Aufrufe
vor 3 Jahren

9 | 2013

  • Text
  • September
  • Umweltmagazin
  • Unternehmen
  • Anlagen
  • Energie
  • Technik
  • Einsatz
  • Deutschland
  • Anforderungen
  • Industrie

SPECIAL Thermische

SPECIAL Thermische Verwertung Maschinenlinie der Aufbereitungsanlage für Ersatzbrennstoffe in Žilina mit dem produzierten Premium-EBS WasteMining –Roh- und Brennstoffe aus Abfall Vom Deponiebetreiber zum Rohstoff- und Energieversorger: Schnell kann sich das Image vom Abfallsammler zum Lieferanten für Roh- und Brennstoffe wandeln. Immer mehr Abfallwirtschaftsunternehmen beschäftigen sich mit Waste Mining. Die t+t a.s., ein slowakisches Public Private Partnership-Projekt, ist ein Beispiel dafür. Dr. Martin Wellacher Waste Mining steht für die Herstellung von Ersatzbrennstoffen (EBS) und Recyclingmaterialien aus Abfällenund istinMitteleuropa Stand der Technik. Abfallwirtschaftsunternehmenkooperieren mit der Industrie und liefern Recyclingrohstoffe und Alternativbrennstoffe zuden fossilen Energieträgern Erdöl, Gas und Kohle. Beides kann aus Abfall gewonnen werden. Diese Entwicklung überträgt sich nun vonMitteleuropa auf ost-, nordost- und südosteuropäischeLänder. Technologie aus Mitteleuropa Die Technologie dazuliefern Maschinenbauunternehmen wie die Komptech GmbH mit Sitz im österreichischen Frohnleiten. Eine Kombination aus mehrstufiger Zerkleinerung und Separationstechnik gewinnt Recycling-Materialien und Ersatzbrennstoffe aus häuslichen Abfällen. Komptech ist ein führenderinternationalerTechnologieanbieter von Maschinen und Systemen für die mechanische und mechanischbiologische Behandlung fester Abfälle und für die Aufbereitung holziger Biomasse als erneuerbarer Energieträger. Anwendung inOsteuropa In der nordslowakischen Stadt Žilina ist Waste Mining seit 2012 Standard. 40 000 Tonnen gemischte Abfälle aus Haushalten werden am StandortDolný Hri‹ov zu Recycling-Materialien undErsatzbrennstoffen aufbereitet. Das halb kommunale und halb private Unternehmen t+t a.s. betreibt die Aufbereitungsanlage mit den Komptech-Maschinen. Mit 200 Mitarbeitern erwirtschaftet es einen Jahresumsatz von 8 Millionen Euro bisher mit Abfallsammlung,dem Betriebvon zwei Deponien und technischenDienstenfür umliegende Gemeinden. Nunkam die Rohund Brennstoffversorgung für die Industrie hinzu. Für die Nord-Slowakei hat eine neue Ära begonnen. Mussten die Abfälle bisher vergraben werden, werden sie jetzt gewinnbringend aufbereitetund verkauft. Der erzeugte Premium-Ersatzbrennstoff geht andie Holcim AG, die damit ein Zementwerk inRohožník, nahe der Grenze zu Österreich, beheizt. Die Recycling-Materialien werden an Sortieranlagen geliefert, wosie weiter aufkonzentriert werden. Die Aufbereitungsanlage Žilina Die Projektdauer von der Idee zur Inbetriebnahme für t+t a.s. betrug zwei Jahre. Unterstützt wurde das Projekt vomEuropäischen Kohäsionsfonds, der großes Interesse ander Umsetzung von Projekten hat, die einerseits die Umwelt entlastenund andererseitsder Industrie Rohstoffeliefern. 24 UmweltMagazin September 2013

Mit der Anlage können in zwei Schichten biszu80000 Tonnenhäusliche Abfälle aufbereitet werden, was der Betreiber t+t aber erst in einem zweiten Schritt vorhat. Derzeit wird in einer Schicht gearbeitet. Die Maschinenabfolge lautet Vorzerkleinerer, Grobsieb, Feinsieb, Ballistikseparator und Feinzerkleinerer. Dabei kommen sobekannte Maschinennamen wieTerminator, Flowerdisc, Multistar, Ballistor und Rasorzum Einsatz. Das Geheimnis der Komptech-Technologie Prozesstechnischliegt das Geheimnis derKomptech-Technologie in derSeparationstechnik vor der Feinzerkleinerung. Inputspezifisch werden ballistische Separatoren, Scheibensiebe und Sternsiebesokombiniert, dass eine klare Trennung zwischen Recycling- und Ersatzbrennstoff-Fraktionen entsteht. Möglichst alle wertvollen Recyclingmaterialien von 50bis 100 mmsowie von 100 bis 300 mm müssen unabhängig von Ausgangsfeuchtigkeit feinteileund überkornfrei gewonnen werden. Außerdem muss die Anlage und vor allemder Feinzerkleinerervor Störstoffen wie Metallen, Keramik und Steinen geschütztwerden, da sonstdie Verschleißund Energiekosten erhöht und die Einsatzbereitschaftvermindert werden. Recyclingmaterial aus der Aufbereitungsanlage inŽilina aus dem ballistischen Separator (rollende Fraktion) 48% 24% 28% Premium-EBS Ø 40 mmm Deponiegut Unterkorn < 20 mm Recyclingmaterial Bilder (2) und Grafik: Komptech GmbH Technische Daten der Gesamtanlage in Žilina 7 Inputmaterial: gemischte häusliche Abfälle 7 Durchsatz pro Stunde: 23 Tonnen 7 Durchsatz pro Jahr und Schicht: 40000 Tonnen 7 Daraus gewonnener Premium EBS:11000 Tonnen 7 Installierte Leistung: 500 Kilowatt 7 Projektdauer: 24Monate 7 Lieferzeit Komptech Systemtechnik: 6Monate 7 Inbetriebnahme: 2012 Aufteilung der Outputmaterialien der Aufbereitungsanlage inŽilina (Gewichtsprozent) Recycling nur über ballistische Separatoren Windsichter kommen in modernen EBS-Aufbereitungsanlagen wenn überhaupt nur untergeordnet zum Einsatz. Sie könnten zwar genauso wie ballistische Separatoren die Schutzfunktion für den Feinzerkleinerer übernehmen, jedoch ist die Gewinnung der Recyclingfraktionen deutlich aufwendiger. In allenheuteerrichtetenAnlagen werden daher ballistische Separatoren installiert.Damit gelingt die Abscheidung einer schweren und kubischen Fraktion, die auf sich bewegenden schräg gestellten Paddeln abwärts rollen. Diese Fraktion enthält nun sowohl die wertvollsten Recyclingstoffe, wie Aludosen, PET oder HDPE, alsauchdie für denFeinzerkleinerergefährlichenStörstoffe. Technologie zur Aufbereitung vonEBS neben weiteren Anlagen in der Slowakei, Polen und Deutschland seit kurzem auch in Finnland und Slowenien angewendet. Kompakt, leistungsstarkund aus einer Hand ermöglicht sie unter unschlagbar geringen Betriebskosten denWandel vom Entsorger zum Ver- Slowakei, Polen, Finnland, Slowenien und Deutschland Als Erfolgsmodell wirddie Komptechsorger, vomDeponierenzum Verwerten – Waste Mining. Die erzielbaren Gewinne aus dem Verkauf der hochwertigen EBS und Recycling-Materialien schaffen eine Wirtschaftlichkeit trotz sinkenderEntsorgungserlöse bei derAbfallübernahme. Waste Mining ist eine mögliche Lösung für die Rohstoff- und Energieversorgung von Europa, wonoch immer 41 Prozent der Haushaltsabfälle deponiert oder ohne Energienutzung verbrannt werden. Unternehmen wie Komptech und t+t setzen ihreihreInnovationskraft dafür ein, dass Waste Mining zurRealität wird. Dr. Martin Wellacher, Komptech GmbH, Frohnleiten/Österreich, m.wellacher@komptech.com UmweltMagazin September 2013 25

Ausgabenübersicht