Aufrufe
vor 4 Jahren

9 | 2014

  • Text
  • Wasser
  • September
  • Umweltmagazin
  • Unternehmen
  • Anlagen
  • Millionen
  • Deutschland
  • Betrieb
  • Umwelt
  • Energie

MEDIENPARTNERSCHAFT

MEDIENPARTNERSCHAFT Überarbeitung der ISO14001 Kontakt Deutsche Gesellschaft für Qualität e. V. (DGQ) Rolf Henning August-Schanz-Str. 21 A 60433 Frankfurt am Main Tel.: 069/95424-170 Fax: 069/95424-296 rh@dgq.de www.dgq.de Mehr als 300000 Organisationen warten derzeit auf eine zukunftsweisende Überarbeitung der Norm ISO 14001 „Umweltmanagementsysteme“. Allein inDeutschland sind etwa 6000 danach zertifiziert. Jetzt zeichnet sich ein Konsens für die zukünftigen Anforderungen ab. Bild: Rainer Sturm/Pixelio Kürzlich reisten mehr als 300 Delegierte und Vertreter von Liaison-Organisationen aus 39Ländern zur 21. ISO/TC 207 Plenarsitzung nach Panama City, um die Fortentwicklung der Normenreihe zu diskutieren. Eine zwölf Personen umfassende deutsche Delegation, darunter auch Thomas Votsmeier, Leiter der Personenzertifizierung bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ), vertrat die nationalen Interessen inden Sitzungen. Im Themenschwerpunkt „Umweltmanagementsysteme – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ wurden die rund 1600 Kommentare zum Komitee-Entwurf final diskutiert. „Die14001-Revision zieltdarauf, das Umweltmanagement verstärkt in die Geschäftsprozesse einerOrganisation zu integrieren, und vorhandene Potenziale besser zunutzen“, berichtet Bernhard Schwager, Obmann im Normenausschuss „172 Umweltmanagement“ beim DIN. Veränderte Perspektive von Umweltaspekten Schwager, der hauptberuflich Leiter der Geschäftsstelle Nachhaltigkeit innerhalb der Zentralabteilung Unternehmenskommunikation, Markenmanagement und Nachhaltigkeitder Robert Bosch GmbH ist, nennt die Einbettung der Norm in die von ISO vorgegebene High-Level- Struktur (HLS) „eine zentrale Herausforderung“. Diese Strukturaus dem Jahr 2012 definiert unter anderem harmonisierte Begriffe und Textbausteine für alleManagementsystemnormen und gibt somitverbindlich einen festen Rahmenvor,der zwar bedarfsweise erweitert, jedoch nicht inseiner Grundkonzeption geändert werden darf. Mit der Novellierung der ISO 14001 werde sich die Perspektive von Umweltaspekten verändern: „War inder Vergangenheit der Blick primär auf Umweltaspekte gerichtet, die von der Organisation auf die Umwelt einwirken, so spielt jetzt auch die entgegengesetzte Betrachtung eine Rolle. Damit wird relevant, inwiefern die Umwelt Auswirkungen auf die Organisation selbst haben kann, und wie die Organisation diesen Auswirkungen begegnet“, betont Votsmeier. Auch nehme die revidierte Fassung der Norm die oberste Führung der Organisation stärker in die Pflicht und zeige klar auf, welche ihrer Anforderungen delegiertwerden dürfen und welche bei der obersten Führung verbleiben. Proaktive Initiativen erwartet Das Stichwort „Umweltschutz“ erweitert die Erwartungen anOrganisationen umproaktive Initiativen. Dazu zählen nachhaltige Ressourcennutzung, Klimaschutz und Anpassung sowie Schutz der biologischen Vielfalt. Neu ist auch eine Verschiebung der Schwerpunkte im Hinblick auf die kontinuierliche Verbesserung –von der Optimierung des Management-Systems sowie auch der Umweltleistung. Dies soll stärkerals bisherdazu führen, dass Emissionen, Abwasser und Abfall auf einvon der Organisation festgelegtes Niveau reduziert werden. Vertiefend zur Bewertung direkter und indirekter Umweltaspekte sollen Organisationen ihre Kontrolle und ihren Einfluss auf die Umweltauswirkungen inBezug auf Produktnutzung und End-of-Life-Behandlung oder Entsorgung ausdehnen. „Dieses Lebenszyklus- Denken bedeutet jedoch nicht, eine Ökobilanz erstellen zu müssen“, sagt Schwager. Neu sei auch die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie mit gleich starker Betonung auf externer und interner Kommunikation. Am Ende haben die Experten der Arbeitsgruppe dem internationalenNorm-EntwurfISO/DIS 14001 (DIS: Draft International Standard) zugestimmt. Somit kann jetzt die Kommentierungsfrist beginnen, zu der das DIN den Entwurf für diesen Konsultationsprozess in deutscher Sprache veröffentlicht hat. 58 UmweltMagazin September 2014

BRANCHE Ersatzbrennstoffe aus Klärschlamm und Kunststoffabfällen Das für das Jahr 2017 geplante Verbot der landwirtschaftlichen Ausbringung von Klärschlämmen gibt dem Thema Ersatzbrennstoffe neue Beachtung. Durch das Vermischen mit anderen Abfallfraktionen werden die unterschiedlichen Materialeigenschaften vorteilhaft kombiniert. Rund 6 Millionen Tonnen nen Brennstoff, wird heute aber Ersatzbrennstoffe (EBS) immer stärker in Balance mit wurden im Jahr 2010 in dessen Umweltauswirkungen Deutschland hergestellt, Tendenz betrachtet. Beim Einsatz von steigend. Vor allem in In- dustrie-, Heiz- und Zementkraftwerken kommt der alternative EBS sparen Kraftwerksbetreiber vor allem fossile Energieträger ein und vermindern damit den Brennstoff anstelle von Öl, Erdgas Ausstoß des Treibhausgases und Steinkohle zum Einsatz. Dort meist in Mitverbrennung, Kohlendioxid (CO 2 ) wesentlich. Spitzenreiter im Klimaschutz ist während die Chemie-, Stahlund ein Gemisch aus EBS und Klärschlamm, Papierindustrie verstärkt auf eigene EBS-Kraftwerke setzt, die das einen biogenen Anteil von bis zu60Prozent enthält Wärme oder Strom aus der und damit größtenteils koh- Mono-Verbrennung aufbereiteter Abfälle erzeugen. Der Heizwert ist das wichtigste Qualitätskriterium für eilendioxidneutral ist. Sosparten damit etwanacheinerStudieder TU Dresden im Jahr 2006 Zementwerke rund 97 000 Tonnen Kunststoffabfälle, hier noch ohne Zuschlag, lassen sich durch das Zusetzen von Klärschlamm noch besser als Ersatzbrennstoffe handhaben. Bilder (2): Veolia Aus zerkleinerten Kunststoffabfällen und getrocknetem Klärschlamm werden energiereiche Pellets geformt. CO 2 ein. Bei Braun- und Steinkohlekraftwerken wurden sogar 822000 Tonnen des Treibhausgases vermieden. Mit Plastikabfällen vermischen Wie wird aus Klärschlamm Ersatzbrennstoff? Dieinder Kläranlage anfallenden Rohschlämme bestehen zu über 90 Prozentaus Wasserund müssen zunächst entwässert und eventuell zusätzlich mit Sonnenenergie oder Abwärme getrocknet werden. Mitunter wird bereits ausgefaulter Klärschlamm verwendet, der mit einem immer noch nennenswerten Heizwert als EBS weiterverarbeitet werden kann. TVF Waste Solutions, ein Tochterunternehmen des UmweltdienstleistersVeolia, bezieht Klärschlamm aus den in der Gruppe betriebenen Kläranlagen oder von Partnerkläranlagen.Beprobt, analysiert, gesiebt und entwässert geht der Klärschlamm teils zur direkten Verbrennung, teils zu einer EBS-Aufbereitungsanlage in Spremberg/Schwarze Pumpe. Dort wird er mit nicht recycelbaren Plastikabfällen mit hohem Heizwert vermischt. Durch seinen Klärschlamm- Anteil überzeugt der gewonnene Brennstoff neben seiner guten CO 2 -Bilanz auch durch seine physikalischen Eigenschaften: Der Heizwert ist zwar geringer als reiner Kunststoff-EBS, doch der Wassergehalt im Klärschlamm verbessert die Dichte des sonst sehr staubigen Materials erheblich, was Transport und Handel erleichtert. Vorteile diverser Abfallstoffe nutzen EBS-Gemischewie dieses machen sich also die Vorteile unterschiedlicher Abfallstoffe zunutze. Außerdem ermöglichen sie mitBlick auf diegesetzlichen Entwicklungen der Klärschlammentsorgung neue Verwertungswege. Und sie sind guteBeispiele dafür,dass dieBereiche Entsorgung, Energie und Wasser imSinne einer Kreislaufwirtschaft immer stärker zusammenwachsen und gleichermaßen umweltgerecht, wie wirtschaftlich agieren. www.veolia.de UmweltMagazin September 2014 59

Ausgabenübersicht