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9 | 2012

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Branche Heute ist das

Branche Heute ist das Leitbild der Nachhaltigkeit nicht mehr aus der wirtschafts- und umweltpolitischen Diskussion wegzudenken. Trotz Schwierigkeiten bei der Operationalisierung und marktbezogenen Kommunikation hat sich Sustainability in den meisten deutschen Unternehmen weitgehend etabliert. Der folgende Beitrag erläutert die Hintergründe und Entwicklungen zum Thema. Bild: SXC Nachhaltigkeit im Leitbild derUnternehmen Obwohl die Kernidee eines nachhaltigen Wirtschaftens an sich sehr alt ist, wurde das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) erstmals durch den im Jahr 1987 vorgelegten Abschlussbericht „Our Common Future“ der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung indie breitere Öffentlichkeit getragen. Er wurde inAnlehnung an die Vorsitzende der Kommission als „Brundtland-Report“ bekannt. DemBerichtzufolge ist eine Entwicklung dann als nachhaltig zu bezeichnen ist,wennsie „dieBedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ [1] . Heute ist das Leitbild der Nachhaltigkeit nicht mehr aus der wirtschafts- und umweltpolitischen Diskussion wegzudenken. Nachhaltigkeit ist nicht nur in politischen Prozessen und Strukturen befestigt, sondernhat sichauch weitgehendinden Unternehmen etabliert. Trotz aller Schwierigkeiten bei der Konkretisierung und Implementierung bleibt festzuhalten, dass es sich dabei um ein normatives Postulat und eine langfristige Leitidee handelt. Für dieLösung der weltweiten ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme kann sie neue Lösungsperspektiven eröffnen und für die Verantwortlichen die Frage nach den konkreten nachhaltigkeitsorientierten Handlungsinhalten und -bedingungen stellen [2]. Nachhaltigkeit in Unternehmen Die Einbeziehung der Nachhaltigkeitsaspekte in Unternehmen erfordert eine Orientierung an deren Prinzipien und vor allem andie Verantwortung, das Denken in Stoffkreisläufen und an die Kooperation [2],[3]. Das Verantwortungsprinzip beinhaltet die normative Komponente und insbesondere die Aspekte der intra- und intergenerativen Gerechtigkeit. Das Kreislaufprinzip strebt den Erhalt der natürlichen Umweltanund dasKooperationsprinzip zielt auf eine enge Zusammenarbeit der Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungsketten ab. InUnternehmen hat sich das Drei-Säulen-Konzept, eine dreidimensionale Sicht der Nachhaltigkeit, weitgehend durchgesetzt. Die Nachhaltigkeit ist als ein kontinuierlicher Prozess zubetrachten, in dem die ökonomische, ökologische und soziale DimensioninUnternehmenimmer wieder neu abgewogen werden, um die angestrebte Dauerhaftigkeit zu erreichen. Eine so verstandeneNachhaltigkeitist einwichtiges Thema der Wirtschaft. Rund 94 Prozent von 192 Umweltexperten der Wirtschaft haben dies in einer Befragung des IW-Umweltexpertenpanels im April 2011 bestätigt. Die Integration der Nachhaltigkeit inbetrieblichen Aktivitäten und Prozessen stellt die Unternehmenvor zwei zentrale Aufgaben: Zum einen müssen Umwelt- und Sozialaspektewirksam und effizient befriedigt werden, und zum anderen gilt es, diese Aspekte in das vorhandene herkömmliche ökonomische Management zuintegrieren. Daraus ergeben sich für die Unternehmen ökonomische, ökologische sowie soziale und nicht zuletzt Integrations-Herausforderungen [4]. Eine umfassende Umsetzung der Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene sieht vor, diese Aspekte in die Ziele, Strategien, Strukturen und Prozesse zu integrieren. Dabei kommt der Verankerung der Nachhaltigkeit in dasZielsystem eine besondere Bedeutung zu, denn die Ziele sind ein wichtiger Orientierungsraum für alle betrieblichen Aktivitäten. Als Basis hierfür gelten Leitbilder, die Bekenntnisse des Unternehmens zu wichtigen gesellschaftlichen Problemen und Problemlösungen beinhalten. Laut des IW-Umweltexpertenpanels im März/April 2012 ist Nachhaltigkeit bereits heute ein Bestandteilder Leitbilder von 83 68 UmweltMagazin September 2012

Bestandteil des Leitbildes 83,0 trägt zu Kostenreduktionen bei zur Erschließung von Zukunftsmärkten wichtig verantwortliche Stelle für Nachhaltigkeitsbelange 65,1 62,3 72,6 Prozent der 106 befragten Unternehmen (siehe Grafik). 60 Prozent formulierten konkrete Nachhaltigkeitsziele. Diese wurden, ihren Angaben zufolge, bei mehr als 50 Prozent der Unternehmen regelmäßig kontrolliert. Die Nachhaltigkeitsaspekte sind bei rund 59 Prozent der Unternehmen bereits mit dem unternehmerischen Kerngeschäft, wie etwa der Entwicklung von grünen Produkten und Technologien, verknüpft. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dieseAspekte auchbei der Lieferantenauswahl zu berücksichtigen. Die Umsetzung der Nachhaltigkeit soll durch strukturell-organisatorische und kommunikative Maßnahmen flankiert unterstützt werden. Hierbei genießen insbesondere in Großunternehmen Institutionalisierung oder Berichterstattung eine große Aufmerksamkeit. So erfolgt bei Literatur Nachhaltigkeit in Unternehmen (Angaben in Prozent) 62 Prozent der befragten Unternehmen eine Institutionalisierung durch eine verantwortliche Stelle oder Person. Zudem werden bei etwa der Hälfte der Befragten Nachhaltigkeitsberichte als Kommunikationsinstrument eingesetzt und bei weiteren 10 Prozent wird die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten eingeplant. Diese werden als Mittel eingesetzt, um die Stakeholder über die ökonomischen, ökologischen und sozia- [1] Hauff, Volker (1987): Unsere gemeinsame Zukunft – Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Greven 1987. [2] Meffert, Heribert/Kirchgeorg, Manfred ,1998, Marktorientiertes Umweltmanagement, 3. Aufl., Stuttgart [3] Wagner, Gerd Rainer, 1997, Betriebswirtschaftliche Umweltökonomie, Stuttgart [4] Schaltegger, Stefan/Herzig, Christian/Kleiber, Oliver/Klinke, Torsten/Müller, Jan, 2007, Nachhaltigkeitsmanagement inUnternehmen. Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Sustainability, hrsg. von Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), econsense –Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V., Center for Sustainability Management (CSM), Berlin, Lüneburg, www. bmu.de/wirtschaft_und_umwelt/downloads/doc/39650.php. [5] PwC/CSM –PricewaterhouseCoopers /Center for Sustainability Management (Hrsg.), 2010, Corporate Sustainability Barometer. Wie nachhaltig agieren Unternehmen in Deutschland? Frankfurt amMain, www2.leuphana.de/csm/CorporateSustainabilityBarometer.pdf konkrete Nachhaltigkeitsziele für Motivation der Mitarbeiter wichtig mit Kerngeschäft verknüpft Nachhaltigkeitsaspekte bei Lieferantenauswahl regelmäßige Kontrolle der Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmensbewertung wichtig aufgrund kritischer Medienberichterstattung wichtig Nachhaltkeitsberichte geplant Sonstiges 2,8 10,4 len Leistungen des Unternehmens zu informieren und damit gleichzeitig den Weg zuDialog und Kooperation zuebnen. Mit den Nachhaltigkeitsberichten wird auch beabsichtigt, Vertrauen zu schaffen, Glaubwürdigkeit zu erhöhen und gesellschaftliche Akzeptanz aufzubauen. Nachhaltigkeitsmotive Immer häufiger orientieren sich deutsche Unternehmen auf freiwilliger Basis am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Daran hat auch die Wirtschaftsund Finanzkrise nichts geändert. Gut 62 Prozent von 112 befragten Unternehmen gaben in einer Umfrage von Pricewaterhouse- Coopers und dem Center for Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg im Jahr 2010 an, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeitnichtreduziert haben. Deren Ergebnissen zufolge wurden diesbezügliche Aktivitäten in jedem vierten befragten Unternehmen ausgeweitet und die Nachhaltigkeit hat in jedem dritten Unternehmen an Relevanz gewonnen [5]. Die Motive für ein nachhaltigkeitsorientiertes Verhalten in Unternehmensind vielfältig. Neben unternehmensinternen Anlässen spielen überwiegend politisch-rechtliche, gesellschaftliche und ökonomische 36,8 43,4 54,7 51,9 49,1 60,4 60,4 59,4 Grafik: IW-Umweltexpertenpanel 2/2012 Einflussfaktoren eine große Rolle. Viele Unternehmen erwarten dadurch ökonomische Impulse und erkennen darin zunehmend einen Erfolgsfaktor sowie eine Strategie zur Kostenreduzierung und Erschließung von Marktpotenzialen.Etwa drei Viertel der Befragten im Rahmen des IW- Umweltexpertenpanels gaben an, dass Nachhaltigkeit beispielsweise durch Erhöhung der Energie-und Materialeffizienz einen Beitrag zur Kostenreduktion leistet. Rund zwei Drittel stufen sie bei der Erschließung von Zukunftsmärkten als wichtig ein. Als weitere wichtige Treiber gelten Mitarbeitermotivation (60 Prozent), Aspekte der Finanzmärkte wie Unternehmensbewertung (43 Prozent) oder Medienberichterstattung (37 Prozent). Die Relevanz der positiv ökonomischen Beiträge der Nachhaltigkeit ist hervorzuheben, denn gerade der ökonomische Erfolg und die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sorgt dafür, dass auch ökologische und soziale Herausforderungen verstärkt bewältigt werden. Dr.MahammadMahammadzadeh, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, mahammadzadeh@iwkoeln.de UmweltMagazin September 2012 69

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