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9 | 2013

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SERVICE Umweltmärkte

SERVICE Umweltmärkte Indiens Wasserwirtschaft braucht Investitionen Bild: Christian Platz Indien steckt ineinem Dilemma: Einem hohen Wasserbedarf steht eine mangelnde Versorgung gegenüber. Inden Metropolen gehören lange Schlangen vor öffentlichen Wasserleitungen zum Alltag, auf dem Land haben viele Menschen nicht einmal Zugang zusauberem Wasser oder sanitären Anlagen. Die Situation imAbwassersektor sieht nicht besser aus: Nur knapp ein Drittel der städtischen Abwassermenge wird überhaupt behandelt. German Water Partnership (GWP) ist als international agierendes Netzwerk weltweit aktiv und fokussiert dabei seine Aktivitäten auf definierte Fokusländer und -regionen in länderspezifischen Arbeitsgruppen, den sogenannten Länderforen. Einesdavon ist das„Länderforum Indien“. Experten der Wasserbranche aus Industrie und Forschung bündeln hier ihre Kompetenzen, umlangfristige Kontakte aufzubauen, Projekte anzustoßen und individuell angepasste wasserwirtschaftliche Lösungen für die vielfältigen Problemstellungen in Indien zu entwickeln. Indien steht vor großen Herausforderungen Indienverfügtnur über 4Prozent der weltweiten Süßwasserressourcen, muss aber 16Prozent der weltweiten Bevölkerung mitTrinkwasser versorgen. Das rasante Bevölkerungswachstum und die schnelle Wirtschaftsentwicklung verschärfen die Situation. Dabei ist Indiens Landwirtschaft mit rund 80 Prozent der größte Verbraucher des Landes. Laut einer Studie der „2030 Water Resources Group“ soll sich der Wasserbedarf bis 2030 auf jährlich 1,5 Billionen Kubikmeter verdoppeln. Die mangelhafte Wasserversorgung und Abwasserbehandlung könnten sich in den kommenden Jahren zu einemernsthaften Problem für die Wirtschaft entwickeln. Die Grundwasserstände des Landes sind in den vergangenen Jahren schneller gesunken als bislang angenommen, sodass extreme Wasserknappheit und damit Produktionsausfälle in der Landwirtschaft drohen. Auch die Abwasseraufbereitung ist mangelhaft: Rund zwei Drittel der Gesamtabwassermenge fließen wieder unbereinigt in den Wasserkreislauf.Abgesehen von den geringen Kapazitäten der Kläranlagen, ist eine weitreichende zentrale Abwasserbehandlung aufgrund des eingeschränktvorhandenen Kanalisationssystems nicht möglich. 20 Prozent mehr Effizienz bis 2017 Indien hat sich zum Ziel gesetzt, die Effizienz der Wassernutzung bis 2017 um ein Fünftel zu steigern. Umdieses Ziel zu erreichen gibt es verschiedeneAnsätze und Maßnahmen. Der neue Entwurf der Regierung zur „National Water Policy“ sieht unter anderem vor, Wasser als Wirtschaftsgut zu behandeln. So soll den Menschen der Zugang zu Wassererleichtert und gleichzeitig Richtlinien für eine nachhaltige und schonende Nutzung der Wasserressourcen entwickelt werden. Der Plan sieht weiterhin eine Erhöhung der Wasserpreise vor, umden Ausbau der Wasserinfrastruktur vorantreiben zu können. Die bisher künstlich niedrig gehaltenen Preise decken in der Regel nur 30 bis 35Prozent der Kosten für Instandhaltung und Betrieb ab und geben dem Verbraucher keinen Anreiz, die Ressource Wasser in ausreichendem Maße zu schonen undidealeinzusetzen, was wiederum zu Verschwendung und schließlich zu deutlich erhöhten Kosten führt. Im Bereichder Wasserversorgung setzt Indien insbesondere auf den Privatsektor, hier will die Regierung in Zusammenarbeit marode Leitungssysteme modernisieren und erweitern, um die notwendigen Investitionen zubewältigen. Außerdem sollen Investitionen in Wasser sparendeProduktionstechniken für Unternehmen attraktiver werden. Geplant ist auch der Bau weiterer Meerwasser-Entsalzungsanlagen. 68 UmweltMagazin September 2013

Bilder (2): Michel Bau GmbH Lose Ablagerungen werden mittels Wasserhochdruck beseitigt. Der Saugwagen nimmt das entstehende Spülgut auf, umdie Fremdstoffe aus der Leitung zuentfernen. Durchpressung einer der Hauptverkehrsstraßen Ziel: Nachhaltiges Wassermanagement Viele GWP-Mitglieder engagieren sich in Indien bereits erfolgreich im Bereich der Wasserwirtschaft. Ein Projekt, in dem GWP-Mitglieder aus Wirtschaft und Forschung gemeinsam agieren, ist das WaLUE (Water Losses in Urban Environment) in der Stadt Tiruvannamalai. Ziel des Vorhabens ist es, amBeispiel dieser Stadt ein Lösungskonzept für ein 1. Indian-German WaterPartnership-Day Wasserverlustreduktionsprogramm (WLRP) zuentwickeln, zugeschnitten auf die Situation von Versorgungsbetrieben in Indien. Das Konzept soll auf andere Entwicklungs- und Schwellenländer übertragbar sein. Vorhandene Methoden und Technologien werden angepasst und ein Geschäftsmodell wird entwickelt, das den zuverlässigen Betrieb nachhaltig absichert. Am Vorhaben sind na- GWP verfolgt hinsichtlich der Projekt- und Kooperationsaktivitäten den Ansatz einer interdisziplinären Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe. Hierfür ist es wichtig, die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft miteinzubinden. Ein erfolgreiches Instrument zur Kontakt- und Geschäftsanbahnung sind die German Water Partnership-Days (GWP-Days). Am 22. Oktober 2013 wird im Vorfeld der IFAT India der 1. Indian- GWP-Day in Bangalore stattfinden. Auf der vom GWP-Länderforum initiierten Veranstaltung werden indische und deutsche Experten regionale Schwerpunktthemen diskutieren: Herausforderungen in der Trinkwasserqualitätskontrolle in urbanen und ländlichen Gegenden, effizientes Management von Wassernutzung und Energieverbrauch in der Industrie- Wasser und-Abwasseraufbereitung sowie nachhaltige Lösungen im Gewässerschutz für kommunales Abwasser- und Regenwasser-Management. GWP wird sich außerdem gemeinsam mit seinen Mitgliedern auf der IFAT India in Mumbai vom 24. bis zum 26. Oktober mit einem Gemeinschaftsstand präsentieren und organisiert am 25.Oktober im Rahmen der Messe ein Forum mit Fachvorträgen zum Thema „German Solutions for Indian Challenges“. Mehr Informationen zum 1.Indian-GWP-Day und Anmeldung finden Sie unter www.germanwaterpartnership.de. tionale und internationale Kooperationspartner beteiligt. Koordinator des Projektes ist das GWP-Mitglied IEEM – Institut für Umwelttechnik und Management, weitere beteiligte GWP-Mitglieder sind die DORSCH Consult und Umwelt GmbH, SebaKMT,WILOSEund VAG-Armaturen GmbH. Das mit Mitteln des TNUDF (Tamil Nadu Urban Development Fund)co-finanzierte Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird mit verschiedenen indischen Partnern durchgeführt. Beim Kickoff Meeting bei der KfW in Frankfurt,einemder Kreditoren des TNUDF und Unterstützer von WaLUE, wurden konkrete Schritte erarbeitet, umdas Projekt gemeinsam zielführend zu starten. Eine andere konkrete Maßnahme des GWP-Mitglieds Michel Bau GmbH die imAugust 2013 erfolgreich abgeschlossen werden konnte, hatte eine umfassende Kanalsanierung in Kalkutta zum Ziel. Das zentrale Abwassernetz wurde während der britischen Kolonialherrschaft gebaut und ist das drittälteste der Welt. Der zu sanierende Mischwasserkanal, mit einer Länge von rund 4Kilometern, wurde seit dem weder ernsthaft inspiziert, noch gereinigt oder gar instandgesetzt. Im Rahmen des Projektes hat die Michel BauGmbH dieVorflutsituation entlang der Sanierungsstrecke optimiert und die statische Tragfähigkeit des Abwasserkanals sichergestellt. Insbesondere soll durch die Reinigung der Kanäle eine wesentliche Reduzierung der durch die Monsun Regenfälle verursachten Überflutungen erreicht werden. Diese Überflutungen führen neben wirtschaftlichen Schäden, einer zusätzlichen Verschlechterung der sanitären Situation und erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch immer wieder zu Todesfällen. Das in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführte Projekt wurde in diesem Jahr mit der Verleihung des GSTT Awards für das beste Auslandsprojekt in grabenloser Sanierungsverfahren honoriert. Gemeinsam Herausforderungen meistern Die Aktivitäten von German Water Partnership sowie die Projektbeispiele der Mitglieder verdeutlichen, dass internationale Kooperation und integrierte Lösungsansätze Erfolgsfaktoren für ein langfristig erfolgreiches Wassermanagement sind. German Water Partnership wird sich daher auchinZukunft für ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement weltweit einsetzen, denn Wasser bleibt der kostbarste Rohstoff. AnkeOrtmann, German Water Partnership e.V., Berlin, www.germanwaterpartnership.de UmweltMagazin September 2013 69

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