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9 | 2012

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Saudi-Arabiens Energiesektor im Ausbau Bild: SXC Die Bestrebungen Saudi-Arabiens, zunehmend nicht-fossile Energien zu nutzen, sind vor allem eine Reaktion auf den rasant steigenden Strombedarf, der mittelfristig die für den Export verfügbaren Ölmengen stark reduzieren würde. Bisher wurde wenig in alternative Energien investiert, aber die Planungen dahin gehend werden immer ambitionierter. Der größte Teil des Energiesektorausbaus ist für die Solarkraft vorgesehen –ausländische Unternehmen zeigen sich hier sehr interessiert an Investitionen. Im Ölstaat Saudi-Arabien ist die Nutzung von Solarenergie noch sehr gering. Landesweit dürfte diePhotovoltaik mitweniger als 10 Megawatt (MW) zur Energieversorgung beitragen. Hinzu kommen einige solarthermische Anlagen. Der nun für 2030 angestrebte Energiemix sieht für Ölund Gaskraftwerke eine Verminderung des Anteils ander installierten Kraftwerksleistung von derzeit fast 100 auf etwa 50 Prozent vor. Für Solarenergie wird rund ein Drittel anvisiert. Hinsichtlich des restlichen Sechstels besteht noch Uneinigkeit, welchen Stellenwert andere Erneuerbare Energien und Waste-to-Energy- Projekte haben sollen. Erste Solarprojekte realisiert Mit Stolz verweist Saudi-Arabien auf dieweltgrößte solarthermische Heizanlage, die auf den Dächern der Princess Noura Bint Abdulrahman UniversityinRiad, der neuen Frauen-Hochschule des wahhabitischen Königreichs, montiert ist. Die 25-MW th -Anlage (imWinter: 17 MW th ) versorgt die Universität mit Warmwasser und dient zur Heizungsunterstützung des 8Quadratkilometer großen Campusgeländes. Rund 9,5 Milliarden Euro soll die gesamte Universität gekostet haben, etwa 11,1 Millionen Euro das Solarprojekt. Hersteller der Solarkollektoren ist die Firma GreeNone- TEC mit Sitz imösterreichischen St. Veit. Geplant und durchgeführt wurde das Vorhaben von Millennium Energy, einem Spezialisten für Solarlösungen im mittleren Osten und nordafrikanischen Raum. GreeNoneTEC-Geschäftsführer Robert Kanduth beziffert das Auftragsvolumen für sein Unternehmen mit 3,6 Millionen Euro. Die Kollektoren erstreckten sich auf 36 000 Quadratmeter. Ein Photovoltaik-Solarprojekt mit 500 Kilowatt haben im Jahr 2011 die Ölgesellschaft Saudi Aramco und das japanische Unternehmen Showa Shell Sekiyu KK abgeschlossen. Das Projekt gehörtzueinemDrittel Shellund zu 15 Prozent Aramco und wird auf der saudi-arabischen Farasan Island im Roten Meer durchgeführt. Kooperationspartner ist die Saudi Electricity Company. Hierbei handelt essich um ein Pilotprojekt; eine 10- bis 15-MW-Anlage mit gleicher Technologie soll folgen. Showa Shell stellt die verwendeten CIS- Dünnfilm-Solarzellen her und denkt über den AufbaueinerProduktionsstätte in Saudi-Arabien nach. Eine Tochter derPhoenix Solar AG aus Sulzemoos bei München, hat 2011 in der Nähe von Riad für Saudi Aramco eine 3,5-MW- Photovoltaik-Anlage errichtet, als lokaler Projektpartner war Naizak Global Engineering Systems beteiligt. Der Solarpark steht auf dem Gelände des King Abdullah Petroleum Studies and Research Center. „Der Solarmarkt steht noch am Anfang“, so Klaus Friedl von Phoenix Solar anlässlich der Vertragserteilung. „Aber Saudi-Arabien bietet ein großes Potenzial für Solarkraftwerke.Wir freuen uns, diegrößte Freiflächenanlage im Land errichten zu können.“ Eine 2-MW-Dachinstallation hat2010 die King Abdullah University of Science and Technology in Thuwal erhalten. Durchgeführt wurde das Projekt von der Hamburger Conergy AG gemeinsam mit dem saudi-arabischen Systemintegrator National Solar Systems. Anfang 2012 wurde von Conergy eine 200-kW-Aufdachanlage im neuen Finanzzentrum der Hauptstadt, dem King Abdullah Financial District (KAFD), fertiggestellt; dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem lokalen Unternehmen Modern Times Technical Systems. Alexander Lenz, Conergy-Chef für Südostasien und Mittelost, erklärt: „Das KAFD ist zweifelsohne ein ökologischer Vorreiter. Das Unternehmenzeigt mitseinerumweltfreundlichen Architektur,wie der saudi-arabische Finanzsektor die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen reduzieren kann. Mit der ersten solaren Aufdachanlage in Riad setzt das KAFD ein Zeichen.“ Der neue Master Plan für 2030 Nach den Vorstellungen der Regierungsplaner in Riad sollen auf die bisher relativ bescheidenenSolarprojektejetzt Investitionen zur Entwicklung alternativer Energien indreistelliger Milliardenhöhe folgen. Die 2010 gegründete King Abdallah City for Atomic and Renewable Energy (KACARE), eine Art Ministerium für nicht-fossile Energien, hat kürzlich einen überarbeiteten 70 UmweltMagazin September 2012

Bilder (3): KAPSARC Masterplan zur Zukunft der Energiewirtschaft bis 2030 vorgelegt. Saudi-Arabien will nicht nur zum größten Produzenten von Solarenergie aufsteigen, sondern auch zum international führenden Technologiezentrum und Produzenten von Ausrüstungen für Erneuerbare Energien werden. Den aktuellen Plänen zufolge sollen Solaranlagen bis zum Stichtag eine Leistung von 41 Gigawatt (GW) bereitstellen. Davon sind 25 GW für CSP- (Concentrated solar power) und 16 GW für Photovoltaik-Kraftwerke vorgesehen, deren Investitionskosten mit insgesamt 86,7 Milliarden Euro veranschlagt werden. Gemäß der KACARE-Kalkulation benötigt Saudi-Arabien 2030 Kraftwerkskapazitäten von insgesamt 122,5 GW, derzeit sind maximal 55GWverfügbar. Ölund Gaskraftwerke werden weiterhin gebaut und sollen bis dahin eine Leistung von 60,5 GW bereitstellen und somit einen Anteil am Energiemix von 49 Prozent haben. Neben den 41 GW beziehungsweise 33 Prozent aus Solarenergie sollen die restlichen 21 GW auf Atomkraft sowie Wind, Biomasse, Wasteto-Energy, Geothermie und andere entfallen. Den Plänen zufolge gehen innerhalb der nächste fünf Jahre Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von etwa 3 GW ans Netz. In zehn Jahren sollen es17GW Germany Trade&Invest sein, davon 10 GW-CSP-Anlagen und 7GW-Photovoltaik-Installationen. In15Jahren sind insgesamt 28 GW anvisiert. Mit dem Schwergewicht des Solarprogramms auf CSP setzt Saudi-Arabien einen iminternationalen Vergleich besonderen Akzent. Ohne Berücksichtigung der saudi-arabischen 25-GW- Ankündigung weist eine von Greentechmedia veröffentliche Übersicht den derzeitigen Gesamtbestand an CSP-Projekten, die weltweit imBau oder in der Planung sind, mit 19,8 GW aus. Führend sind die USA mit 11 GW, gefolgt von Spanien (4,5 GW) und Marokko (0,5 GW). Installiert waren Ende 2011 weltweit 1,6 GW. Erste Ausschreibungsrunden für Erneuerbare Alle neuen Kraftwerksvorhaben sollen durch private Investoren als „Independent Power Projects“ realisiert werden, wobei die staatliche SEC mit den Betreibern Stromabnahmeverträge mit 20-jähriger Laufzeit abschließen möchte. In Kürze will KACARE interessierte Firmen zur Kommentierung des Erneuerbare- Energien-Programmsauffordern und im 3. Quartal2012 soll der Entwurf für einen „Request for Proposals“ folgen, dessen endgültige Version für das 1.Quartal 2013 geplant ist. In einer ersten Ausschreibungsrunde ist die Vergabe von Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland imAusland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. www.gtai.de Ein Photovoltaik-Solarprojekt wurde beispielsweise auf dem Gelände des King Abdullah Petroleum Studies and Research Center realisiert. Erneuerbare-Energien-Projekten mit einer Gesamtleistung von 2,85 GW anvisiert, davon sollen auf Photovoltaik 1,1 auf CSP 0,9, auf Wind 0,65 sowie 0,2GWauf sonstige alternative Energien wie Geothermie, Waste-to-Energy und andere entfallen.Eine zweite Rundeist für Ende 2013/Anfang 2014 vorgesehen. Hier werden Investoren für insgesamt 3,8 GWgesucht. Nach den beiden Ausschreibungsrunden soll der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien möglichst durch die Einführung eines „Feed-in-Tariff“, einer Einspeisevergütung, gesteuert werden. Das Interesse lokaler und ausländischer Investoren an den alternativen Energieprojekten ist groß. Neben finanziellen Fragen sind aber auch viele technische Aspekte noch ungeklärt. So arbeiten Photovoltaik- Anlagen unter den in Saudi- Arabien extremen klimatischen Bedingungen weniger effizient, dies dürfte aber durch dielange Dauer der Sonneneinstrahlung mehr als ausgeglichen werden. Bei CSP-Anlage sind unterschiedliche technologische Lösungen zuprüfen. Eine Herausforderung für alle Investoren dürfte die saudi-arabische Forderung nach möglichst hoher lokaler Wertschöpfung sein. Wer inSaudi-Arabien Solarprojektedurchführen möchte, wird den Aufbau einer lokalen Fertigung sowie von Forschungsund Ausbildungskapazitäten zusagen müssen, so Branchenvertreter. Für ein separat von der Stadt Mekka ausgeschriebenes 100-MW-Solarprojekt haben sich insgesamt 20 Unternehmen präqualifiziert, darunter auch deutsche Hersteller. Allerdings scheinen viele Unternehmen noch keine verbindlichen Angebote eingereicht zuhaben. Ursprünglich war der 23. Juni Abgabetermin, jetzt wurde bis zum 22. September 2012 verlängert. Meerwasserentsalzung durch Solartechnologie Solarenergie soll auch zur Meerwasserentsalzung eingesetzt werden. Die 2010 von der „King Abdulaziz City for Science and Technology“ (KACST) gegründete „National Initiativefor Water Desalination by Using Solar Energy“ plant drei Phasen. Erst soll eine Solaranlage für eine Tagesleistung von 30 000 Kubikzentimeter (cbm) gebaut werden, dann eine für 300 000 cbm, schließlich ist die Anwendung von Solartechnik in allen saudi-arabischen Meerwasserentsalzungsanlagen geplant. Die 30 000-cbm- Anlage wird derzeit in Al-Khafji am Golf nahe der kuwaitischen Grenze errichtet. Fazit So verstärkt wie Saudi-Arabien in die Solarkraft investiert, ist jedoch anzumerken, dass ebenfalls ein ehrgeiziges Atomprogramm geplant ist. Mit bis zu 16 neuen Kraftwerken soll der Anteil des Atomstroms bis zum Jahr 2050 etwa 36 Prozent erreichen. Robert Espey,Repräsentant von GermanyTrade &Investinden Vereinigten Arabischen Emiraten UmweltMagazin September 2012 71

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