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9 | 2013

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Wasser/Abwasser Die inder Trinkwasserverordnung festgelegte Vorsorge vor Legionellen fordert Unternehmen, gewerbliche Vermieter und Betreiber von öffentlichen Gebäuden. Frischwassersysteme sind eine Möglichkeit, Problemen mit den gesundheitsgefährdenden Bakterien vorzubeugen. Bild: Alois Müller GmbH Frischwassertechnologie –wie hier bei der Grob-Werke GmbH &Co. KG in Mindelheim – kann Industrieunternehmen helfen, Probleme mit Legionellen zu vermeiden. Pflichten im Kampf gegen Legionellen Ulrich Kiechle Die Umsetzung der im Mai 2011 beschlossenen Änderung der Trinkwasserverordnung stellt die Gesundheitsämter und die Bevölkerung in Deutschland vor große Herausforderungen. Viele haben nochgar nicht realisiert, dass sie von dieser Neuregelung betroffen undnun verpflichtetsind, regelmäßig das Trinkwasser auf Legionellen hin untersuchen zu lassen. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) wurdeimMai 2001erlassen,die Novelle aus demJahr 2011 sollte bestehende Unklarheiten beseitigen. Die letzte Änderung erschien Ende des vergangenen Jahres.Die Novelle definierteinentechnischen Maßnahmewert für Legionellen. Dies hat zur Folge, dass gerade gewerbliche Vermieter und die Betreiber von öffentlichen Gebäuden wesentlich stärker in die Verantwortung genommenwerden. Wo endet der private Bereich? Dass öffentliche und private Bereiche nicht immer leicht zu trennen sind, zeigt folgendes Beispiel: Weil in Sportheimen, die eigentlich als private Einrichtungen gelten, Gastmannschaften duschen, gelten die Umkleiden als öffentliche Einrichtungen und unterliegen damit einer jährlichen Untersuchungspflicht. Nicht betroffen scheinendagegendie Eigentümer vonEin- oderZweifamilienhäusern, denn die dortigen Kleinanlagen unterliegen keiner Untersuchungspflicht. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn die Befreiung von der Probenahme-Pflicht istkeinFreibrief. Gesundheitlichen Folgen für Mitarbeiter oderMieteraus Legionellenbefall führen für den Inhaber oder Betreiber zu strafrechtlichen Konsequenzen, auch wenn sie von einer Prüfpflicht enthoben sind. Weiterhin werden in Unternehmen teilweise Trinkwasser-Untersuchungen von den Betriebsräten erfolgreich eingefordert auch inUnternehmen, die nach der Verordnung nicht dazuverpflichtetwären. Wiewichtig und sinnvoll die regelmäßige Untersuchung des Trinkwassersist, verdeutlicht der folgende Fall, der für Schlagzeilensorgte:ImDonaucenter in Neu-Ulm durften die Bewohner zuBeginn dieses Jahres drei Monate lang nicht duschen, weil hierbei einerRoutineuntersuchung Legionellen in gefährlicher Konzentration gefunden worden waren. Außerdem gilt eszubedenken, dass auchKlimaanlagen, die nicht derTrinkwasserverordnung unterliegen, regelmäßig geprüft werden sollten. So starben im Jahr 2010 in Ulm fünf Menschen, weil sichineinemKühlturmauf dem Dach eines großen Bürogebäudes Legionellen gebildet hatten, die über die Luft inder gesamten Stadt verteilt wurden. Umgehende Informationspflicht Werden bei der Probenahmen die Grenzwerte überschritten, gilt die umgehende Informationspflicht dem Gesundheitsamtund denbetroffenen Verbrauchern gegenüber. Wer dies unterlässt, macht sich strafbar. Jenach Befund und Legionellenkonzentration ergeben sich unterschiedliche Fristen für die Gegenmaßnahmen. Diese reichen von der Desinfektion bis hin zu Leitungsaustausch, dem Rückbau oder Erneuern derWarmwasserbereitung. 36 UmweltMagazin September 2013

Pflicht zur systemischen Untersuchung des technischen Maßnahmenwertes an mehreren repräsentativen und geeigneten Probenahmestellen Ein- oder Zweifamilienhaus? Trinkwassererwärmer > 400 Liter Inhalt? Rohrleitungsinhalt zwischen Abgang Trinkwassererwärmer und ungünstiger Entnahmestelle > 3 Liter Inhalt? Großanlage Kleinanlage Duschen oder sonstige aerosolbildende Zapfstellen vorhanden? Öffentliche Tätigkeit? (Abgabe von Trinkwasser an einen unbestimmten, wechselnden und nicht durch persönliche Beziehungen verbundenen Personenkreis) Jährliche Untersuchungspflicht, 3- jährliche Untersuchungspflicht ggf. durch Gesundheitsamt auf 3 Jahre verlängerbar, wenn keine Risikopatienten im Gebäude Gewerbliche Tätigkeit? (unmittelbare oder mittelbare zielgerichtete Trinkwasserbereitstellung im Rahmen einer Vermietung oder einer anderen selbstständigen, regelmäßigen und in Gewinnerzielungsabsicht ausgeübten Tätigkeit) 3-jährliche Untersuchungspflicht Entscheidungsmatrix zur Schnellanalyse der Untersuchungspflicht auf Legionellen. ja nein Keine Untersuchungspflicht Grafik: www.svmh.de Gerade alte Bestandsbauten gelten in der Branche als Problemobjekte, denn in derVergangenheit wurden Wasserleitungen und Warmwasserspeicher viel zu groß dimensioniertoderesfand eine Nutzungsänderung statt. Außerdem gibt esoft viele tote Leitungen, bei denen kein oder viel zu wenig Wasser fließt. Stehendes Wasser ist ein idealer Nährbodenfür Legionellen. Stichwort Legionellen Legionellen sind Bakterien, die Krankheiten auslösen können, zum Beispiel Lungenentzündungen oder Infektionen der Atemwege. Sie werden über die Atemwege aufgenommen, insofern ist der Wasserdampf, der beim Duschen entsteht, ein Risikofaktor. Gefährdet für das Erkranken an der von den Legionellen hervorgerufenen Legionärskrankheit sind vor allem ältere Menschen, Raucher und immungeschwächte Personen. Frischwassertechnologie hilft bei der Prävention Um ein mögliches Legionellen-Problem von vorneherein auszuschließen, setzen Unternehmen, wie die auf Anlagenbau, Energie- und Gebäudetechnik spezialisierte Alois Müller GmbH aus Memmingen bei Neubauinstallationen und Bestandssanierungen immer häufiger auf Frischwassertechnologie.Bei demzum Beispiel von der varmeco GmbH &CoKG, Kaufbeuren, angebotenem Verfahren findet keine Trinkwasserbevorratung statt, sonderndas Trinkwasserwirdgenau in demMoment erhitzt, in demes gebraucht wird. AufdiesesSystem vertrauen unter anderem die Kliniken und Krankenhäuser in Kaufbeuren, Buchloe und Marktoberdorf, aber auch Großunternehmen wie MAN, Lufthansa, VW oder Mercedes Benz/ DaimlerChrysler. Die Alois Müller GmbH hat unter anderem ihren eigenen Betriebauf ein Frischwassersystem umgerüstet. Weil der Anlagenbauer seine Produktion in eine neugebaute, energieautarke Produktionshalle in Ungerhausen ausgelagert hatte,nutztenamAltstandort weniger Beschäftigte die Duschanlagen. Dadurch war der vorhandene Wasserspeicher zu groß. Mit der Frischwassertechnik wird nun bedarfsgerecht Warmwasser erzeugt. Probenahme als potenzielle Fehlerquelle Wer nicht weiß, ob und in welchen Zeiträumen er seine Trinkwasseranlage untersuchen lassen muss, sollte beim örtlichen Gesundheitsamt nachfragenund sichanExperten wenden. Damit ist man auf der sicheren Seite und schließt Fehlerquellen aus. Oft genug sind fehlerhafte Proben der Grund für unnötige Aufregung. Bei Unternehmen, die regelmäßige Untersuchungen durchführen müssen, ist es ratsam, geeignete Probenentnahmestellenzuinstallieren. Betreiber, die laut Trinkwasserverordnung zur Trinkwasser-Probenahme verpflichtet sind, müssen dies bis zum 31. Dezember 2013 getan haben. Ab Oktober werden voraussichtlich kaum noch freie Ressourcen inden Laboren vorhanden sein. Wer die Probenahmen später als gefordert durchführt, riskiertein Bußgeld. Ulrich Kiechle, Alois Müller GmbH, Memmingen, info@alois-mueller.com UmweltMagazin September 2013 37

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