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9 | 2014

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TECHNIKUND MANAGEMENT

TECHNIKUND MANAGEMENT Abfall/Recycling Im Rheinaue Hafen Mannheim entsteht derzeit eine Recyclinganlage, in der aus gebrauchten Kunststoffen wieder das Ausgangsprodukt Öl gewonnen wird. Sie folgt der Pilotanlage des Unternehmens Nill-Tech, die erfolgreich von 2007 bis 2013 lief. Heizölaus Plastikmüll Oskar Edler von Schickh und Dieter Stolle Die wertvollen langkettigen Kohlenwasserstoffe, die bei derKunststoffherstellung entstehen und das Plastik für natürliche Zersetzungsprozesse so unempfindlich machen, haben ihren hohen Energiegehalt gewissermaßen im Kunststoff geparkt. Durch den Syntrol-Prozess wirdder Rohstoff Öl zurückgewonnen. Im Jahr 2005wurde das Verfahren für die industrielle Anwendung weiterentwickelt und hat entsprechende Patente erhalten. Pyrolyse bei bis zu 400 °C Für den Pyrolyse-Prozess wird der Kunststoff zunächstgrobzerschreddert, dann sortiert und danach auf eine Körnung von 1bis 30Millimeter zerkleinert.Indreinacheinandergeschalteten Reaktoren wird das Inputmaterial auf unterschiedliche Temperaturen erhitzt und bei bis zu400 °C eingeschmolzen. Dabei entstehen Gase, die im nachfolgendenCracktowerabgekühlt und über Kondensation verflüssigt werden. Am Endedes Prozessesliegt einhochkalorisches Kohlenwasserstoff-Öl vor. Die Kontrollen des unabhängigen Prüfungsunternehmens Dekraund deswissenschaftlichen Beratungsinstituts Epea Internationale Umweltforschung GmbH bestätigen, dass das Produkt die technischenVorgaben vonherkömmlichem Heizöl gemäß DIN 51603–1 erfüllt. Ähnlich wie diese Schweizer Pilotanlage wird auch die Syntrol-Anlage inMannheim einmal aussehen. Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent Ausrund 1000 Kilogramm Plastikmüll werden gut 850 LiterQualitäts-Öl gewonnen, das neben dem Einsatz als Heizöl auch als Rohstoff in der chemischen Industrie dienen kann. Im Prozess entstehen knapp 10 Prozent brennbare Gase, diefür dieWärmeversorgung derSyntrol- Anlage benötigt werden. Die entstehendenAbgasedes Heizsystems entsprechen in etwa denen einer Gasheizung eines normalen Einfamilienhauses. Sicherheitshalber werden die Abgase alkalischgewaschen. Der Wirkungsgrad der Syntrol-Anlage liegt damit bei etwa 90 Prozent. Restprodukt ist brennbare, Schemazeichnung der geplanten Anlage mit vier Produktionslinien schwefelarme Schlacke, die den Heizwert von Braunkohle besitzt. Sie kann thermisch in Feststoffwärmeanlagen genutztwerden, zumBeispiel in derZementindustrie. Da die neue Syntrol-Anlage mit dem Qualitäts-Öl einen flüssigen Energieträger erzeugt –und eben nicht überwiegend Gase –kann sieineinemvergleichsweise sehr tiefen Temperaturbereich arbeiten: Neben denenergetischen Vorteilen werden durch die niedrigen Temperaturen –abetwa 250 °C –umweltbedenkliche Prozesse vermieden. Des Weiterenbestehen80Prozentder Anlage aus Standard-Maschinenbaukomponenten. Nur etwa 20 Prozent 36 UmweltMagazin September 2014

sind neue Verfahrenstechnologien, die dendauerhaftenökonomischenBetrieb sicherstellen. Das verspricht in der Gesamtheit ein sicheres und damit betriebswirtschaftlich lohnendes Gesamtkonzept. Sortierung des Input-Materials erforderlich Entscheidend für die Qualität des zurückgewonnen Produkt-Öls ist die Zusammensetzung des angelieferten Kunststoffmülls. Nicht alle Kunststoffe lassen sich gleichermaßen in Öl zurückverwandeln. PVCmusswegen desChlorgehaltes, der beim Erhitzen zu Salzsäure wird, aussortiert werden. Auch die weitverbreiteten PET-Flaschen würden den Energiegehalt des Endprodukts verringernund werden daheraussortiert. Generell ist geplant, in der MannheimerAnlage in erster Linie das Altplastik zu verarbeiten, das beim Recycling bislang Probleme bereitet hat. Zum Beispiel die vielenVerbundkunststoffe, die sich nicht sortenrein trennen lassen. DieAnlage soll deshalb eine eigene,der Fabrik vorgeschaltete Kunststoff-Sortieranlage erhalten. Finanzierung über Fonds Das Emissionshaus Ventafonds aus Bremen hat für die Realisierung derSyntrol-Anlage einen Fonds aufgelegt. Die ökonomische Tragfähigkeit ist bei der geplanten, zweistelligen jährlichen Ertrags-Ausschüttung gewährleistet – auch wenn das wiedergewonnene Öl günstiger als der Marktpreis verkauft würde, was angedacht ist. Der technische Leiter der zukünftigen Anlage, Dieter Stolle, kalkuliert mit einem Verkaufspreisvon 65 Eurocent je Liter.Konkurrenzfähig ist man damit allemal, liegt doch der Heizölpreis bereits heute bei über 70 Cent je Liter. Im Vergleich zur Müllverbrennung soll die Anlage einen dreifach höheren Wirkungsgrad erreichen und den CO 2 -Ausstoß um zwei Drittel reduzieren. So leistetdas Verfahren aucheinen Beitrag zum Klimaschutz. Die Anlage wird jährlich 20000 Tonnen sortierte Abfall-Kunststoffe verarbeiten. 17 Millionen Liter Heizöl sollen daraus recycelt werden. Mit dem Syntrol-Verfahren kann ein Kreislauf organisiert werden, bei dem am Ende kein Abfall entsteht, sondern neue Rohstoffe, die für eine erneute Produktion genutzt werden können. Arbeiten nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip Im Julidieses Jahres hat die Anlage die Bestätigung der Umweltfreundlichkeit nachdem Cradle-to-Cradle-Konzept erhalten. Dieses wurde vom deutschen Chemiker und Verfahrenstechniker Prof. Michael Braungart entwickelt. Es besagt, dass der Rohstoffkreislauf so organisiertwird, dassamEnde kein Abfall entsteht, sondern neue Rohstoffe, die wiederum für die Produktion genutzt werden können. Produkte sollen schon im Entstehungsprozess so konzipiert werden, dass sie niemals zu unbrauchbaremMüll werden können. Bereits bestehende Produktionsverfahren sollen zumindest durch verbesserte Verwertungsprozesse sooptimiert werden,dass am Ende wieder Rohstoffe vorliegen. So wie der Plastikmüll in der Bild und Grafiken (2): Ventafonds Mannheimer Anlage zu einem neuen Rohstoff-Öl wird. Die Syntrol-Technik ist eine Unterart der Pyrolyse. Unterstützung erhält das Projekt deshalb auch durch Prof. Walter Kaminsky von der Universität Hamburg aus dem Fachbereich Technische und MakromolekulareChemie. Der renommierte Wissenschaftler hat dem Projekt auch seine ökonomische Funktionalität bestätigt. Dieter Stolle, Oskar Edler von Schickh, Öko-Energie Umweltfonds 1Beteiligungs GmbH, Bremen, info@ventafonds.de Hochtemperaturfackeln von den Profis UmweltMagazin September 2014 Kontakt Europa (Kiel, Deutschland): C-deg environmental engineering GmbH Email: info@c-deg.eu Telefon: +49 431 22017 0 Kontakt Südamerika (Bogota, Kolumbien): C-deg S.A.S. Email: colombia@c-deg.euTelefon: +57 1473 0383

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