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9 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Management Cradle to Cradle: Produkte im Kreislauf Seit der ersten Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) vor 20 Jahren in Rio deJaneiro gilt es, durch die Verminderung des Einsatzes und der Produktion von Schadstoffen die Umweltauswirkungen zu reduzieren –inAnbetracht der Endlichkeit natürlicher Ressourcen eine notwendige Maßnahme. Das „Cradle to Cradle“-Konzept, das von dem deutschen Chemiker Michael Braungart zusammen mit dem amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt wurde, soll das Problem der Unaufhaltsamkeit der Rohstoffverknappung lösen. Die richtige Software hilft Unternehmen, diese Ziele zu erreichen. Schema des Photobioreaktors von ecoduna Bild: ecoduna Erwin Burth Der „Cradle to Cradle“(dt. :Von der Wiege zur Wiege)-Ansatz nach Braungart und McDonough sieht geschlossene Kreisläufevor,innerhalb derer aus eingesetzten Materialien Nährstoffe werden. Unterschieden wird in biologische Kreisläufe, in die Erzeugnisse als biologischeNährstoffe zurückgeführt werden können, sowie in technische Kreisläufe, in denen Produkte als technische Nährstoffe fortdauernd gehaltenwerden. Das„Vonder Wiegezur Wiege“-Konzept stellt somit einen ökoeffektiven Ansatzdar,bei demder Wert der Materialien nicht verloren geht, sondern eine Umwandlung der Produkte stattfindet. Materialien sollen so entworfenwerden, dass sie für die Erhaltung und Erneuerung biologischer sowie technischer Quellen von Vorteil sind. Aus unnützen Abfällen werden nützliche Rohstoffe. So entsprechen nach Braungarts und McDonoughs Konzept beispielsweise Kunststoffprodukte, die in ihreEinzelteile zerlegt und recycelt werden können, ökoeffektiven Anforderungen. Auch Produkte, deren Material unbedenklich inbiologische Kreisläufe zurückgeführt werden kann, wie beispielsweise eine Schuhsohle mit ökologisch verträglichem Abrieb, passen indas „Cradle-to-Cradle“-Konzept. Geht esumEnergiegewinnung, so dienen Wind, Sonne oder Biomasse als ökoeffektiveEnergiequellen. Der Wert digitaler Planung Braungarts und McDonoughs Ansatz setzt den Entwurf und die Entwicklung neuer oder eine Überarbeitung bereits bestehender Produkte voraus. Unternehmenwie derSoftwareanbieter Autodesk, derKonstruktions- und Planungssoftware herstellt, können einen we- 54 UmweltMagazin September 2012

sentlichen Beitrag zu diesem Prozess leisten. Das amerikanische Unternehmen mit Sitz in München unterstützt seine Kundenbei der Planung und Entwicklung von Produkten, Gebäuden oder Infrastrukturen. So enthält beispielsweise die 3D-CAD-Software Autodesk Inventor einen„EcoMaterial Adviser“.Damit lassen sichdie Umweltbelastung und der Ressourcenbedarf bestimmter Materialien realistisch berechnen, ohne dass ein physikalischer Prototyp gebaut werden muss. Mithilfe einer umfangreichen Datenbank können Materialien auf ihre Umweltverträglichkeit untersucht werden. Inder Vollversion des Eco Material Advisers können die ökologischen Auswirkungen für denkomplettenProduktlebenszyklus bestimmt werden. Die Nutzung virtuellerPrototypen trägtnicht nur zu einer signifikanten Ressourcenersparnis bei, sie ermöglicht Anwendern zudem, bereits in frühenEntwicklungsstadien nachhaltige Materialentscheidungenzutreffen unddas Produkt nach den jeweiligen ökologischen Anforderungen zuentwickeln. Auch bei der Nutzung Erneuerbarer Energien findet das „Digital Prototyping“ Verwendung von unschätzbarem Wert. So können beispielsweise Windkraftanlagen oder Photobioreaktoren zurGewinnung von Biomasse digitalsimuliert,getestetund optimiert werden. Das Ergebnis ist eine ökoeffektive Energiegewinnungs-Anlage, in deren Entwicklungsprozess bereits Kosten eingespartwerden. Förderung Erneuerbarer Energien Um Unternehmen, die im Bereichder regenerativen Energien tätig sind, zu unterstützen, hat Autodesk vor zwei Jahren das Clean Tech Partner Programm ins Leben gerufen. Im Rahmen desProgramms bietet Autodesk Startups aus derClean Tech Branche sogenannte Digital Prototyping Lösungen imWert von120 000 Euro füreinenPreis von50 Euro. Sowerden Softwarelösungen, die sonst für junge Unternehmen unerschwinglich sind, bezahlbar. Die Startups können ihre Ideen damit digital entwerfen, visualisieren und simulieren, noch bevor sie gebaut werden. Gefördert werden Absolventen und junge Modul des Photobioreaktors von ecoduna Unternehmer, die innovative Ideen im Bereich Nachhaltigkeit haben, jedoch nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, die entsprechende Summe zuinvestieren. Da sich aber bereits am Anfang der Designphase entscheidet, wie sauber ein Produkt ist, sind die Digital Prototyping-Lösungen gerade für Start-ups von immensem Wert. Neuer Ansatz mit Grünalgen Mit der ecoduna Produktions GmbH wird ein Unternehmen gefördert, das mit derNutzung vonBiomasse beschäftigt. Das österreichische Unternehmen hat den weltweit ersten Photobioreaktor für die kontinuierliche Zucht von Mikroalgen entwickelt und patentiert. Günalgen, die hierfür verwendet werden, geltenals vielversprechenderregenerativer Rohstoff. Sie bilden die Grundlage verschiedener wertvoller Substanzen, die von der Energiegewinnung über die Medizin bis hin zurNahrungsmittelergänzung eingesetzt werden können. Der Photobioreaktor des Start-up-Unternehmens ist ein neuer technischer Ansatz. Dadurch muss je- Bild: ecoduna desBauteil aus Stahl oderKunststoff neu konstruiert werden. Mithilfe von Autodesk-Lösungen entwirft ecoduna diese Bauteile in 3D, sodass sie unmittelbar in die Fertigung gehen können. Nicht zuletzt mithilfe dieser Autodesk-Unterstützung konnten sich schon viele Ideen am Markt etablieren, die einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Umwelt langfristig zu schützen. Auch fürVerbraucherwerdenUmweltaspekte immerwichtiger und zunehmend in die Kaufentscheidung eingebunden. Um dem Trend zu umweltbewussten Konsumenten Rechnung zu tragen, stellen sichauchUnternehmendarauf einund nutzen entsprechende Tools.Diese können letztlich einen wesentlich Beitrag zu derVerwirklichung einesgeschlossenenKreislaufsleisten. Erwin Burth, Autodesk, München, autodesk@fortispr.de UmweltMagazin September 2012 55

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