Aufrufe
vor 4 Jahren

7/8 | 2014

  • Text
  • Umweltmagazin
  • Juli
  • Technik
  • Unternehmen
  • Millionen
  • Deutschland
  • Tonnen
  • Anlagen
  • Energie
  • Zudem

TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Energie/Erneuerbare Energien Interview „Der Regionalansatz bietet uns viele Vorteile.“ Der Anteil von thermisch genutztem Holz hat im Jahr 2012 erstmals den der Holzverarbeitung inDeutschland überstiegen –ein Indiz für die immer wichtiger werdende Rolle von Holzpellets im Wärmemarkt. Energiespezialist juwi aus Wörrstadt setzt bei der Herstellung seiner Holzpellets streng auf einen regionalen Ansatz. Der Rohstoff stammt aus dem direkten Umfeld der Holzpelletieranlagen des Unternehmens. Welche Vorteile das gegenüber importierter Ware hat und weshalb die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet bleibt, erläutert Robert Stoffers, Geschäftsführer der juwi Energielösungen GmbH im Gespräch mit dem UmweltMagazin. UmweltMagazin: Herr Stoffers, juwi setzt bei seinen Holzpelletieranlagen auf Rohstoffe, die aus dem näheren Umkreis stammen. Was macht diesen regionalen Ansatz für Sie so interessant? Stoffers: Der Ansatz „Aus der Region – für die Region“ bringt uns gleich drei entscheidende Vorteile: Zuallererst entspricht er dem Grundsatz der Nachhaltigkeit, dem sich juwi inseiner gesamten Unternehmensphilosophie verpflichtet sieht. Die Energiebilanz regional hergestellter Pellets ist deutlich günstiger als die von im Ausland produzierter oder gar aus Übersee importierter Ware. Hinzu kommt ein Vorteil bei unseren Beschaffungskosten. Je kürzer die Strecken sind, die unsere Rohstoffe –also Sägemehl, Sägespäne, Holzhackschnitzel oder Waldrestholz –zurücklegen müssen, desto günstiger sind sie in der Regel. Last but not least bietet uns der Regionalansatz auch einen Wettbewerbsvorteil, weil wir näher amKunden sind und ganz anders auftreten können als Unternehmen, die ihre Produkte aus dem Ausland importieren. UmweltMagazin: Wie wirkt sich das auf den Preis regional hergestellter Holzpellets aus? Stoffers: Der Preis kann durchaus über dem von importierter Ware liegen. Im Ausland sind die Rohstoffe unter Umständen billiger und damit, trotz höherer Transportkosten, auch das Endprodukt. Unsere Kunden aber honorieren den regionalen, nachhaltigen Ansatz und sind bereit mehr zu bezahlen. UmweltMagazin: Wie viele Standorte zur Pelletherstellung unterhält juwi in Deutschland? Werden Sie das Netz ausbauen? Stoffers: Wir produzieren anvier Standorten in Deutschland rund 136 000 Tonnen Holzpellets pro Jahr. Und das bei einer Auslastung von gut 75 Prozent. Un- Robert Stoffers, Geschäftsführer, juwi Energielösungen GmbH, Wörrstadt sere Holzpelletieranlagen liegen in Langelsheim (Niedersachsen), Bad Arolsen (Hessen), Morbach (Rheinland-Pfalz) und Dotternhausen (Baden Württemberg). Weitere Standorte planen wir derzeit nicht. Grund hierfür sind die Überkapazitäten im deutschen Markt. UmweltMagazin: Einige Produzenten sehen den Wettbewerb umdie Pellet- Rohstoffe zunehmend härter werden. Wie gesichert ist der regionale Nachschub an Rohstoffen für die Holzpelletieranlagen von juwi auf Dauer? Stoffers: Wir gehen von einer bleibenden Versorgungssicherheit im Bereich der Rohstoffe aus. Das hängt damit zusam- 38 UmweltMagazin Juli -August2014

Bilder (Porträt, 1-2): juwi Bilder (3-4): Rainer Weisflog Bild (5, Logo): EnergieAgentur.NRW men, wie sich die Holz verarbeitende Industrie entwickelt. Aktuell ist der Anteil der energetischen Nutzung höher als der der Holzverarbeitung. Trotz hoher Steigerungsraten von derzeit gut 16 Prozent pro Jahr gibt esaber hierzulande genug Rohstoffe. Die Nachfrage nach Pellets wird also immer befriedigt werden können. UmweltMagazin: Sie haben bereits die Konkurrenz angesprochen, die auf Holzpelletimporte setzt, und die das Überangebot auf dem deutschen Markt verschärft. Wie werden sich die Preise für Holzpellets aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren entwickeln? Stoffers: Der Großteil der Importware wird im Kraftwerksbereich eingesetzt. Hier sind die Anforderungen andie Qualität nicht sohoch und hier hat die Importware einen Preisvorteil. Grund ist, dass der Rohstoff in Nordamerika oder Osteuropa günstiger eingekauft werden kann. In Nordamerika trägt im Wesentlichen der hohe Waldbestand dazu bei. In Osteuropa kommt hinzu, dass die forstwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weniger restriktiv sind als etwa inDeutschland. Soist der Rohstoff in Deutschland nicht zuletzt auch daher teurer, weil hierzulande eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben wird. Was die Entwicklung der Pelletpreise insgesamt angeht, so ist sie sehr schwer einzuschätzen. Dafür hängt sie einfach von zu vielen Parametern ab. Ein Anziehen der Konjunktur in Nordamerika verbunden mit einem verstärkten Hausbau würde zwangsläufig zu höheren Rohstoffpreisen führen. Es käme zueiner Konkurrenz zwischen energetischer Nutzung und Holzverarbeitung. Und das kann zu steigenden Preisen bei Importware führen. In Deutschland hatten wir zuletzt witterungsbedingt, also durch den milden Winter, rückläufige Rohstoffpreise. Das hat auch die heimisch produzierten Pellets günstiger gemacht. Langfristig sehe ich die Pelletpreise stabil. Und damit werden sie ihren Preisvorteil gegenüber Öl und Gas behalten. UmweltMagazin: Wird sich die Branche vor dem Hintergrund zunehmender Holzpelletimporte einer Nachhaltigkeitsdiskussion stellen müssen? Stoffers: Das ist schwierig. Der Markt wird natürlich von verschiedenen Interessenslagen bestimmt. Eine durch Pellets gewonnene Kilowattstunde Energie ist im Vergleich zuÖlund Gas umgut 30 Prozent günstiger. Dieser Kostenvorteil ist sicherlich das wichtigste Argument der Kun- DieKampagne „AktionHolzpellets“ den –egal ob Privat- oder Industriekunde –bei der Entscheidung für Holzpellets. Aber der Nachhaltigkeitsgedanke, den wir mit unserem Regionalprinzip unterstreichen, rückt für viele Kunden immer mehr in den Fokus. Ebenso die Unabhängigkeit von Importen. Importware weist etwa oft einen höheren Staubanteil auf. Der Kunde kann also zwischen den verschiedenen Modellen wählen. Macht er Abstriche bei der Qualität und setzt auf importierte Ware oder verfolgt ereine nachhaltige Überzeugung? Der Wettbewerb in Deutschland ist jedenfalls lebendig und positiv für den Verbraucher. UmweltMagazin: Herr Stoffers, vielen Dank für das Gespräch. Holzpellets spielen als nachwachsender und regionaler Energieträger im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen um die Folgen des Klimawandels und eine sichere Energieversorgung eine besondere Rolle. Inganz Deutschland und auch in Nordrhein- Westfalen erleben Holzpelletheizungen seit einigen Jahren einen wahren Boom. Mittlerweile sind etwa 210 000 Pelletheizungen mit einem Leistungsbereich bis 100 kW bundesweit installiert, davon 25 000 in NRW. Die EnergieAgentur.NRW hat 2003 im Auftrag des Umweltministeriums NRW die landesweite Kampagne „Aktion Holzpellets“ ins Leben gerufen. Die erfolgreiche Kampagne nach dem Prinzip des Public Private Partnership wird von über 100 Unternehmen der Pelletbranche, unter anderem auch von juwi, unterstützt. Für die Partnerbetriebe hat die Aktion eine hohe Signalwirkung, da sie Kompetenzen vernetzt und Synergieeffekte nutzt. Ziel der Kampagne ist es unter anderem, über das Heizen mit Holzpellets zu informieren, und das Vertrauen inden jungen Markt zufestigen. Seit Beginn hat sich die Zahl der Holzpelletheizungen in NRW mehr als verzehnfacht. Die „Aktion Holzpellets“ ist ein bundesweit einmaliges Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Herstellern, Handel, Handwerk und öffentlicher Verwaltung im Bereich der Erneuerbaren Energien. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.aktion-holzpellets.de. UmweltMagazin Juli -August2014 39

Ausgabenübersicht