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9 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Management Klimaschutz in Unternehmen: Stellenwert und Motive Aufgrund der zunehmenden negativen globalen Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise das vermehrte Auftreten von Extremwetterereignissen, weist der Weltklimarat in seinem jüngsten Bericht auf die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen hin. Die Folgen des Klimawandels sind auch für deutsche Unternehmen direkt oder indirekt spürbar, auch wenn diesbezüglich gegenwärtig insgesamt eine geringere negative Betroffenheit zu verzeichnen ist. Dennoch ist der Umwelt- und Klimaschutz ein Bestandteil unternehmerischer Strategien und Handlungen. Die Motive hierfür sind vielfältig, wobei die Bedeutung der regulatorischen, marktlichen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren hervorzuheben ist. Dr. Mahammad Mahammadzadeh Nach den Ergebnissen einer bundesweiten Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln [1] erwarten kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) künftig zunehmend von den Folgen des Klimawandels betroffen zu sein. Gegenwärtig nehmen KMU regulatorische und marktinduzierteAuswirkungen des Klimawandels aufgrund der relativ guten klimatischen Bedingungen stärker und eherfrüherwahr als eine direkteBetroffenheit bedingt durch natürlichphysikalische Klimawandelphänomene wie extreme Temperaturen, Stürme und Starkregenereignisse. Die Auswertungen des Carbon Disclosure Projects 2012 [2] zeigen, dass ebenso bei den DAX-Unternehmen die Wahrnehmung klimatisch-natürlicher Klimafol- Bild: Uwe Wagschal/Pixelio gen (direkte Betroffenheit) insgesamt geringer ausfällt als die indirekteBetroffenheit durch regulatorische Maßnahmen oder sonstige klimawandelbezogene Risiken undChancen[3]. Die CDP-Untersuchung lässt erkennen, dass die Chancen aus natürlichphysikalischen Klimaveränderungen durch Großunternehmen stärker indirekt als direkt wahrgenommen werden. DieGroßunternehmensehen Chancen beispielsweise ausveränderten Kundenansprüchen an innovative Produkte und neue Technologien, die helfen, möglichen Gefahren gegenüber besser aufgestellt zu sein. Dabei werden mit 81 Prozent die meisten ChancenimBereichvon vorhandenenund neuenProdukten und Dienstleistungen gesehen, die sich aus den veränderten klimatischen Bedingungen ergeben könnten, beispielsweise im Rahmen eines wachsendenKlimatisierungsbedarfs [4]. Priorität des Klimaschutzes Für einen wirksamen Umgang mit demKlimawandelist die Verfolgung einer Doppelstrategie von Klimaschutz und Klimaanpassung unabdingbar. Darüber besteht derzeit einKonsens in Forschung und Praxis. Obgleich die Strategie derKlimaanpassung eine große Aufmerksamkeit erfährt, hat der Klimaschutz jedochinder Unternehmenspraxis eine längere Tradition, die sichauch durch einbreitesSpektrumanAktivitäten und Maßnahmen auf der Produktund Prozessebene auszeichnet. Die Gründe hierfür sindvielfältig, wobei die Bedeutung der regulatorischen und marktlichen Einflüsse hervorzuheben ist. Den Ergebnissen der IW-Unternehmensbefragung zufolge wird die Strategie des Klimaschutzes mit 48 Prozent doppelt so oft inden befragten Unternehmen angewendet wie die Strategie derKlimaanpassung mit 24 Prozent [1]. Auch andere Unternehmensbefragungen zeigen, dass die Anpassungsmaßnahmen inder Wahrnehmung der Unternehmen „bisher noch eine untergeordnete Rolle spielen“.Trotz dergeringfügigen branchenbezogenen Unterschiede bleibt dieser Befund davon unberührt, „dass in sämtlichen Untersuchungsgruppen Klimaschutzmaßnahmen favorisiert werden“[5]. Wichtige Treiber des betrieblichen Klimaschutzes Die klimaschutzinduzierten Entscheidungen und Handlungen in Unternehmen werden durch interne und externe Faktoren beeinflusst. Die produkt- und prozessbezogenen Klimaschutzmaßnahmen werden vorallemdurch externe Faktoren aus dem regulatorischen, marktlichenund gesellschaftlichenUmfeld beeinflusst und teilweise auch dadurch determiniert. Dabei übt das regulatorische Umfeld eher eine „Push-Wirkung“ auf die Klimaschutzorientierung aus, während vondem marktlichenUmfeld und hierbesonders vondem klimaschutzbezogenen Nachfrageverhalten eine „Pull-Wirkung“ausgeht. Aufregulatorischer Ebene gibt es zahlreiche nationale, europäischeund internationale Gesetze und Verordnungen, die sich unmittelbar oder mittelbar auf dem Klimaschutzbereich beziehen. Unterdiesem Aspekt istesauchnicht überraschend, wenn bei der Befragung des IW-Umweltexpertenpanels im März/ April 2014 die gesetzlichen Vorgaben 48 UmweltMagazin September 2014

Gesetzliche Vorgaben 72,4 79,3 Lärmbekämpfung 4 Abfallwirtschaft 5 Sonstige 4 Kostenreduzierung 51,4 48,3 Abwasserwirtschaft 9 Freiwillige Selbstverpflichtung Bessere Marktchancen durch Klimaschutzprodukte 52,4 36,2 40,0 46,6 Unternehmen Verbände Luftreinhaltung 10 Insgesamt 66,9 Milliarden Euro Klimaschutz 68 Zunehmender öffentlicher Druck 32,4 41,4 Eigene Betroffenheit durch den Klimawandel 28,6 27,6 Staatliche Unterstützung 21,0 19,0 Grafik 2: Gesamtumsatz mit Umweltschutzgütern im Jahr 2011, Angaben in Prozent, Quelle: Statisches Bundesamt, 2013 Grafik 1: Motive des Klimaschutzes, Angaben in Prozent; Quelle: IW-Umweltexpertenpanel 2/2014 Befragung von 163 Umweltexperten der Wirtschaft im März/April 2014 Literatur [1]Mahammadzadeh, Mahammad/Chrischilles, Esther/Biebeler, Hendrik (2013): Klimaanpassung in Unternehmen und Kommunen –Betroffenheiten, Verletzlichkeiten und Anpassungsbedarf, IW-Analysen Nr. 83, Köln 2013 [2] Carbon Disclosure Project, 2013: Investor CDP 2012 Information Request. [https://www.cdp.net/CDP%20Questionaire%20Documents/Investor-CDP-2012-Information-Request.pdf] und Carbon Disclosure Project, 2013: Company &city responses. [https://www.cdp.net/en-US/Results/Pages/responses.aspx; 26.06.2014] [3]Mahammadzadeh, Mahammad/Chrischilles, Esther/Livonius, Marina (2014): DAX-Unternehmen und Klimawandel –empirische Befunde aus dem Carbon Disclosure Project 2012. In: Mahammadzadeh, Mahammad/Bardt, Hubertus/Biebeler, Hendrik/ Chrischilles, Esther/Striebeck, Jennifer (Hrsg.): Unternehmensstrategien zur Anpassung an den Klimawandel. Theoretische Zugänge und empirische Befunde, München 2014, S. 87–95 [4] Chrischilles, Esther/Mahammadzadeh, Mahammad (2014): Wahrnehmung des Klimawandels indeutschen Großunternehmen –Erkenntnisse aus dem Carbon Disclosure Project. In: IW-Trends 1/2014, S. 3–16 [5] Freimann, Jürgen/Mauritz, Carsten (2010): Klimawandel und Klimaanpassung in der Wahrnehmung unternehmerischer Akteure, Werkstattreihe Nachhaltige Unternehmensführung. Bd. 26, Kassel 2010 [6] Statisches Bundesamt (2013): Umwelt. Umsatz mit Waren, Bau und Dienstleistungen für den Umweltschutz 2011, Fachserie 19Reihe 3.3, Wiesbaden 2013, [https://www.destatis.de/ DE/Publikationen/Thematisch/UmweltstatistischeErhebungen/ Umweltoekonomie/UmsatzWarenBauDienstleistungUmweltschutz2190330117004.pdf?__blob=publicationFile; 26.06.2014] von rund drei Viertel der 163befragten Umweltexperten der Wirtschaft anerster Stelle als Hauptmotiv für die Durchführung von Klimaschutzmaßnahmen in Unternehmen angesehen werden. Dieses Motiv wurdebei denWirtschaftsverbänden mit 79 Prozent häufiger genannt als bei Unternehmen mit 72 Prozent. Unmittelbar danach sehen die Hälfte der befragten Umweltexperten marktrelevante Aspekte wie Kostenreduzierung durch Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise durch eine Erhöhung der Energie- und Materialeffizienz und die weitgehende Schließung von Stoffkreisläufen als treibende Motive. An dritter Stelle rangiert mit gut 47 Prozent freiwillige Selbstverpflichtung als ein wichtiges Motiv für den Klimaschutz,wobei dies bei den befragten Unternehmen mit 52 Prozent öfter genannt wurde als bei den Wirtschaftsverbändenmit 36 Prozent. Gut 40Prozent der befragten Umweltexperten sehen zudem Marktimpulse und Chancen durch Klimaschutzprodukte und Dienstleistungen (etwa Nachfrageerhöhung, Export und öffentliche Aufträge) als wichtigen Treiber für den Klimaschutz. Ausblick Mit Blick auf Klimaschutz- und Energieeffizienztechnologien sind die deutschenUnternehmenauf globalen Märktengut positioniert. Diese Technologiesegmente gehören zuden wichtigsten Leitmärkten der deutschen GreenTech- Branche. Wie Grafik 2zuentnehmen ist, konnten dem Statistischen Bundesamt zufolge die Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs in Deutschland allein mit Klimaschutzgüternund -dienstleistungen imJahr 2011 einen Umsatz von rund 45,5MilliardenEuroerzielen. Dies bedeutet bezogen auf den Gesamtumsatz mit Umweltschutzgütern von 66,9 Milliarden Euro einen Anteil von 68 Prozentund somit auchden größten Anteil am Gesamtumsatz im Jahr 2011 [6]. Der zunehmende öffentliche Druck, ebenso wie die staatlichen Unterstützungen (etwa imRahmen der ökologischen öffentlichen Beschaffung), könnte den betrieblichen Klimaschutz positiv beeinflussen. Wie zuvor bereits erwähnt wurde, hat die Expertenbefragung auch bestätigt, dass die eigene direkte Betroffenheit durch natürlichphysikalische Klimafolgen kein ausschlaggebender Einflussfaktor für den betrieblichen Klimaschutz ist. Nur 28 Prozent der befragten Umweltexperten stufen die eigene Betroffenheit als wichtiges Motiv für KlimaschutzmaßnahmeninUnternehmenein. Dr. Mahammad Mahammadzadeh, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., Köln, Mahammadzadeh@iwkoeln.de UmweltMagazin September 2014 49

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