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9 | 2013

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SPECIAL Thermische

SPECIAL Thermische Verwertung Im Industriepark Höchst verfolgt Infraserv Höchst das Ver- und Entsorgungskonzept Waste-to-Energy, um Strom und Dampf für die rund 90 produzierenden Unternehmen am Standort bereitzustellen. Viele Synergien werden dabei genutzt. In den Verbund integriert sind sowohl Energieerzeugungs- wie auch Entsorgungsanlagen. Die thermischen Entsorgungswege sind dabei ein unverzichtbarer Baustein. Dr. Harald Werner und Susanne Schläfer Als Betreiber des Industrieparks Höchst in Frankfurt ist Infraserv Höchst für die technisch anspruchsvolle Infrastruktur des Chemie- und Pharma-Standortes verantwortlich. Zu denKernaufgaben vonInfraservgehört die Versorgung der Kunden mit Energien und Medien, das Management allerSite Services, aber auchdie fach-und umweltgerechte Entsorgung von Abfällenund Abwässern.Imgut 4,6 Quadratkilometer großen Industriepark Höchst produzieren und forschen rund 90 Unternehmen, die meisten davon in den Synergien effizient genutzt Bereichen Chemie, Pharma und Biotechnologie. Der Energiebedarf hier ist groß: Pro Jahr werden in den rund 120 Produktionsanlagen und 800 Gebäuden etwa 2000 Gigawattstunden elektrischer Energie und 3400 Gigawattstunden Wärme benötigt. Entsprechendder Größedes Industrieparks fallenauchdie Abfallmengenaus den Produktionsprozessen aus:Pro Jahr werden etwa 170000 Tonnen Abfälle aus den Produktionsanlagen in fester, flüssiger oder gasförmiger Form sowie knapp 18 Millionen Kubikmeter Abwasser in den Entsorgungsanlagen von Infraserv behandelt. Genutzt werden dabei konsequent die Synergien, die durch den Verbund der Anlagenentstehen. Komplettlösungen für jeden Abfall Gerade die Aufarbeitung von NebenundAbfallprodukten biochemischer Prozesse verlangt viel technisches Knowhow. Zudem sindfür das Abfallhandling und -management eingehende Kenntnisse im Abfall- und Umweltrecht erforderlich. „Infraserv Höchst verfügt als langjähriger Dienstleister für Chemie-, Pharma- und verwandte Prozessindustrienüber das nötigeFachwissen und die Erfahrung,umproduzierende Unternehmen inallen Aspekten rund um die Abfallentsorgung und dendamitverbundenenFragen um Rechtssicherheit und Umweltschutz zu entlasten“, beschreibt Wolf-Rüdiger Ulrich, Bereichsleiter Wärme/Strom/Abfall, dieLeistungen von Infraserv indiesem Arbeitsgebiet. „Egal wie schwierig ein Abfall ist, mit dem ein Kunde zuuns kommt, wir können injedem Fall einen adäquaten Entsorgungsweg aufzeigen, der den gestellten Kundenanforderungen entspricht.“ Komplexer Entsorgungsverbund nutzt Synergien Der Entsorgungsverbund im Industriepark ist so konzipiert, dass für den überwiegendenAnteil dermehrals tausend verschiedenen gefährlichen Abfallströme im Industriepark eine adäquate Entsorgungstechnologie betrieben wird. Synergien zwischen diesen Anlagen bestehen einerseits hinsichtlichder Stoffströme dereinzelnenAnlagen sowie auch invielfacher Hinsicht bezüglich energetischer Aspekte, also 12 UmweltMagazin September 2013

NETZSCH TORNADO® Drehkolbenpumpen beispielsweise die Nutzung von Abwärme auf sehr vielen verschiedenen Temperaturniveaus. Abwasser –mehr als nur ein flüssiger Abfall Eine der zentralen Entsorgungseinrichtungen imIndustriepark Höchst ist die Abwasserreinigungsanlage (ARA). Hier werden täglich rund 60 000 Kubikmeter Abwasser aus den Produktionsbetrieben sowie Sanitärabwässer der etwa 22 000 Beschäftigten in einem zweistufigen biologischen Verfahren gereinigt, das Infraserv eigens für diespeziellenAbwässer im Industriepark entwickelt hat. Von der Menge her betrachtet stellen die Abwässer damit den mit Abstand größten Abfallstrom im Industriepark Höchstdar.Die Leistungsfähigkeit der ARAimIndustrieparkHöchstist dementsprechend groß und entspricht hinsichtlich der Schmutzfracht etwa den Anforderungen an eine Kläranlagefür eine Stadt mit 1,5Millionen Einwohnern. Aber nicht jeder wässrige Abfall ist technischund wirtschaftlichgeeignet für eine Behandlung in einer solchen Anlage. Nach dem Stand der Technik muss in der Regel eine Abbaubarkeit der organischen Verschmutzungen von mehr als 90 Prozent erreicht werden, um für eine Behandlung in Frage zu kommen. Andernfalls sindalternative, das heißt umweltverträglichere Abfallbehandlungsverfahren einzusetzen. Dadie variablen Kosten je Kubikmeter Abwasser linear mit der Schmutzfracht steigen, ist eine Abwasserreinigungsanlage auch aus wirtschaftlicherSicht in derRegel nur für Abfallströme mit einem Wassergehalt von mehr als 95 Prozent sinnvoll. Je mehr Schmutzfracht, umso mehr Energie benötigtdie biologische Stufe und umso mehr Klärschlamm entsteht. Dieser stellt wiederumeinen erheblichen Kostenfaktor dar, weil er in großer Menge anfällt und fachgerechtentsorgt werden muss.ImIndustriepark Höchst fallen aus dem Reinigungsprozess etwa 30000 Tonnen Klärschlammtrockenmasse pro Jahr als Überschuss-Schlamm an. Biogasanlage erzeugt umweltfreundliche Energie aus Abfall Seit 2007 wird der Überschuss- Schlamm der ARA zur weiteren energetischen Ausnutzung und Reduzie- UmweltMagazin September 2013 rung desSchlammvolumens in derBiogas-Anlage von Infraserv Höchst gemeinsam mit anderen geeigneten Abfällen (Co-Substrate) vergärt. Hier werdenpro Jahr in denbeiden30Meter hohen Fermentern neben dem Klärschlamm aus dem Industriepark auch etwa 180000 Tonnen organische Abfälle verwertet. Die Biogas-Anlage ist damit eine dergrößten in Deutschland. Sie erzeugt pro Tagrund 70 000 Kubikmeter Biogas mit einer Brennstoffwärme von 160Gigawattstunden pro Jahr. „Unsere Biogasanlage leistet durch ihreumweltfreundliche Energieerzeugung einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Dem Konzept Waste-to- Energy entsprechend werden hier niederkalorische, zur direkten thermischen Verwertung ungeeignete Abfälle in Energieumgewandelt. Wirwollen hier auch zukünftig innovative Wege beschreiten, um dauerhaftunabhängiger von fossilen Brennstoffen zu ÜblicheKriterien füreine Abwasserbehandlungineiner ARA 7 Abbaubarkeit organische Schmutzfracht: >90Prozent 7 Wassergehalt inder Regel: >95Prozent 7 Kriterien nach einschlägigem Anhang der Abwasserverordnung müssen eingehalten sein 7 Behördliche Einzelfallgenehmigung – kein Positivkatalog für ARA werden“, so Dr. Robert Schleich, BereichsleiterAbwasser undzuständig für die Biogasanlage. So wird seit 2011ein Teil des Biogases zu Bioerdgas veredelt und ins öffentliche Gasnetz ausgespeist. Der andere Teil wird ininsgesamt fünf Gasmotoren (3 x1,2 MW und2x0,5 MW)verstromt. Neben derelektrischen Energie wird da- Eignungskriterien fürCo-Substrate 7 Abfälle müssen flüssig oder anmaischbar sein 7 Organische Trockensubstanz: knapp 25Prozent Wassergehalt (zwischen 70 und 95 Prozent) 7 Anaerobe Abbaubarkeit >50 Prozent 7 keine stark wassergefährdenden, hemmenden oder persistenten Inhaltsstoffe 7 Grenzwerte für Schwermetalle, Stickstoff oder Schwefel müssen eingehalten werden Höchste Leistungsdichte auf kleinstem Raum Hohe Fördermenge bei kompakter Bauweise Geringer Platzbedarf Hohes Saugvermögen bis zu 8 mWS Dreh- und Förderrichtung umkehrbar Einbau in beliebiger Lage TORNADO® T1 und TORNADO® T2 Team NETZSCH Drehkolbenpumpen NETZSCH Pumpen & Systeme GmbH Geretsrieder Straße 1 84478 Waldkraiburg Deutschland Tel.: +49 8638 63-2400 Fax: +49 8638 63-92400 info.tornado@netzsch.com www.netzsch.com

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