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9 | 2013

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SPECIAL Thermische

SPECIAL Thermische Verwertung Bild: Fisia Babcock Energie fürKlaipeda Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde Mitte Mai 2013 die erste thermische Abfallverbrennungsanlage Litauens inKlaipeda eingeweiht. Das Besondere: Dies ist nicht nur die erste Anlage ihrer Art in Litauen, sondern imgesamten baltischen Raum. Die Stadt an der Ostsee nimmt damit eine Vorreiterrolle bei der energetischen Nutzung von Abfall für die Region ein. ImAuftrag von UAB Fortum Klaipeda konnte auch ein deutsches Unternehmen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Stadt zukünftig Strom und Fernwärme aus Abfall beziehen kann. Der Gummersbacher Anlagenbauer Fisia Babcock Environment (FBE) verantwortete die Planung, Lieferung, Montage und Inbetriebnahme des Kessels inklusive Rostfeuerung und der zugehörigen Nebenanlagen. Abfall zur Wärme- und Energiegewinnung ist eine nachhaltige Lösung gerade für urbane Gebiete. Es ist eine kosteneffiziente Art des Energie- und Abfallmanagementsund hilftzugleichdie Treibhausgasemissionendeutlichzureduzieren“,soFortums CFO MarkusRauramo bei der Eröffnungsfeier und ergänzt: „Die Kraftwerksanlage in Klaipeda ist die erste von vier Anlagen, die wir in diesem Jahr in denbaltischenund nordischenLändern eröffnen. Diekombinierte Wärme- und Stromerzeugung ist dabei im Zentrum unserer Strategie und wir glauben weiterhin fest an eine nachhaltige Nutzung der lokalen Brennstoffe.“ Kristina Schlachetzki Die mit Hausmüll, Industrieabfällen und Biomasse betriebene einlinige Anlage istmit demStufen-Vorschubrost vonFBE ausgestattet, deraus drei parallel angeordneten Rostbahnen besteht. Mit entsprechenderWahl derRostlänge ist die Verbrennungsfläche dabei optimal an denMülldurchsatzund die Heizwertbandbreite von7000 bis15000 Kilojoule pro Kilogramm angepasst. Die Nutzung der im Abgas enthaltenen thermischen Energie erfolgt in einem als Vertikalzugkessel ausgeführten Dampferzeuger. Um eine gleichbleibendhohe Effizienz derAnlage zu erreichen, sind die Kesselheizflächen sodimensioniert, dass die Abgastemperatur konstant auf 160°C geregelt werden kann. Nachhaltige Lösung für urbane Gebiete Mit einem Mülldurchsatzvon 34 Tonnenpro Stundeerzeugtdie Anlage rund 60 Megawatt (MW)Fernwärme und zusätzlich 20MWStrom. Die ausgekoppelte Fernwärme ersetzt dabei anteilig die bisher durch die Verfeuerung von Gas erzeugte Fernwärme. Damit trägt die Anlage neben der erheblichen Verminderung derzudeponierendenMüllmengen auch zu einer massiven CO 2 -Reduzierung von bis zu 100 000 Tonnenpro Jahr bei:„DieNutzung von Von der Planung bis zur Energiegewinnung Bevoraber mit demBau derAnlage begonnen werden konnte, war in Litauen Einiges anVorarbeit zuleisten. Sowurden in den ersten vier Monaten nach der Vertragsunterzeichnung zwischen demAuftraggeber Fortum und der Fisia Babcock Environment GmbH im Februar 2010 zunächst die Baugenehmigungsunterlagen zur Vorlage bei denzuständigenlitauischenBehördenerstellt. Eine Besonderheit des litauischen Genehmigungsverfahrens ist dabei, dass alle Dokumente und Zeichnungen, die für die Errichtung einessolchen Sonderbauwerks benötigt werden, nur durch Unternehmen und Fachleute erstellt, geprüft und zur Ausführung freigegeben werden dürfen, die auchinLitauen 22 UmweltMagazin September 2013

zertifiziert sind. Da ähnliche Vorschriften auch für die Montage und die Inbetriebnahme solcherAnlagen gelten,hat FBE ein spezielles Zertifizierungsverfahren durchlaufen und ist vom litauischen Umwelt- und Energieministerium autorisiert die Planung, Errichtung,Inbetriebnahme,Reparatur und Modifizierung vonKraftwerksanlagen selbständig durchzuführen. Nachdemein Jahr später im Februar 2011 die Baugenehmigung für die Gesamtanlage erteilt war, wurde unmittelbar mit den Bauaktivitäten für den Müllbunker und das Kessel- und Turbinenhaus begonnen, sodass bereits Ende September 2011 mit demSetzen dererstenStahlbaustützedie Montagestarten konnte. Bis Jahresende wurde dann der etwa 1500 Tonnen schwere Stahlbau inklusive Bühnen montiert und schon Anfang 2012 konnte mit demEinheben derTrommelindie Stahlkonstruktion die Kesselmontage begonnen werden. Trotz einer längeren Frostperiode zu Beginn des Jahres 2012 –mit Temperaturen von bis zu minus 30 °C –wurde der Kessel mit einemGewicht von1300Tonnen und 6000 auf derBaustelle auszuführenden Schweißnähten bis Ende Mai fertiggestellt, sodass FBE die Druckprobe termingerecht Ende Mai durchführen konnte. Ein Jahr nach Beginn der Montagearbeiten startete dann im September 2012 der nächste Abschnitt: die kalte Inbetriebsetzung, das heißt die Überprüfung dereinzelnenAggregate und Systemeohne Befeuerung. Klaipeda:Stadt mitInnovationskraft Die Entscheidung für den Standort Klaipeda liegt auch in der großen Bedeutung dieser Stadt für das gesamte Gebiet begründet: Mit ihren knapp 200000 Einwohnern ist Klaipeda die drittgrößte Stadt Litauens und das Wirtschaftsund Kulturzentrum Westlitauens. Hier befindet sich der nördlichste eisfreie Hafen an der Ostküste der Ostsee, der den wichtigsten Seeweg zwischen Ost und West darstellt. Weitere Anlagen möglich Nach erfolgreichen Sicherheitstests und der Abnahme konnten die Brenner schließlich Ende November 2012 erstmals gestartet werden. Zunächst wurde der Kessel zudiesem Zweck ausgekocht und anschließend den Vorschriften entsprechendausgeblasen.Dadie vorgeschriebeneDampfqualität bereits nach sieben Blaszyklen Mitte Dezember erreicht wurde, waren damit auch die Voraussetzungen für den Start der heißen Inbetriebsetzung gegeben. Der reibungslose Ablauf ermöglichte es dann auch, dass schon Mitte Januar 2013 derBetrieb mit demerstenMüllfeuergestartet werden konnte. Die neue und bisher einzige thermische Abfallverwertungsanlage Litauens läuft seit der Übernahme der Anlage durch den Kunden Fortum im April ohne Mängel, sodass gute Voraussetzungen für den Bau weiterer Anlagen im baltischen Raum gegeben sind. Kristina Schlachetzki, Fisia Babcock Environment GmbH, Gummersbach, kristina.schlachetzki@fisia-babcock.com UmweltMagazin September 2013

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