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9 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Abfall/Recycling Das Ziel, einen spürbaren Anteil der deutschen Phosphat- Importe durch Recycling-Produkte zuersetzen, erfordert verbesserte Rahmenbedingungen und Regulative durch den Gesetzgeber. Das betrifft sowohl die zukunftsorientierte Verwertung von Monoverbrennung-Aschen als auch die anspruchsvolle Aufgabe, das Phosphat-Recycling vor der Mitverbrennung durchzuführen oder in den Prozess der Mitverbrennung zuintegrieren. Klaus Scheidig Der Anspruch an ein effizientes Phosphat-Recycling wird mit dem Deutschen Ressourceneffizienzprogramm ProgRess vom29.02.2012unterstützt, wobei als „Beispiel für ressourcenschutzrelevante Stoffströme“anerster Stelle Phosphor genannt wird [1]. Ein strategisches Konzept ist aus den dort formulierten Aufgaben allerdings nur mit Einschränkungen zu erkennen. Es muss erwartet werden,dass die in Zusammenarbeit mit den Bundesländern „zu prüfenden und zu bewertenden“ Maßnahmen [1,S.74u.75] die notwendigenErgänzungen hervorbringen, mit denen das Phosphat-Recycling als industrieller Standard etabliert werden kann. Ressourceneffizienz beim Phosphat-Recycling Vermeidbare Verluste Insbesondere fällt auf, dass derVerlust durch Mitverbrennung von Klärschlamm und Tiermehl in Kraft- und Zementwerken sowie in MVA bei ProgRess nichtangetastet wird, obwohl mit diesen Prozessen mehr als 50 Prozent des aus der thermischen Klärschlamm-Verwertung und fast 100 Prozentdes aus Tiermehl rückgewinnbaren Phosphors verloren gehen [2, 3, 4]. Darüber hinaus ist sogar davon auszugehen, dass der Anteil der Klärschlamm- Mitverbrennung noch steigen wird, da höhere Anforderungen an die Qualität des landwirtschaftlich einzusetzenden Klärschlamms zwangsläufig seine thermische Verwertung erhöhen wird. Dieser Entwicklung durch verstärkte Monoverbrennung entgegenzuwirken, erscheint wenig aussichtsreich, weil der erforderliche Investitions-Aufwand groß und die Genehmigungsfristen lang sind, während andererseits genügend Mitverbrennungs-Kapazitätenzur Verfügung stehen [2, 4]. Als Konsequenz aus dieser Situation ergibt sich die anspruchsvolle Aufgabe, das Phosphat-Recycling vor der Mitverbrennung durchzuführen oder in den Prozess der Mitverbrennung zu integrieren. Die hierzu erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen werden bereits diskutiert [5]. Zur Lösung dieser Aufgabekann auf einbreit aufgestelltes Forschungs-Potenzial zum Phosphat- Recycling verwiesen werden [6, 7], das mit einer neuen oder erweiterten Aufgabenstellung zu aktivieren ist. Dabei sollte dem Gesetzgeber die Aufgabe zukommen, derIndustrie durch verbindliche Vorgaben sowohl Anreize zur Mitwirkung als auch Planungs-Sicherheit zu geben. Solche Vorgaben würden auchdie zukunftsorientierte Verwertung von Monoverbrennung-Aschen beschleunigen, die mit bis zu23Prozent P 2 O 5 die Qualität von P-Erzen besitzen [2]. Gegenwärtig werden sie zu 77 Prozent in nicht rückbaufähigen Über-und Untertage-Deponien sowie im Landschaftsbau verwertet, 16Prozent gehen in die Baustoff-Industrie, lediglich 7Prozent werden in derLandwirtschaftabgesetzt [2], wobei diese Art der Phosphat-Düngung nicht unumstritten ist. Auch hier fehlen rechtliche Rahmenbedingungen, die das Phosphat-Recycling ab einemnochzubestimmendenZeitpunkt zwingend vorschreiben und bis dahin nur noch die rückbaufähige Deponierung zulassen. Damit würden die inzwischenverfügbaren Verfahren zum Phosphat-Recycling aus diesen Aschen [6, 7, 8, 9] bessere Voraussetzungen für ihre Anwendung und Vermarktung erhalten. Rechtliche Ungleichbehandlung Die Markt-Einführung und Weiterentwicklung der zum Phosphat- Recycling entwickelten Verfahren wird Bild:BMU/Christoph Edelhoff 36 UmweltMagazin September 2012

gegenwärtig auch dadurch erschwert, dass Klärschlamm und Tiermehl nur teilweise als nachwachsende Rohstoffe bewertet werden. Imnovellierten EEG [10] wirdKlärgasals vergütungspflichtiger biogener Brennstoff ausgewiesen, nichtaber Klärschlamm –obwohl beide Stoffe aus der gleichen Grundsubstanz bei der Abwasser-Reinigung entstehen, deren organischer Anteil zweifelsfrei biogener Natur ist. Die widersprüchliche Bewertung des Klärschlamms wird besondersbei seiner Verbrennung deutlich: Während die Mit-Verbrennung in Kraftwerken durch CO 2 -Gutschriften belohnt wird[4], giltdiesbei derMono- Verbrennung nicht. Mit den zuvor genannten notwendigen Ergänzungen zu ProgRess und EEG sollte deshalb klargestellt werden, dass Klärschlamm aus kommunalen und Phosphathaltigen industriellen Abwässern sowie Tiermehl und -fett aus der Tierkörper-Verwertung als nachwachsende Rohstoffe zubewerten sind. Wie kein anderer einheimischer Rohstoff stehen sie unabhängig von Wettereinflüssen, Klimaveränderungen oderKonjunkturlage Jahr für Jahr in nahezu konstant großen Mengen zur Verfügung oder sind nachwachsend: Fast 2Millionen Tonnen pro Jahr (t/a) Klärschlamm-TSund mehr als 1,2Millionen Klärschlammbecken t/a Tiermehl und Tierfett fallen in Deutschlandan[2, 3, 4]. Für ein strategisches Konzept zur ressourceneffizienten Verwertung von Klärschlamm, Tiermehl und denMonoverbrennungs-Aschen dieser Stoffe lassen sich indiesem Zusammenhang folgende ergänzende Maßnahmen vorschlagen: 7 Klärschlamm, Tiermehl und -fettsind als nachwachsende Rohstoffezubewerten; die mit dem Phosphat-Recycling aus diesen Stoffen verbundene Stromund Wärme-Erzeugung ist als Erneuerbare Energie nach EEG einzuordnen. 7 Die Aschen aus der Monoverbren- nung von Klärschlamm oder Tiermehl sind rückbaufähig zu deponieren; die nicht rückbaufähige Deponierung solcher Aschen oder ihr Einsatz im BauwesenunteranderemGewerkenwerdenab 2020 untersagt. 7 Die Mitverbrennung von Klärschlamm und Tiermehl wird ab2020 nur bei vorangegangenem oder gleichzeitigem Phosphat-Recycling gestattet. 7 Die Entwicklung von Verfahren, die das Phosphat-Recycling gemäß Punkt 3 dieses Konzepts zumZielhaben,sollten einen Schwerpunkt weiterer Forschungsarbeiten bilden und entsprechendgefördert werden. Bild: KfW-Bildarchiv /Fotograf: Kirsten Milhahn Literatur [1] Deutsches Ressourceneffizienzprogramm ProgRess. Beschluss des Bundeskabinetts vom 29.02.2012; S. 73–75 [2] Lehrmann, F.: Klärschlammentsorgung in Europa. Vortrag. VDI-Fachkonferenz „Klärschlammbehandlung“. Heidelberg, 16/17. Nov. 2011 [3] Faulstich, M., et al.: Energiewende –Konsequenzen für die Abfallwirtschaft. 45. Essener Tagung. Essen, 14.-16. März 2012. Tagungsband, S.3/1–3/12 [4]DWA-Regelwerk: Thermische Behandlung von Klärschlämmen –Mitverbrennung in Kraftwerken. Merkblatt DWA-M 387. Mai 2012 [5] Wendenburg, H.: Podiums-Diskussion zum Forum P-Recycling. IFAT München 2012, Halle A5, 08. Mai 2012 [6] Pinnekamp, J., Everding, W,:Schlusspräsentation der durch das BMBF geförderten Vorhaben. Gewässerschutz-Wasser-Abwasser 228, Aachen 2011, ISBN 978–3–938996–34–8 [7] Roskosch, A.: Stand und Resümee der technischen Umsetzungen. Vortrag und Sonderdruck zur Schlusspräsentation der durch das BMBF geförderten Vorhaben. Berlin, 14. Sept. 2011, Sonderdruck, S.1–4 [8] Adam, Ch.: Technische Möglichkeiten der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm-Aschen. VDI Fachkonferenz „Klärschlammbehandlung“. Offenbach, 27./28. Okt. 2010 [9] Scheidig, K., Mallon, J., Schaaf, M.: Phosphorquelle Klärschlamm. Z. Umweltmagazin; Springer VDI-Verlag. Sept. 2010, S. 58–61; KA –Korrespondenz Abwasser,Abfall 57 (2010) Nr. 9,S.902–915 [10] BMELV: Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien. Novelliertes EEG, Berlin 2012. Wirksam ab 01. Jan. 2012 Fazit Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen als Beitrag zur Weiterentwicklung von ProgRess und EEG 2012 verstanden werden. Der damit zu schaffende rechtliche Rahmen soll die Voraussetzungen für eine spürbare Senkung der deutschen Phosphat-Importe bilden. Langfassung im Internet Auf den UmweltMagazin-Internetseiten findet sich unter der Rubrik „Langfassung zu Artikeln imHeft“ ein ausführlicheres PDF-Dokument, das weitere Details zum Ansatz und den Ergebnissen des Projekts bietet. www.umweltmagazin.de Dr.-Ing. Klaus Scheidig, Kaulsdorf, klaus.scheidig@t-online.de UmweltMagazin September 2012 37

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