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7/8 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Abfall/Recycling Bild: Helmuth Ziegler Nach der Abfallverbrennung Lohnende Reststoffe der Abfallverbrennung? Sind Schlacken, Aschen und Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen und Ersatzbrennstoffkraftwerken nur Kostenfaktoren oder können die Betreiber sie zumindest teilweise gewinnbringend vermarkten? Dies ist eine der Fragen, denen eine aktuelle Marktstudie nachgeht. Dirk Briese, Jens Gatena und Anna Esper Das Marktforschungsinstitut trend:research hat in einer aktuellen Studie untersucht, ob sich vor dem Hintergrund steigender Sekundärrohstoffpreise die Aufbereitung von Schlacken undAschensowie die Konditionierung von Filterstäuben aus der Rauchgasreinigung von Müllverbrennungsanlagen (MVA) und Ersatzbrennstoffkraftwerken(EBS-KW)rechnet. Dazu erfassten die Analysten zunächst den Anlagenbestand. Demnach gibt es in Deutschland aktuell 68 MVA mit einer genehmigten Kapazität von rund 20,1 Millionen Tonnen pro Jahr. Hinzukommen 37EBS-KW mit einer jährlichen Kapazität von rund 5,7 Millionen Tonnen. Die Errichtung neuer Anlagen istderzeitnicht geplant. Aufkommen an Schlacken Der größte Anteil der Schlacken entsteht inder thermischen Behandlung vonAbfällen. 83 Prozentder Schlacken und Aschen fallen hier an. Auf 1000 Tonnen Abfall kommen bei MVA rund 200 bis 300 kg Schlacke. Dies ergibt auf Grundlage der Inputmengen in Deutschland ein Gesamtaufkommen vonrund 5,1MillionenTonnen aus der Abfallverbrennung in MVA pro Jahr (Annahme: 260 kg Schlacke je 1000 Tonnen Input). Grafik 1 verdeutlicht das Verhältnisvon Inputmenge in MVA, EBS-KW und Biomassekraftwerken zur Outputmenge an Schlacken. Beim Abfallaufkommengehen die im Rahmen der Studie befragten Experten vonkeinengroßenVeränderungen aus: Zwar nimmteinerseits die Bevölkerung ab,andererseits steigt jedochdie Anzahl der Ein-Personen-Haushalte mit größerem Abfallmengen als Mehr-Personen- Haushalten. Die Inputmenge ändert sichfolglichinden kommendenJahren nur geringfügig, mit sinkender Tendenz. Verwertung von Schlacken Insgesamt wurden im Jahr 2011 87 Prozent der Schlacken, folglich 5,8 Millionen Tonnen, verwertet –vorzugsweise im Deponie-und Straßenbau. Lediglich 12Prozent wurden beseitigt. DieVerwertungsquote der nicht gefährlichen Schlackenlag in denJahren 2007 bis 2011 zwischen 87 und 92 Prozent und betrug in 2011 89 Prozent. Für Schlacken, die gefährliche Stoffe enthalten, lag die Verwertungsquote im gleichen Zeitraum deutlich niedriger zwischen46und 64 Prozent und betrug in 2011 51 Prozent. Aufkommen Filterstäube NebenSchlackenfallenbei derAbfallverbrennung Filterstäube aus der Rauchgasreinigung als großer Massenstrom an. Sie stellen mit Abstand den größten Stoffstrom aus der Abgasreinigung dar, wobei Filterstäube und Reaktionsprodukte aus der chemischen Rauchgasreinigung häufig auch in Kombination anfallen. DieZusammensetzung kann in Abhängigkeit von der Feuerungsführung und der Technik der Rauchgasreinigung erheblichvariieren. Bei der thermischen Behandlung von Abfällen beträgt der Anteil der Filterstäube, die gefährliche Stoffe enthalten, knapp 98 Prozent. Beider energetischen Verwertung von Abfällen hat diese Gruppemit etwa 81 Prozent einenniedrigerenAnteil. Filteraschen als Bergversatz Auch Filteraschen werden überwiegend weiterverwertet –fast vollständig als Bergversatz.Der Untertageversatz ist 46 UmweltMagazin Juli -August2014

als Verwertung anerkannt. Weitere Möglichkeiteneinerstofflichen Verwertung, wie zum Beispiel die Rückgewinnung vonMetallenund SeltenenErden, lassen sich derzeit noch nicht wirtschaftlichrealisieren,werdenaber nach Angaben der befragten Marktexperten in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Kosten und Erlöse Wiezuvor erläutert, istvor der Weiterverwendung von Schlacken zunächst eine Aufbereitung erforderlich. Die meisten Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen führen die konventionelle Aufbereitung, in der Regel eine Kombination vontrockenen Verfahren, wie Sortierung, Siebung, Zerkleinerung und Magnetabscheidung, durch oder geben diese bei Dienstleistern in Auftrag. Immer häufiger werden per Wirbelstromabscheidung auch NE-Metalle separiert. Aus den Schlacken von 1Tonne Abfallinput lassen sich etwa 10 bis 30Kilogramm Eisenschrott und bis zu5Kilogramm Nichteisenmetallschrott gewinnen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Abtrennung vonNE-Metallengehen die Marktexperten von einer steigenden Preisentwicklung für die Aufbereitung aus. Für die Verwertung aufbereiteter SchlackenimStraßen- und Deponiebau können Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen Erlöse bis zu4Euro je Tonne Abfallinput erzielen. Jedochgibt es Bundesländer – wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen –, die der Verwertung von Schlacken imStraßenbau nur eine geringe Akzeptanz gewähren. Hier werden Naturbaustoffe präferiert, sodass fürdie SchlackenunterUmständen weite Transportstrecken zurückzulegen sind. Dabei muss beachtetwerden, dass Transportkosten, nach Angaben der in der Studie befragten Marktexperten, einen entscheidenden Kostenfaktor darstellen und potenziell erzielbare Erlöse stark minimieren. Schlacken werden dahereherregional verarbeitet. Aus Abfallverbrennungsschlacken konnten im Jahr 2011 rund 450 000 Tonnen Fe-Metalle und etwa 44 000 Tonnen NE-Metalle aussortiert und somitwiederinden Stoffkreislauf zurückgeführt werden.Die aus derSchlacke abgetrennten Metalle können als Produkte mit einemErlös von3bis6Euro je Tonne Abfallinput verkauftwerden. Die Preise sindjedochsehrvariabel.NE-Metalle können einen Preis von bis zu Grafik 1: In- und Output der Abfallverbrennungsanlagen in Deutschland, Zeitreihe 2007 bis 2011; Quelle: Hochrechnung trend:research, 2014 nach Daten des Statistischen Bundesamtes, 2013 Grafik 2: Stoffströme von Rost- und Kesselaschen sowie Schlacken aus der thermischen Behandlung und energetischen Verwertung von Abfällen 2011 (910112: Rost- und Kesselaschen sowie Schlacken, 910111*: Rost- und Kesselaschen sowie Schlacken, die gefährliche Stoffe enthalten); Quelle: Statistisches Bundesamt, 2013 1200 Euro je Tonne erzielen.Allerdings ist hier das Volumen, das der Schlacke an solchen Metallen entzogen werden kann, wesentlich geringer. Für die Abnahme von unaufbereitetenSchlackenentstehenBetreibernvon Abfallverbrennungsanlagen aktuell Kosten im einstelligen Euro-Preis je Tonne Abfallinput, bei der Beseitigung durch Ablagerung auf Deponien fallen zusätzliche Kosten von 1bis 2Euro je Tonne Abfallinput an. Ausblick Nach Aussagen der befragten Marktexpertenliegt derTrend fürdie Aufbereitung von Schlacken inder Vergabe an spezialisierte Dienstleister. Aufgrund ausreichend vorhandener Kapazitäten und eines umfangreichen Know-hows derAufbereitungsdienstleisterlohnt sich eine Investition in eigene Aufbereitungsanlagentechnik fürBetreiber vonAbfallverbrennungsanlagen derzeit nicht. Für Betreiber von Anlagen zur Schlackeaufbereitung wird neben der Separierung von Fe-Metallen zunehmend auch die Abscheidung von NE-Metallen wirtschaftlicher, jedoch sind zunächst Investitionen in neue Anlagentechnik notwendig. Die zurückgewonnen Metalle können zunehmend mit Gewinn verkauftwerden. Dabei sinddie Erträge stark von den Weltmarktpreisen und derQualitätder Metalle abhängig. Die Rückgewinnung von Metallen und Seltenen Erden aus Filterstäuben lassen sich derzeit noch nicht wirtschaftlichrealisieren,werdenaber nach Angaben der Marktkenner in den nächstenJahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dirk Briese, Jens Gatena und Anna Esper, alle trend:research GmbH, Bremen, presse@trendresearch.de Grafiken (2): trend:research UmweltMagazin Juli -August2014 47

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