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7/8 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Energie/Erneuerbare Energien Beispiel für Eigenversorgung: Auf dem Dach der Bayerischen Staatskanzlei erzeugen seit Mai 2013 Solarmodule rechnerisch 70 Megawattstunden Strom pro Jahr. Photovoltaik für Kommunen undStadtwerke Die sinkende Einspeisevergütung hat das Geschäftsmodell der Photovoltaik auf neue Beine gestellt: Im Vordergrund steht nun nicht mehr eine möglichst hohe Rendite, sondern eine sichere Eigenversorgung mit Strom. Gerade kommunale Energieprojekte erfordern jetzt mehr denn je eine fundierte Planung. Ulrich Mamat Für Kommunen ist die Photovoltaik (PV) eine attraktiveLösung zurEnergieversorgung –auchbei sinkendenFördersätzen. Nachdem die Kosten für PV-Systeme in denvergangenenJahren deutlich gesunken sind, bleibt die Photovoltaik eine interessante Option für eine wirtschaftliche und zuverlässige Energieversorgung. Zudem sind Stadtwerkeinder Regeldaran interessiert,zumindest einen Teil ihres Stroms aus Erneuerbaren Energienzugenerieren, um ihren Kunden ein nachhaltiges und attraktives Angebot unterbreiten zukönnen. Die Perspektiven der Solarstromerzeugung inStädten und Gemeinden hängen jedoch unter anderem von der anstehendenEEG-Novelle ab. Generellgilt:Die oftkomplexen bürokratischen Prozesse bei kommunalen Energieprojekten machen eine fundierte Planung erforderlich. Dieser Beitrag liefert Hinweise, worauf zu achten ist. Organisations- und Finanzierungsmodell An erster Stelle für die Kommunen steht eine Bestandsaufnahme darüber, welche Dächer sich grundsätzlich für eine PV-Anlage eignen. DasErgebnis der Analysen sollte in einSolarkataster einfließen, das die Potenziale in Stadt und Regionfür Photovoltaik-und solarthermische Anlagenaufzeigt. Grundsätzlich bietet sich für Finanzierung und Betrieb von Solaranlagen auf kommunalen Dächern das Investoren-Modell oder alternativ das der Bürgerbeteiligung an. In ersten Fall regelt ein Dachnutzungsvertrag Konditionen wie Mietdauer und Haftung sowie versicherungsrechtliche Fragen. Für Dachpachtverträgefinden sichaufgrund des starken Rückgangs der Einspeisevergütungen jedoch kaum noch Interessenten. Eine ganze Reihe von Städten und Gemeindenhat stattdessen Bürgergemeinschaften zur Realisierung von Solarprojekten kostenfrei Dachflächen zur Verfügung gestellt. Dasschafftnicht nur Identifikation mit demProjekt, sondern –dank der aktiven Einbeziehung der Bürger –auch mit der Kommune. Zudem erhalten auf diese Weise mehr Akteure die Möglichkeit –wenn auch mit begrenzten Mitteln –selbst inErneuerbareEnergienzuinvestieren. Die Eignung von Dächern Ist ein konkreter Standort gefunden, sollten die Verantwortlichen zunächst prüfen,obdie Solaranlageinihrem Umfeld störend wirkt, um Konflikte mit den Anwohnern zu vermeiden. Dann geht es in die Details: Da einSolarkataster die Kriterien für die Eignung eines Dachs zur Installation einer Solaranlage nicht vollständig erfasst, sollten weitere Gutachteneingeholt werden.Hierein Überblickzuden wichtigstenKriterien. 7 Eine Photovoltaikanlage sollte mindestens 20Jahre inBetrieb sein –demnach sollte auch das Gebäude mindestens noch solange existieren und der Kommune zurVerfügung stehen. 40 UmweltMagazin Juli -August2014

PV-Projekte können für Kommunen einen Imagegewinn bedeuten. remerlauben sie eine Belegung mit Modulenauchder Teile desDaches, die beispielsweise morgens und abends verschattet sind. Brandschutz Ein wichtiges Kriterium bei der Etablierung von PV-Anlagen im kommunalen Bereich ist ein guter Brandschutz – denn es gilt speziell Schulen und Büros so sicher zu machen wie möglich. Trinasmart ermöglicht eine Anlagenüberwachung und -abschaltung auf Modulebene. Im Fall eines Defekts schaltet das System die betroffenen Module oder bei Bedarf auch die gesamte Anlage automatisch ab. Damit entspricht Trinasmart der neuen VDE-Richtlinie AR-E-2100–712,die eine Abschaltmöglichkeit von PV-Anlagen verpflichtend vorschreibt und damit speziell imBrandfall für mehr Schutz sorgen soll. Trinasmart bietet zudem Schutz vorLichtbögen in derAnschlussdose, die erhebliche Schäden hervorrufenkönnen. Unterdem Strich ermöglicht diese Technologie Kommunendie Erschließung neuerDachflächenfür die Photovoltaik, die ansonsten aufgrund von Sicherheitsbedenken eventuell aus demRastergefallenwären. Speicher –jaoder nein? Speicher sind derzeit noch relativ teuer, aber in der nächsten Zeit ist mit interessanten technologischen Innovationenzurechnen. Zudem hat die Bundesregierung im Jahr 2013 ein Förderprogramm für Speicher aufgelegt. Für den Eigenverbrauch von Solarstrom ist einSpeicherbereits heute einMuss. Beim Screening der Anbieter spielen Sicherheit sowie Belastbarkeit der An- 7 Solaranlagen für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, bedürfen einer Genehmigung durch die zuständige Denkmalschutzbehörde, da sie das Erscheinungsbild der Gebäude verändern. Das gilt auch für Anlagen auf Gebäuden im direkten Umfeld, wenn diese den Gesamteindruck beeinflussen. 7 Ist die Solaranlage einmal installiert und es steht eine Renovierung des Daches an, muss die Anlage abgebaut werden, waszuErtragsausfällen führt. Deshalb sollten die ausgewählten Dachflächen in einem guten Zustand und am bestenfrischsaniert sein. 7 Wo liegt der nächste Einspeisepunkt für die Solaranlage? Wenn die Kabeltrasse durch mehrere Grundstücke verläuft, erhöht diesden Abstimmungsaufwand. 7 Der nächste Winterkommt bestimmt –die Dachkonstruktion muss also der Anlageund entsprechendenSchneelastenstandhalten. 7 Der Anlagenpreis pro Watt sinkt, je größer die Anlage ist –das macht größereAnlagen attraktiver. 7 Eine geeignete Dachausrichtung richtet sich nach verschiedenen Faktoren; unteranderemdanach, ob derSolarstromins Netz eingespeistoderselbst verbraucht wird, und wie der Verbrauch im Tagesverlauf aussieht. Hintergrund: Bei einer Ausrichtung gen Süden wird die Mittagssonne besonders intensiv eingefangen. Sollte also zudieser Zeit der eigene Strombedarf eher niedrig sein und eine Netzeinspeisung angestrebt werden,empfiehltsichdiese Variante.Bei derOst-West-Ausrichtung werdendie Solarmodule nicht nachSüden, sondern nach Osten und nach Westen ausgerichtet. Das ermöglicht eine bessere Nutzung der Sonnenenergie über den Taghinweg–günstig fürden Eigenverbrauch. 7 Verschattungen der Anlage reduzieren Ertrag und Wirtschaftlichkeit. Innovative Systeme wie Trinasmart des Herstellers Trina Solar mit integrierter Systemüberwachung und Leistungsoptimierung können diese Effekte jedoch teilweise durch Steuerung einzelner Module wieder aufheben. Denn sie ermöglicheneine flexiblere Anordnung der Module auf dem Dach. Unter andelage und Ertrag eine Rolle.Und hiergibt es Unterschiede: Sosind beispielsweise die Honey-Module von Trina Solar aufgrund ihrer neuenZellstruktur sehr leistungsfähig. Zudem weisen die Module ein besonders gutes Schwachlichtverhaltenanbewölkten Tagenauf. Staatliche Förderung Bund, Länder und einzelne Kommunen fördern PV-Projekte über spezielle Programme zum Klimaschutz. Eine Übersicht über die zur Verfügung stehendenFördertöpfe bietet das Portal „Kommunal erneuerbar“ unter www.kommunal-erneuerbar.de. Außerdem kann sich ein Blick indie Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums unter der Adresse www.foerderdatenbank.de lohnen. Fazit Die Vorteile kommunaler Solarprojekte liegen auf der Hand: Neben dem Beitrag zum Umweltschutz sind dies eine stärkere Unabhängigkeit gegenüber steigenden Preisen für konventionelle Energien, lokale Wertschöpfung sowie zusätzliche Einnahmen für die Gemeinde,das lokale Stadtwerkund, im Fall einer Energiegenossenschaft, auch für die Bürger. Daneben profitiert die Kommune vom Imagegewinn –nach innenund außen. PV-Projekte rufenerfahrungsgemäß die geringsten Konflikte hervor, die Technik ist unkompliziertund derAufwand für Wartung und Reparaturgering. Ulrich Mamat, Trina Solar Deutschland, Aschheim, ulrich.mamat@trinasolar.com Bilder (2): Solarinitiative Bayern UmweltMagazin Juli -August2014 41

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