben sollen eine Modernisierungsoffensive für Gebäude, Anreize durch Förderpolitik und ein Sanierungsfahrplan zumZielführen. Energieausweis Auch die derzeit noch gültige EnEV sieht zwar bereits Energieausweise vor, 54 UmweltMagazin Juli -August2013

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