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9 | 2013

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ORGANSCHAFTEN ISO/TC 207

ORGANSCHAFTEN ISO/TC 207 –neuesteTrends Das Technische Komitee ISO/ TC 207 trifft sich jährlich zur Weiterentwicklung der Umweltnormenreihe ISO 14000ff. Ziel dabei ist es, zukünftige Anforderungen verschiedener Normen international zu diskutieren. Der nachfolgende Bericht beleuchtet die neuesten Trends zum Thema. Rund 250 Delegierte, Experten und Vertreter von Liaison-Organisationen aus etwa40Ländernnahmen vom 20.bis zum 28. Juni 2013ander 20.Plenarsitzung des ISO/TC207 Umweltmanagement in Gaborone/Botswana teil. Die deutsche Delegation warmit 11 Mitgliedernauch in diesem Jahr wieder gut vertreten. Vom European Network of Environmental Professionals (ENEP) war ebenfalls eine deutsche Liaison-Expertin vertreten. SC1 –Umweltmanagementsysteme Umweltmanagement befasst sich im Schwerpunkt damit, wie Unternehmen und OrganisationenihreBeziehungen zur Umwelt systematisch gestalten und ihre diesbezügliche Leistung kontinuierlich verbessern können. Ein nach ISO 14001 konformes Umweltmanagementsystem leistet dazu einen wertvollen Beitrag für das Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens. Dieser Faktor wird inder laufenden Revision von ISO 14001 weiter gezielt verstärkt. Die im Februar 2012 begonnene Revision ist für die Internationale NormenorganisationISO sehr wichtig, dennmittlerweile ist die Norm, die erstmals 1994 publiziert wurde, mit ihren Anforderungen fast 20 Jahre alt. Rund 300 000 Nutzer jeder Größe und Branche weltweit –vom Kleinbetrieb über große Industrieunternehmen bishin zu Behörden und öffentlichen Einrichtungen – erwarten eine zukunftsweisende Überarbeitung der in 2004zuletztnur marginal angepassten Norm. Allein in Deutschland gibt es etwa 6000 Organisationenmit einem zertifizierten ISO14001 Umweltmanagementsystem. In Botswana (im Bild das Okavango Delta) traf sich das Technische Komitee ISO/TC 207 zur Weiterentwicklung der Umweltnormenreihe ISO 14000ff. Die Revision erfolgt mit dem Ziel, das Umweltmanagement verstärkt in die Geschäftsprozesse einer Organisation zuintegrieren und Potenziale dadurch besser zu nutzen. Die Überarbeitung des Anforderungskataloges legt einen besonderen Fokus auf die folgenden Themen: 7 umfassenderer Einbezug aktueller und künftiger Umwelt- und Geschäftsbelange im Sinne einer strategischen Unternehmensführung, 7 stärkeres Augenmerk auf Risiko- und Chancenermittlung im Zusammenhang mit signifikanten Umweltaspekten, anwendbaren gesetzlichen Forderungen und freiwillig akzeptierten Verpflichtungen, 7 intensivere Ermittlung und Berücksichtigung von Anforderungen interessierter Kreise und Stakeholder, 7 Messung der Umweltleistung anhand von Leistungsindikatoren, 7 Berücksichtigung von Lifecycle-Überlegungen bei verschiedenen Tätigkeiten wie beim Produktdesign, ausgelagerten Prozessen und der Lieferkette, 7 deutlichere Orientierung der externen Kommunikation an den Umweltmaßnahmen und Leistungen der Organisation, 7 weitere Fokussierung auf die Einhaltung zutreffender Rechtsgrundlagenund anderer Bestimmungen wie Selbstverpflichtungen einer Organisation, 7 Akzeptanz und Anwendungsmöglichkeit auch für kleine und mittlere Unternehmen sowie 7 Verbindung beziehungsweise Integration paralleler und ergänzender Systeme wie Treibhausgas- und Energiemanagement, nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung. Anfang 2013 wurde den Nutzern und interessierten Kreisen mittels einer Umfrage auf der ISO-Website die Möglichkeit gegeben, Wünsche und Erwartungen an die Novellierung der ISO 14001zuäußern.Daraus hatsich ergeben,dass sichdie Mehrheitder Antwortgeber für eineAusweitungder Anforderungen ausspricht. Verlauf der Revisionsarbeiten Die Arbeiten der Revision werden etwas über drei Jahre andauern, sodass die Publikation der neuen ISO 14001 voraussichtlich im Sommer 2015 erfolgen wird. Dabei gilt es, eine spezielle Herausforderung zu bewältigen, denn der Umweltanforderungskatalog ist in eine gänzlich neue Normstruktureinzubauen–dieHigh- Level-Struktur. Diese im Jahr 2012 von ISO inden Direktiven als Annex SLfestgelegte verbindliche Struktur beinhaltet für alle Managementsystem-Normen einheitliche Texte und Begrifflichkeiten. Dadurch Bild: SXC. 60 UmweltMagazin September 2013

Kontakt Verband der Betriebsbeauftragten (VBU) e.V. Jörg ten Eicken Alfredstraße 77-79 45130 Essen Tel.: 0201/95971-15 Fax: 0201/95971-29 info@vbu-ev.de www.vbu-ev.de geht die erforderliche Diskussion und Konsensfindung unter den Experten über die bisherigen rein inhaltlichen Diskussionen hinaus, was den Revisionsprozess verlangsamt. Allerdings ist seitens ISO die Devise klar: Unternehmen und Organisationen müssen zukünftig in allen Managementsystemen mit einer einheitlichen Grundstruktur inklusive Sprachebedientwerden,umdie unnötigen Unterschiede zu eliminieren, die Integrationseffekte zu steigern unddie Anwendbarkeit zuerleichtern. Bei der Sitzung der Arbeitsgruppe Ende Juni dieses Jahres in Botswana lagen demzufolge auch bereits 1300 Kommentare auf 270 Seiten zur intensiven Diskussion vor. Das Ziel der Arbeitsgruppe zur Revisionder ISO 14001für das Meeting war ursprünglich, den Komitee-Entwurf (CD2) fertig zu stellen. Auf Grund des Umfangs der Kommentare wurde dieses Ziel leider nicht erreicht. Ausblick aus Sicht der Anwender Anwender können von einer revidierten ISO 14001 erwarten, dass bestehende bewährte Umweltmanagementsysteme nicht substanziell umgebaut werden müssen. Allerdings sind dabei die zuvor erwähnten neuen Ziele und Schwerpunkte zuberücksichtigen: Dazu gehört, dieIntegrationindie Geschäftsprozesse weiterzufördernund dieSteigerung der Umweltleistung verstärkt über Kennzahlennachzuweisen. Somitbesteht dieChance, die Bedeutung desUmweltmanagements als Fundament eines Nachhaltigkeitsmanagements sowie als integralen Bestandteil einer risikobasierten strategischen Unternehmensführung weiter zu steigern. SC2 –Umweltaudit Hinsichtlich der anstehenden Überprüfung der ISO 14015 „Umweltmanagement –Umweltbewertung von Standorten und Organisationen“erfolgte eine Umfrage bei den nationalen Normungsorganisationen, ob der Standard überarbeitet werden soll. Da 44 Prozent der Länder die Norm ohne Änderungen bestätigen möchten, sollen vor einer endgültigen Entscheidung noch mögliche Inhalte und Änderungsvorschläge hinterfragt werden. Die Erarbeitung vonVorgaben zur Auditierung und Verifizierung öffentlich zugäng- Im Gaborone International Convention Center, Botswana, fand die diesjährige Plenarsitzung des ISO/TC 207 Umweltmanagement statt. licher Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte wird befürwortet. Esmuss aber darauf geachtet werden, dass die vielen betroffenen Interessensgruppen innerhalb und außerhalb von ISO eingebunden werden. SC3 –Umweltkennzeichnung Zielund Umfang der Arbeit des SC3 wurden in einem Workshop zur Vorbereitung der Revision der ISO 14020 Reihe bestätigt. Damit bleibt dasSC3 weiterhinfür alle Kommunikationsthemen des TC207 zuständig. Zukünftige Aufgaben liegen bei einer horizontalen Norm zur Kommunikation von beispielsweise CO 2 -und Wasser-Fußabdrücken und in einer Ergänzung der ISO 14024, TypILabel, die die Überprüfungspraxis und Anforderungen an die Datenqualität an andere Normen der ISO 14020 Reihe anpassen soll. SC4 –Umweltleistungsbewertung Zur Grundnorm dieses SC4 und der ISO 14031 „Umweltleistungsbewertung“ wurden die letzten eingereichten Kommentare zum Internationalen Schluss-Entwurf (FDIS) beraten und beschlossen. Im August wurde die Richtlinie schließlich veröffentlicht. Für dieTagung imnächsten Jahr wird dann eine ausführliche Präsentation von einem deutschen Experten, unter Einbeziehung der zwischenzeitlichen Ermittlungen der Task Group und der Kommentierungen der SC4-Mitglieder,erfolgen. Dies soll alsBeratungs-Grundlage für weitere SC4-Tätigkeiten dienen. Zum Normvorhaben Environmental Technology Verification (ETV) fand die erste Sitzung einer neu gegründeten Arbeitsgruppe statt. Die neue Norm soll die Grundlagen und Anforderungen aneinen zu normenden ETV-Prozess beschreiben und Leitlinien für die Durchführung und Organisation der Performance Verifizierung von Umwelttechnologien vorgeben. Nach einem Überblick verschiedener Länder zur Verifizierung von Umwelttechnologien zeigte sich, dass die Herangehensweise und die Anforderungen der Behörden sehr verschieden sind. Die Art der Bestätigung für die Einhaltung festgelegter Anforderungen andie Technologien geht von der Selbsterklärung des Entwicklers, über die Nutzung von Inspektionsstellen bis zur Forderung nach einer Verifizierung durch einen Unabhängigen Dritten. Man einigte sich zunächst darauf, dass die derzeit angewendeten verschiedenen Prozeduren und Initiativen zu ETV intensiver untersucht werden sollen. Damit soll erreicht werden, dass die Verfahren zur Verifizierung von Umwelttechnologien von kompetenten Stellen durchgeführt und die Ergebnisse auch international anerkannten werden können, indem man sich der gängigen Verfahren der Konformitätsbewertung bedient. UmweltMagazin September 2013 61

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