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7/8 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Abfall/Recycling Einer der beiden großen Materialströme in der ungarischen Aufbereitungsanlage sind Elektrogeräte mit einer Kantenlänge von bis zu 1Meter. Wegweisende E-Schrott- und Kühlgeräte-Recyclinganlage Im Frühjahr dieses Jahres ging in der ungarischen Stadt Karcag eine Aufbereitungsanlage für E-Schrott und Kühlgeräte in Betrieb. Das größte Elektronikschrott-Recyclingzentrum des Landes entspricht modernsten europäischen Standards. Marius Hörrmann Esist einrichtungsweisendesProjekt für Ungarn. Gerade der landwirtschaftlich geprägte Osten des mitteleuropäischen Binnenstaats wurde durch die Errichtung des modernen Elektronikschrott-Recyclingzentrums deutlichaufgewertet.Die Anlage istder Auftakt für denneu entstehendenÖkoparkKarcag. Für das Jahr 2015 istlandesweit eine Reform derBestimmungenzur Abfallbehandlung und -sammlung geplant. DieStadt erwartet daher, dass der Ökopark innerhalb kürzester Zeit stark wachsen und es zu weiteren Unternehmensansiedlungen kommen wird. Insgesamt könnten so zwischen 400 und 500 direkte und indirekte Arbeitsplätze in derRegion entstehen. Die kombinierte Recyclinganlage in Karcag istdarauf ausgelegt, etwa 20 000 Tonnen Elektroschrott sowie über 150000 Kühlgeräte pro Jahr nach modernsten europäischen Umweltstandards aufzubereiten. Dabei bietet die Anlage denBetreibernhohe Flexibilität, da je nach Anwendungsfall zwischen vier Betriebsmodi gewählt werden kann: Kühlgeräte-Recycling sowie E-Schrott-Recycling in drei verschiedenenKonfigurationsmöglichkeiten. Verarbeitung von ausgedienten Kühlgeräten Diemit Umweltpreisenausgezeichneten Aufbereitungsanlagen für Kühlgeräte des Herstellers Andritz MeWa gewinnen umweltschädliche Treibhausgase zu deutlichüber 90 Prozent zurück. Der Vorteil: Auch moderne Kühlgeräte, deren Isolierstoffe mit hochexplosivem Pentangas aufgeschäumt sind, können in der Anlage ohne Brandrisiko gleichzeitig mit FCKW-Geräten verarbeitet werden.Der Materialinput setztsichaus Standard-Haushaltsgeräten, Kühl-Gefrierkombinationen und Industriegeräten biszueinervordefinierten maximalen Größe zusammen. Zunächst werden die Kühlkreisläufe der Altgeräte evakuiert. Das darin befindliche Öl-Kältemittel-Gemisch wird abgesaugt und einer Kältemittelrückgewinnungsanlage zugeführt. Sie ist in der Lage, Kältemittel wie Iso-Propan und Iso-Butan zurückzugewinnen und in einem Druckbehälter zu sammeln. Die entleerten Kompressoren werden dann mithilfe von Hydraulikscheren entfernt und getrennt gesammelt. Schlüsselmaschine Querstromzerspaner Anschließend führt ein robustes Steigbanddie Geräte demHerzstückder Anlagezu: dem QuerstromzerspanerQZ 2000. Jenach Größe der Geräte kann der Querstromzerspaner vier bis sechs Geräte gleichzeitig verarbeiten. Ab hier beginnt das vollständig geschlosseneSystem. DieinerteStickstoff- 44 UmweltMagazin Juli -August2014

Bilder (3): Andritz Mewa Die Recyclinganlage hat eine jährliche Kapazität von rund 20 000 Tonnen Elektroschrott und über 150 000 Kühlgeräten. Das Absaugen des Öl-Kältemittel-Gemischs und die Demontage der leeren Kompressoren ist Handarbeit. atmosphäre sorgt dafür, dass der gesamte Prozess sicher abläuft und das FCKW aus dem Polyurethan-Dämmstoff der Ummantelung aufgefangen wird. Die QZ-Technologie ist für mehrere Arbeitsgänge gleichzeitig zuständig. Sie trennt zusammenhängende Teile unterschiedlicher Beschaffenheit voneinander, wie zum Beispiel Metalle und Kunststoffe, und pulverisiert den enthaltenenPU-Schaum. Aufgrund der entstehenden Wärme wird das im PU-Schaum gebundene Treibmittel, beispielsweise FCKW oder Pentan, freigesetztund abgesaugt. Der QZ nutzt die physikalischen Kräfte der energetischen Aufprallenergie und sorgt so füreinenschnellenund effizienten Materialaufschluss bei niedrigem Verschleiß. Materialverbunde zerlegen sich durch gegenseitiges Aufeinanderprallen von selbst. Übrig bleiben wertstoffhaltige Fraktionen, wie zum Beispiel Aluminium, Kupfer, Eisen und Kunststoffe, die separiert und verkaufsfertig bereitgestellt werden. Technische Neuerungen Die Recyclinganlage orientiert sich zwar an den vielen europäischen Referenzanlagen vonAndritz MeWa–trotzdem gehen die Betreiber in Karcag ein paar Schritte weiter. Der Einsatz eines zusätzlichen Schwerteileauslesers erhöht die Reinheit der oft problematischen, weil unreinenKunststofffraktion deutlich, da Schwerteile wie Edelstahl sowie Restevon Kupfer undAluminium aus dieser separiert und getrennt abgefüllt werden. Neu ist auch die Ausführung der PU-Mehl-Nachbehandlung. Die Matrixentgasung istnicht nur platzsparender übereinander gebaut, sie bricht die molekulare Struktur des Polyurethans zudemnochwirkungsvoller auf. Beider Matrixentgasung wirddem Polyurethanmehl im Entgasungsbehälter über ein spezielles Regelschema und vordefinierten Zeiten Wärme zugeführt, umdie an der molekularen Zellstruktur anhaftenden FCKW auszudampfen. Diese werden schließlich durchdas Inertgas gebundenund abgesaugt. Der Prozess verzichtet bewusst auf Pressvorgänge, umzuhohe Temperaturenund damit Zersetzungsprodukte des FCKWs beziehungsweise eine Brandgefährdung zu vermeiden und einen nahezu verschleißfreien Prozess zu gewährleisten. Eine Lösemittelrückgewinnungsanlage entzieht schließlich dem Rohgasstromwiederseine anhaftenden FCKW-Teilchen und füllt sie in separat bereitgestellte Druckbehälter ab. Der Rest-FCKW-Gehalt im PUR-Mehl kann somit auf unter0,2 Gewichtsprozentreduziert werden,was denaktuellen europäischen Richtlinien und Bestimmungen sowie Verordnungen zur Aufbereitung vonElektro- und Elektronik-Altgeräten, im speziellen Kühlgeräten, entspricht. Verarbeitung von Elektround Elektronikschrott Den zweitengroßenMaterialstrom in der ungarischen Aufbereitungsanlage stellen kleine und große Elektrogeräte bis zueiner Größe von 1x1x1m, wie zum Beispiel Computer, Drucker, Kopiermaschinen, Waschmaschinen und Haushaltsgeräte, dar. Bei der Verarbeitung dieses Materialstroms hat der Betreiber mehrere Möglichkeiten. Üblicherweise wird das Material gleich der Kühlgeräte-Linie über den QuerstromzerspanerQZ2000 gefahren.Ein E-Magnet trennt dessen Austrag inzwei Sortierlinien: Eisen und Nichteisen. Bis zu elfPersonensortieren anschließend die werthaltigen Materialien. Die Restfraktion der Nichteisen-Sortierlinie kann bei Bedarf separat über die Granulierlinie geführtwerden. Je nachEingangsmaterial kann es aber durchaus auch sinnvoll sein, auf die QZ-Linie zu verzichten, und das Material nur über die Granulierline fahren zu lassen. Schlüsselmaschine isthierder Granulator UG 1000 MSL, der nach dem Schlagscherenprinzip arbeitet. Über drehende Messerblöckewerdendie Materialien anfeststehenden Messern abgeschert. Das unterseitig montierte Granuliersieb bestimmt durch variable Lochgrößen die Output-Körnungensowie die jeweiligen Durchsatzleistungen. Die Maschine ist an die Kühlgeräte- Linie angedockt. Der Granulator granuliert das E-Schrott-Material entsprechend der gewählten Siebgröße und nutzt anschließend Anlagenequipment aus der Kühlgerätelinie, wie zum Beispiel die Fe-NE-Separierungund die Entstaubungstechnik. Auch istesmöglich, zwei Linienparallelzufahren.Durch eine entsprechende Planung des simultanen Betriebs der E-Schrott-QZ-Linie und derGranulierlinie kann die gesamte Anlage sehr gut ausgelastetwerden. Marius Hörrmann, Andritz Mewa GmbH, Gechingen, marius.hoerrmann@andritz.com UmweltMagazin Juli -August2014 45

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